Fremdwörter

FremdwörterIch liebe Fremdwörter. Ich sammele sie und nehme die Last der Lästereien auf mich, die mir aufgrund des Einsickerns dieser Wörter in die Senkgrube meiner Alltagsrede aufgebürdet wird.
Mir ist dagegen noch keine hieb- und stichfeste Replik eingefallen. Einige sammeln Briefmarken und ich will mich nicht entblöden, diesen bedauernswerten Kreaturen vorzuwerfen, dass es damit für sie nur um bloße Illusionen geht. Die blaue Mauritius ist schon längst vergeben und hinter dickem Panzerglas geborgen. Das stubengemütliche, bourgeoise Briefmarkenalbum setzt sich also zusammen aus dem Bodensatz von Marken, die schon alle besitzen.
Hach, aber die Fremdwörter. Man kann sie in ewigen geistigen Besitz nehmen. Man drapiert mit ihnen viele ansonsten totlangweilige Phrasen, peppt durch sie Sätze mit fiktivem Bedeutungsreichtum auf. Man stolziert mit ihnen auf der Promenade der Gewöhnlichkeit umher wie ein Stenz, ein Dandy, ein Geck, um den lesefreudigen Damen, den lieblichen, parfümierten Plaudertäschchen in ihren Puffärmeln und spitzenbesetzten Rüschenblüschen einen Hauch von Weltläufigkeit auf das Wangenrouge zu küssen.
Wer den Fluss des Redens entdecken will, muss auch ins Wasser gehen, mit dem Behelf von Wörtern, die vor dem Ertrinken retten.
Merkwürdigerweise kritisieren die radebrechenden Zeitgenossen, deren grammatikalische und semantische Talente sich auf die Erfindung von „Affensperma“ als Neuhochdeutschidiom für einen Bananenmilchshake reduzieren lassen, ausschließlich meine Verwendung von Wörtern lateinischen oder altgriechischen Ursprungs.
Dass auch unsere postmoderne Hochkultur dort noch immer ihre Wurzeln hat, stört sie nicht im Geringsten. Dass an allen Ecken und Enden unserer sprachkulturellen Infrastruktur Anglizismen und Frankozismen ihre Aufwartung machen, gehört für sie zum guten Ton des linguistischen Zeitgeistes. Auch scheint ihnen die  Tatsache entgangen zu sein, dass dieser „Zeitgeist“ oder der „Kindergarten“ oder die „Angst“ oder der „Bildungsroman“, der „Blitzkrieg“, der „Dachshund“, der „Flugtag“, der  „Geist“, das „Fräuleinwunder“ und das „Entscheidungsproblem“ und der „Weltschmerz“  den Weg in die Sprachperformanzen der Engländer und Amerikaner gefunden haben, die Osmose des Wörteraustausches also durchaus in beide Richtungen geht.
Trotzdem. „Ich quatsche eure Sprache nicht, ihr müllt im Unsinn. Tollwütig hebt ihr euer sprachliches Holzbein und duftmarkiert jede Nische mit Wortkreationen, deren Zerfallsdaten an einem Finger abzuzählen sind. Ihr Brüllaffen im Allegreto à tempo. Ihr Sinnkipplaster, ihr Marionettenpuppen von Rap und Slam Poetry. Ihr Markenvampire, ihr anämischen Opfer des Ku-Klux-Klan-Kommerz.“
Diese Art von Suada würde ich gerne über jene kübeln, die auf dem Kriegspfad gegen Latinismen und Gräzismen sind. Allein, mir fehlen zu Untermalung einer solchen Schmährede noch ein paar fremdsprachliche Juwele. Ich arbeite daran.
(Wen eine Liste der deutschen Wörter im Englischen interessiert, der werde hier weiter fündig: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_W%C3%B6rter_im_Englischen ).
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