Letzte Sätze 14 – Jack Kerouac – On the Road (Unterwegs)

 

Jack Kerouac
Jack Kerouac

Und wenn in Amerika die Sonne untergeht und ich auf dem alten ver-
rotteten Pier am Fluß sitze und den weiten, weiten Himmel über New
Jersey betrachte und all das rauhe Land vor mir sehe, das sich in einem
unglaublichen riesigen Buckel bis zur Westküste hinüberzieht, und all
die Straßen, die hin und her führen, all die Menschen, die in seiner un-
ermeßlichen Weite träumen, und mir sage, dass jetzt in Iowa wahr-
scheinlich die Kinder weinen, in diesem Land, wo man die Kinder wei-
nen läßt, und dass heute nacht die Sterne am Himmel stehen werden –
wußtest du nicht, daß Gott Pu der Bär ist? –, und dass der Abendstern
herabsinken und sein matter werdendes Funkeln auf die Prärie gießen
muß, bevor endlich die vollkommene Nacht sich ausbreitet und die
Erde segnen und die Flüsse in Dunkelheit tauchen und die Gipfel der
Berge verhüllen und das letzte Gestade umschließen wird, und nie-
mand, niemand weiß, was einem jeden bevorsteht, außer den elenden
Lumpen des Alterns, dann denke ich an Dean Moriarty, dann denke ich
auch an Old Dean Moriarty, den Vater, den wir nie gefunden haben,
dann denke ich an Dean Moriarty.

Unterwegs

(On the Road; Unterwegs. Aus dem Englischen von Thomas Lindquist (Neuübersetzung). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-499-22225-2)

 

 

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