Die englische Romantik – Byron, Shelley, Keats

Die englische Romantik -Percy Bysshe Shelley
Percy Bysshe Shelley

Die englische Romantik und ihre Protagonisten, das war es wozu dieser Blog inhaltlich angetreten ist. Dem Wunsch nach Rekonstruktion dieser literarischen Epoche in England und der Nacherzählung der Schicksale einiger ihrer Helden. Helden, die in dieser Zeit lebten und die sich ins kulturelle englische Gedächtnis liebten und schrieben. Es geht um die Sehnsucht nach der Wahrnehmung vergangener und doch gegenwärtiger Lebensentwürfe. Entwürfe, die ich mir selbst gerne über meine ereignislose Gegenwart drapieren würde. 
Das klingt wie aus der Zeit gefallen, aber gegen diese Sehnsucht wächst kein Kraut.
Und hat man nicht die gleichen künstlerischen Mittel zur Hand, so doch wenigstens die tief empfundene Anteilnahme an den Lebensläufen dieser literarischen Heroen, Lord Byron, Percy Bysshe Shelley und John Keats.
Wir lieben das, was wir sehen, und begehren  das, wozu wir selbst nur wenig befähigt sind. Wie begehren auch die Zeiten, in denen das Begehrte sich zutrug.

Die englische Romantik - John Keats
John Keats

John Keats betrachtete „schöne Ausdrücke mit den Augen eines Liebenden“. Seine erste Schaffensperiode ist geprägt vom Streben, das eigene Ich aus seinen Werken herauszuhalten, als hätte es nach den Codizes der klassizistischen Lyriktheorie dort nichts zu suchen. Dann verliebte er sich in Fanny Brawne, und seine Person als der Charakter eines großen Liebenden, brach sich in seinen letzten Gedichten Bahn. In diesen entdeckte er das Du der Geliebten und huldigte diesem während des kritischen Verlaufes seiner Tuberkulose zunehmend verzweifelt.

Die englische Romantik - Lord Byron
Lord Byron

Über Lord Byron sagte Nietzsche: „Das Auszeichnende, aber auch Gefährliche in den dichterischen Naturen ist ihre erschöpfende Phantasie, die, welche das, was wird und werden könnte, vorwegnimmt, vorweg genießt, vorweg erleidet und im endlichen Augenblick des Geschehens und der Tat bereits müde ist.“
Wie recht er damit hatte und wie synonym dazu sich Byrons Eigencharakteristik darstellt:
„Das große Ziel meines Lebens ist das Empfinden – zu spüren, dass wir existieren – wenn auch unter Schmerzen – es ist diese sehnsuchtvolle Leere, die uns antreibt zum Spielen- zu Schlachten – zu Reisen – zu zügellosen, aber heftig empfundenen Unternehmungen jeder Art, deren hauptsächlicher Reiz in der Erregung liegt, die mit der Durchführung untrennbar verbunden ist.“

Sein Tod durch Malaria, erlitten bei Missolunghi  in den Wirren der griechischen Revolution gegen das Osmanenreich, ist mehr als nur das zufällige Zeugnis und Urteil über sich selbst.
Für den einen ist es die Liebe, für den anderen das spielerisch überdehnte und konsequente Lebensabenteuer: Antriebskräfte literarischer Talente, auch eine Art Ersatz der Religion, in der die drei auf ihrer Suche nach transzendentalen Sinngehalten keine Zuflucht fanden.

Und wenn man den Tod Shelleys im Meer bei Viareggio hinzurechnet, so ist das Maß  dessen voll, was man sich tragischer und zugleich pittoresker  in Bezug auf die  negativen Lebenshöhepunkte nicht vorzustellen vermag. Von der Todessehnsucht, die bei allen Dreien subkutan schlummerte, ganz zu schweigen.


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Achim Spengler
Achim Spengler

In love with literature, photography, philosophy and history.

Artikel: 601

5 Kommentare

  1. So we'll go no more a-roving
    So late into the night,
    Though the heart be still as loving,
    And the moon be still as bright…

    …what else is there to say

  2. Der einsame Tod der Helden-Dichter !

    Nicht allein! – wo du auch weilest,
    Denn wir glauben dich zu kennen,
    Ach! wenn du dem Tag enteilest
    Wird kein Herz von dir sich trennen.
    Wüßten wir doch kaum zu klagen,
    Neidend singen wir dein Loos:
    Dir in klar’ und trüben Tagen
    Lied und Muth war schön und groß.

     Ach! zum Erdenglück geboren,
     Hoher Ahnen, großer Kraft,
     Leider! früh dir selbst verloren,
     Jugendblüthe weggerafft.
     Scharfer Blick die Welt zu schauen,
     Mitsinn jedem Herzensdrang,
     Liebesgluth der besten Frauen
     Und ein eigenster Gesang...
    

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