Was ist von einem kapitalistischen Gott zu halten? Von einem Anti-Pädagogen? Einem Befürworter der freien Kräfte eines freien Marktes von verschacherten oder geretteten Seelen? Der gegen die Heerscharen des großen Verführers seine engelsgleichen Sozialarbeiter ins Feld führt? Sein Sohn ist von diesen caretakern die Blaupause. Er darf, auf eigenen Wunsch hin, den bösen Menschen, gleich Sisyphos, ins Gewissen reden. Was ist von diesem deistischen Gott also zu halten, der sein Werk nach Abschluss auf Gedeih und Verderb dem Markt der Eitelkeiten übereignete und seinen Sohn zum Feigenblatt amoralischer Kräfte degradierte? Darf man ihn, den Allmächtigen, Rabenvater nennen, oder einen Demiurgen, der vernünftig plante und schuf?
Welche Gedanken kommen in den Sinn bei einem Gott, der sich zu schade ist, die Menschheit ihrer Sünden zu berauben. Der ihr den freien Willen einhauchte, so dass sie davon mannigfaltigen, fürchterlichen Gebrauch machen konnten. Wie kann denn von einem freien Willen überhaupt die Rede sein, wenn an dessen Beginn die vom Schöpfer eingefädelte Verführung zum Essen verbotener Früchte steht?
Ein freier Wille ist nichts wert, wenn zugelassen wird, dass Satan sich ins Paradies schleichen darf, um dort sein verführerisches Spiel zu spielen. Immerhin hätte ein freier Wille noch vor dem Sündenfall zum Ausdruck bringen können, dass man ohne Gottes Ratschluss sich dieser Begehrlichkeit nicht ohne weiteres in die Arme werfen möchte. Und wieso wird denn dem freien Willen das göttliche Verbot zur Seite gestellt, vom Baum der Erkenntnis zu essen?
Späterhin bietet Gott den Menschen einen Hauch von Hoffnung an, durch das Versprechen der Erlösung und des Heils durch Jesus Christus. Aber was ist heilsam daran, wenn dafür der Heilsbringer erst geopfert werden muss und eine potentielle Erlösung unserer Seelen erst nach unserem Tod abgewogen wird, durch ein Schiedsgericht, das die guten Seelen von den schlechten trennt? Deshalb wohl, auch im Namen der gebeutelten Menschheit, der Schrei des Sohnes: Vater, warum hast du mich verlassen? Satan hingegen darf diabolisch grinsend seine ureigene Stärke geltend machen, darin bestehend, seine Abtrünnigkeit und Abgründigkeit standfest zu vertreten, unbehelligt von göttlicher Allmächtigkeit .
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