Kirchengeschichte – Domenico Scandella

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Domenico Scandella, auch bekannt unter dem Spitznamen Menocchio, war ein italienischer Müller aus dem 16. Jahrhundert aus Friaul, der aufgrund seiner unkonventionellen Ansichten und Überzeugungen bekannt wurde, die zu seinem Prozess und seiner Hinrichtung durch die römische Inquisition führten. Er wurde um 1532 geboren und lebte im Dorf Montereale Valcellina.

Menocchios Gedanken und Überzeugungen sind vor allem durch die Aufzeichnungen seines Prozesses bekannt, die von dem Historiker Carlo Ginzburg in seinem Buch „Der Käse und die Würmer: Das Weltbild eines Müllers im 16. Jahrhundert“ bewahrt wurden. Dieses Buch untersucht Menocchios einzigartige Kosmologie, die Elemente des Christentums mit seinen persönlichen Interpretationen der Bibel und anderen eklektischen Quellen verband, darunter Volksmärchen und Bücher, die er gelesen hatte, wie die Bibel und „Das Dekameron“.

Menocchio vertrat eine pantheistische und materialistische Sicht des Universums und behauptete, dass die Welt aus Chaos entstanden seiund behauptete, dass die Welt aus Chaos entstanden sei, ähnlich wie Käse aus Milch gerinnt, und dass Engel aus den Würmern im Käse entstanden seien. Seine Ideen stellten die orthodoxen christlichen Lehren der Zeit, insbesondere die Natur Jesu Christi, die Kirche und die Schöpfung des Universums, in Frage.

Seine radikalen Ideen führten schließlich zu seiner Verhaftung durch die Inquisition. Er wurde erstmals 1583 und dann erneut 1599 verurteilt, woraufhin er zum Tode verurteilt wurde. Menocchio wurde 1599 im Alter von 67 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Menocchios Geschichte wird oft als Beispiel dafür angesehen, wie die Verbreitung der Druckkultur es selbst relativ isolierten und ungebildeten Personen wie einem Müller ermöglichte, Zugang zu einem großen Wissensschatz zu erlangen, der wiederum zu einer Infragestellung traditioneller Autoritäten, einschließlich der Kirche, führte. Sein Fall bietet Einblicke in das kulturelle und intellektuelle Aufbrausen der Renaissance- und Reformationsepoche.


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Achim Spengler
Achim Spengler

In love with literature, photography, philosophy and history.

Artikel: 601

4 Kommentare

  1. Hi Achim
    Danke für die Vorstellung von Domenico Scandella, von dem wir nie zuvor gelesen hatten.
    Wir lieben speziell seine Idee, dass Engel aus Würmern im Käse entstanden seien. Siri und Selma stimmen dem voll zu. Zum Glück landet man für solche netten Ansichten nicht mehr auf dem Scheiterhaufen.
    Mit lieben Grüßen von der heute regnerischen Küste
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

  2. „wie die Verbreitung der Druckkultur es selbst relativ isolierten und ungebildeten Personen wie einem Müller ermöglichte, Zugang zu einem großen Wissensschatz zu erlangen“
    In dieser Zeit werden Topspieler im Schach immer jünger. Selbst Zehnjährige können sich bisweilen mit gestandenen Großmeistern messen. Das gab es eigentlich noch nie.
    Grund ist das Internet. Ein jungerspieler braucht nur die niedrigste Norm des Weltschachbundes, dann kann er auf einer bestimmten Webseite wöchentlich gegen Weltklassespieler antreten. Das nennt man dann fast learning! In der Spanne vom Alter 4 – 10,11 legen sie eine Strecke zurück, für die begabte Spieler sehr sehr lange brauchten. Ausserdem fingen diese älteren Spieler später an.

  3. Hätte er die Existenz von Engeln einfach nur geleugnet, anstatt sie aus den Würmern im Käse herzuleiten, wäre er womöglich eines friedlichen Todes gestorben. So aber wurde er selbst zum Wurm. Möge er zum Engel geworden sein!

  4. Vielen Dank für die Vorstellung dieses Menschen.
    Es gab bereits in der frühen (italienischen) Renaissance herausragende Menschen mit besonderen, sehr ausgeprägten Fähigkeiten. Ist denn bekannt, woher der Müller seine Lesekenntnisse hatte? Woher hatte er die finanziellen Mittel, sich die damals noch exorbitant teuren Bücher zu kaufen? Oder besuchte er die Bibliotheken in Pordenone (ca.25km) oder Udine (ca.60km) und wer verschaffte ihm die Genehmigungen dazu? Oder hatte er Zugang zu einer näher gelegenen Klosterbibliothek? Fragen über Fragen…
    Schöne Grüsse,
    Robert

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