Münster unserer lieben Frau

Nach Schatten suchend, obwohl noch gletscherfrisch am Fuß des Münsters und seinen architektonischen Stilschichten (romanisch, gotisch und spätgotisch, das früher nie gewusst, liegt daran, dass ich kein Heimatheimchen geworden bin in meiner Wahlheimat, was nicht war, kann nur bedingt werden, nordenglisches Wetter hier einzuschleusen, damit könnte ich als Heisstemperatursensibelchen halbwegs leben). Unterm schönsten Turm der… Weiterlesen

Unbestechlichkeit

Die Unbestechlichkeit der Kindheit In der Innenfläche unserer  Hand herden die Runen der Ratlosigkeit, unser Staunen darüber, wie sie aus Gelöbnis Testamente des Zauderns schufen. Wir sind Schafe auf dem sich nach oben neigenden Hang. Der Zweifel überdauert dort, ein schwarzer Hund vergrämt unsere Treue. Dein roter Schopf, freibeutend, rasend, du deklinierst was falsch klingt… Weiterlesen

Der Schaum der Tage

Ganz früh am Morgen und, leider nicht unter dem Dylan Thomas’schen Milchwald, in Unterwäsche auf dem Balkon. Die Maxime der jetzigen Nächte: Durchschlafen und früh, fast noch im Dunklen, dem Regen nachspüren und dem grandiosen Schauspiel des Wetterleuchtens der vergangenen Nacht. Merkwürdig der Drang nach verwunschenen Tagesprotokollen. Warum ich vom Verwunschenen schreibe, begreife ich als… Weiterlesen

Möwe, Tau und Nebel

Heute Morgen in der Ferne ein Vogelschrei, dem einer Möwe ähnlich. Er entzündet die Raserei der Sehnsucht nach dem Meer, mindestens aber nach einem Bild von ihm. Nach dem in Grauschattierungen changierenden Horizont, von dem ich nie weiß, ob er nur die lähmende Melancholie widerspiegelt oder die Gefahr eines Aufbruchs, oder die Aufforderung nach Entladung… Weiterlesen

Efeu

Die wenige    Freiheit des vorgezogenen Ruhestands liegt im Erobern meines Balkons. Zum ersten Mal nach langer Zeit sitze ich am Abend beim dösenden Glimmen einer Kerze auf ihm und denke, am Gängelband der mir zuwachsenden Freiheit und der gleichzeitigen Emanzipation von ihr, über den Tonus der Stille nach, die sie mir bietet. Die mich plagenden… Weiterlesen

Notate 29

Empörung grassiert. Oft heuchlerische Empörung, die andere, gleichartige oder gewichtigere Anlässe zu ihrer Existenz unterschlägt. Anlässe, zu denen sich Empörung äußert, anstelle anderer Regungen, die in der Lage wären, Potentiale abzurufen, die für den qualitativen Sprung des Denkens zum Handeln  unabdingbar sind. Also alles andere als die naive und niedliche Empörung, die zu Recht zu… Weiterlesen

Marie Sophie Hingst – Ein Nachruf

„I only ever am a greedy thief, full of hunger for words. And as you and the world at large can see, it didn’t end well.“ [Marie Sophie Hingst, in einer ihrer Mails an den Reporter der Irish Times, Derek Scally]   Ihren Blog Read on my dear, read on habe ich geliebt. Ich liebte… Weiterlesen

Hitze

Hitze Die Musik, die vor der Hitze sich in seichteste Kadenzen flüchtet, ihr Ton am Pranger schaler Töne, ihr Trommelwirbel wirbellos im Taumel. Sie klingt schon nach Verklingen und nach Bedauern, dass sie umsonst der Lust sich hingegeben, dem Ohr sich zu verdingen.          

Notate 28

Der Materialismus in der Philosophie beruht auf der Annahme, dass die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen stofflich verursacht sind. Von Natur ist kein Mensch gut oder böse. Er ist eine bewegliche, leistungsfähige Maschine , < l´homme machine > , wie La Mettrie sagt. Daher sei der Mensch erziehbar und durch Gesetz zu formen, im Guten und… Weiterlesen

Alles nur Theaterbühne

Die Neurowissenschaft und einige moderne Strömungen der Philosophie verabschieden, peu à peu, die tief in uns verankerte, traditionelle Vorstellung eines Selbst, das in Bezug auf seine Empfindungen vorgibt, ein in sich beständiges, stabiles, fühlendes, denkendes und handelndes Wesen zu sein. Also etwas, was wir gemeinhin als das „Ich“ bezeichnen und dieses auch benennen, wenn wir… Weiterlesen

In eigener Sache

Wie schnell es gehen kann, sozusagen über Nacht, sich als Rassist, als homophob, als Psychopath, als Stalker, als Hasser lesbischer Frauen und ausländischer Frauen wiederzufinden, davon mag die Antwort der Betreiberin des Blogs https://nandalya.wordpress.com/&nbsp; auf einen meiner Kommentare zu einem ihrer Beiträge geben. Mein Kommentar gleicht inhaltlich im Wesentlichen meinem vorherigen Beitrag „Thoughts of a… Weiterlesen

Thoughts of a beast – rhetorische Mittel der Verblendung

Zugegeben, ich tue mich schwer mit selbsternannten Welterklärern und ErklärbärInnen, die aus der Perspektive des Tendenziösen sich aufmachen, um dem tumben deutschen Michel die Welt zu erklären. In noch schlimmeren Fällen  prahlen solche Propagandisten der Ein-Eindeutigkeit der Welt von der Objektivität von Sachlagen, die eigentlich jedem mündigen und informierten Bürger ins Auge springen müssten. Es… Weiterlesen

Let no man steal your thyme

Carey Mulligan und Michael Sheen singen den british/irish  folksong „Let No Man Steal Your Thyme“;  im Film „Far From the Madding Crowd“ (dt. „Am grünen Rand der Welt“), nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Hardy.   Lyrics: Come all you fair and tender girls That flourish in your prime Beware, beware Keep your garden fair… Weiterlesen

Notate 27

„Einst, wenn ich mich recht erinnere, war mein Leben ein üppiges Fest, da öffneten sich alle Herzen, da flossen alle Weine.“ (Arthur Rimbaud) „Ich! Ich!, der sich Magier oder Engel genannt hat, losgesagt von jeder Moral, ich bin der Erde zurückgegeben, eine Pflicht zu suchen und die raue Wirklichkeit zu umarmen.“ (Arthur Rimbaud) Wir haben… Weiterlesen

Bekehrung

Wir sind die kleine Randnotiz, die Eckenstehermädchen mit gelegentlichem Witz, der Katzentisch der Renitenz,mit grindigen Knien und Sonntagsrock. Wir flüstern den Fado beim Sterntalertanz, und sinken in die Enge von Predigten, Schein im Wort, die Roben fangen Feuer am Lichtgarn ihrer sinnlosen Dauer. An jedbestem Sonntag verhallt die Läuterung in den widerspenstigen Wipfeln der Schöpfung.… Weiterlesen

Notate 26

Witzbolde behaupten gerne, dass den Engländern jeder spirituelle Instinkt abgehe und sie das Cricketspiel erfunden haben, um wenigstens auf diesem Weg eine Ahnung  davon zu haben,  wie sich die Ewigkeit anfühlt. * Wenn es Gott nicht gibt, dann haben die Schönheit und die Empfindung des Schönen ihren zweifachen Urgrund: In der wundersam sich selbst schaffenden… Weiterlesen

Allegorie

Süden. Der sengende Atem der Dürre. Steine, klafterweise aufgetürmt in den Brunnen, jenen durstspendenden Kathedralen. Lecken Kühe am Rost der Elektrozäune bis zum Wahnsinn in ihren gellenden Augen. Irren Geister, geheftet an  siechende   Körperstriche, taumelnd wie Träume von fetten Weiden und der peitschenden Fratze eines belgischen Königs. Werfen sie Zutaten in die Luft, fangen sie… Weiterlesen

Bin

Bin einer des Sporadischen, ein widerrufener Glücksgriff nach zwei Drittel Leben, das wölfische Grinsen der Unhöflichkeit. Bin eine Unmöglichkeit, schwarze Tulpen von Sissinghurst. Bin kein Tropfen Regen auf die ausgezehrten Schollen der unsolidarischen Moderne. Kein Wort, das alles ändert, kein Ruf, der die  Regatta am Saum der Horizonte in einen Glückstakt zwänge. War. (© Achim… Weiterlesen

Letzte Sätze 20 – Edna O‘ Brien – Das einsame Haus – House of Splendid Isolation

Ich dachte, der Tod meiner Mutter würde mir mein Leben schenken, aber ich habe mich wohl geirrt. So wie der Soldat dachte, wenn er einem Engländer das Leben nimmt, könnte er jahrhundertelanges Unrecht sühnen, aber wie sollte das jemals möglich sein. Das Herz des Soldaten war voll von dunklen, gewalttätigen Gedanken, aber die Engländer haben… Weiterlesen

Kleines Etwas zum Traum

Die Übermüdung ist der Triebaufschub des Traums. Die Grübeleien zwischen blauen Stunden, die lange Nacht und der Abdruck von Fischbeingräten auf der Haut am frühen Morgen und den zerplatzenden Seifenblasen des Pseudofaktischen. Fallenstellersätze, la grande illusion, der Traum als Unwillkürlichkeit, ähnlich der des Tourette Syndroms. Was der Splitter im hellichten Auge ist, ist der Balken… Weiterlesen

Variationen in Schnee

Click on picture to open Gallery All pictures © Achim Spengler

Von H.G. Wells lernen oder auch nicht

  H.G. Wells (1866-1946) machte die Möglichkeit der Vervollkommnung, zuerst der Gesellschaft, dann ihrer Individuen, im Rahmen der Naturforschung und des Sozialismus von fünf Prinzipien der Freiheit abhängig, ohne die er eine Zivilisation undenkbar fand: –  Recht auf Privatheit–  Bewegungsfreiheit–  unbegrenzter Zugang zum Wissen–  Wahrhaftigkeit–  Recht auf Debatte und Kritik–  freie wissenschaftliche Forschung Vom aktiven… Weiterlesen

Notate 25

Gratismut nennt Enzensberger ein Verhalten, das couragiert tut, in der Öffentlichkeit aber nicht anzutreffen ist, weil es ihm an Zivilcourage gebricht. Gutes gedacht, das Handeln aufgeschoben. Noch ist ja alles nicht so schlimm. Die Diskrepanz zwischen Werten und Handeln ist empirisch belegt. Die aufgeschobene Widerständigkeit. Der Bystander Effekt: Wenn alle nur zuschauen, kann es so… Weiterlesen