Vom fruchtbaren Schoß, aus dem das kriecht

Alles hat seine Zeit. Nur die Utopie nicht. Sie sei aufgrund menschlichen Versagens nicht durchführbar. Hat Stephen Hawking gesagt. Die braune Utopie der 20er bis 40er Jahre des letzten Jahrhunderts war natürlich undurchführbar, gemessen an ihrer prognostizierten 1000jährigen Herrlichkeit. Doch der Preis für ihr unmenschliches Zwischenspiel  war ungeheuer, offensichtlich jedoch bezahlbar, zumal mit Milliarden US-Dollar des General George Marshall.
Die Frage darf auch heute noch gestellt sein, warum dem barbarischsten aller Völker überhaupt wieder auf die Beine geholfen wurde, zu welchem Gewinn,  zu welchem Zweck?  Befehlsnotständler, Mitläufer, Mitwisser und Straußenvögel, all jene hätten ein verstepptes Deutschland, mit landwirtschaftlichem Zuschnitt zur Selbstversorgung, allemal verdient gehabt.
Die Nachkriegsgeschichte war gnädig mit uns und es kommt in mir das Gefühl auf, als wüssten sie es, als ahnten sie es, dass man ihnen auch heutzutage keinen ernstgemachten Strick drehen wird, dass man irrationales Verständnis haben könnte für ihre dummdreisten, geschwätzigen, inhumanen Verlautbarungen und ihre kleingeistig-arrogante Faktenresistenz. Oder steckt dahinter eine selbsterfüllende Prophezeiung, über die wir nicht nachdenken wollen, dem Motto gemäß, was nicht sein darf, kann nicht sein? Das darf man ja wohl noch sagen dürfen.  Darf man nicht, und da es unbelehrbare Sätze sind, bleibt nur der körperliche Schmerz, das Faustrecht, das Recht auf Notwehr. Und der endgültige  Ausschluß aus der Liste der gerechten Völker, sofern es diese Liste tatsächlich geben würde. Das Volk hat sich wahrlich bis aufs Knochenmehl blamiert. Unbelehrbarkeit ist sein Stigma. Und das ist etwas, was dauerhaft über die Arendt’sche Banalität des Bösen hinausgeht. Dieser unbelehrbaren selbstverständlichen Selbstverständlichkeit kann man mit Worten nicht begegnen. Nie. Daran haben sich vorzüglichere Geister schon versucht. Oder Sozialpsychologen. Ideologische Borniertheit, wenn sie sich in der Borniertheit einer ganzen Gruppe aufgehoben fühlt, geht einher mit Narzismus, Grandiosität, Gigantomanie, rein und unverfälscht. Wer auf diese überhöhten Selbstbilder freiwillig verzichten möchte, hat eine gegenläufige Art von Gehirnwäsche vor sich, oder er findet eine Droge, die das Gegenteil des  aufgeblähten Egos, das kleine gehirnamputierte Würstchen, im Rauschzustand erzeugt.

Diejenigen, die jetzt auf Geschichte pfeifen, auch auf ihre eigene, z.B. im Streichelzoo des real existierenden Sozialismus, sind die gleichen, die Geschichte wiederholen. Das Volk von Demokraten, das Volk von Rechtstaatlichkeit und Grundgesetz, das Volk  von  Montagsdemonstrationen sind sie nicht. Weil sie nicht klug genug sind, um einen solchen geistigen Diebstahl überhaupt begehen und verkaufen zu können.
Alexander Mitscherlich hat von des Volkes Unfähigkeit zu trauern gesprochen. Daran scheint sich nichts geändert zu haben. Hinzu kommt die Unfähigkeit zur Scham, zur bewußtseinserweiternden (Selbst)reflexion. Es gibt keine Gegenwart oder Zukunft, nur die Vergangenheit, die immer und immer wieder geschieht, jetzt. Das sagte Eugene O’Neill, der große irisch-amerikanische Dramatiker. Und sein Satz scheint zu gelten besonders dann, wenn die niedersten, egoistischsten, verleumderischsten, hetzerischsten Umtriebe augenscheinlich werden. Wenn man dieser Charakterisierung von Geschichte folgt, so passt das Bild vom Ewiggestrigen zur Totalen eines vermuteten deutschen Charakters, von dem Churchill einmal gesprochen hat, dass er entweder Stiefel leckt oder einem an die Kehle will, aus aufklärerischen Gründen natürlich und im Namen der Rettung des Vaterlandes. Viel aufklärerisches Licht schüttet sich gerade über Flüchtlingsheime aus, aber diejenigen, die da schütten, bleiben doch selbstverschuldet unmündig im Kontext chauvinistischer Brand- und Schandreden. Das Wehret den Anfängen ist in diesem Zusammenhang immer das zu Spätgekommene. Anfänge gibt es nicht, subkutan schlummert das sittlich Erbärmliche immer, schlummert die unausrottbare Xenophobie.

Den Tonfall ändern. Die ganze Tonspur ändern, alles auf den Prüfstand verunmöglichter Kommunikation stellen. Das, was aus dem noch fruchtbaren Schoß gekrochen kommt, ist an der Quelle selbst zu stellen und zu bekämpfen. Wenn der chauvinistische Krakeel zündelt, die ewiggestrige braune Sauce überschwappt, dann hilft dagegen kein Verweilen im Wolkenkuckucksheim besoffener Besinnlichkeit, in der Hoffnung, die Zeit würde,  im Marschschritt, alles wieder in den guten Ausgang der Geschichte wenden. Die Anstrengungen argumentativer Vermittlung kann man sich ersparen. Man kann es sich eskapistisch am Bollerofen recht gemütlich machen, vorausgesetzt, man befindet sich nicht in Ruf- und Hör -und Moralweite eines Flüchtlingsheims. Der Rückzug ins Private, in die Schrebergärten, bietet keinen Schutz vor den antagonistischen Parolen der Welt.

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Lob der Dummheit – Der Rücktritt von Lutz Bachmann

Die Dummheit trägt viele Namen. Wir sollten froh sein, dass es sie gibt. Sie benötigt kein Astrolabium, um, wie von Geisterhand geleitet, stets die geeignete Wirtsperson zu befallen. Der entlarvte Wirt heute: Lutz Bachmann. Genau, der von PEGIDA. Ihm hätte auch ein Astrolabium, dieses von griechischen Gelehrten entwickelte nautische Instrument, nicht beistehen können angesichts des letzten Stündleins, das ihm heute geschlagen hat. Hätte es eine Art moralischer Kompass für ihn richten können? Dummheit und Moral, das geht einfach nicht zusammen.  Dummheit ist grenzenlos, auch wenn man sie verorten kann. Und da das so ist, bringt sie auch immer zu Fall, verlässlich. Gründe genug also, sie zu loben.