Letzte Sätze 4 – Ian McEwan – Abbitte

Ich stehe am Fenster, spüre Wellen der Müdigkeit die letzte Kraft aus meinem Körper spülen. Der Boden scheint unter meinen Füßen zu wogen. Ich habe zugesehen, wie das erste graue Licht den Park und die Brücken über den verschwundenen See zum Vorschein brachte. Und den langen, schmalen Weg, auf dem Robbie fortgefahren worden war, hinein… Weiterlesen

Letzte Sätze 3 – James Joyce – Ein Portrait des Künstlers als junger Mann

16.April: Fort! Fort! Die Faszination von Armen und Stimmen: die weißen Arme der Straßen, ihre Verheißungen inniger Umarmungen und die schwarzen Arme von Großseglern, die sich vor dem Mond abheben, ihre Mär von fernen Ländern. Ausgestreckt, als wollten sie sagen: Wir sind allein. Komm. Und die Stimmen rufen im Verein mit ihnen: Wir sind von… Weiterlesen

Letzte Sätze 2 – Henry Roth – Ein Amerikaner

Er war völlig am Ende; fühlte sich längst ausgelaugt und seiner schöpferischen Kraft beraubt. Auch konnte er sich nach einem halben Jahrhundert oder mehr an weitere Einzelheiten aus seinem Leben erinnern; besonders, weil die Einzelheiten selber so verschattet, so wolkenverhangen waren; verborgen hinter der allgegenwärtigen Angst, die ihn früher schon heimgesucht hatte – Angst, Beklemmung,… Weiterlesen

Alice Munro – Nobelpreis für Literatur 2013

Ursprünglich veröffentlicht auf A Readmill of my mind:
Wenn man Hemingway’s „Oben in Michigan“ gelesen hat, ist es ein Schlag ins Wasser, eine Short Story mit dem Titel „Oben im Hotzenwald“ schreiben zu wollen. Es gibt ein Schreiben, einen Ton und Duktus, deren Nachahmung  wünschenswert sein mag, aber im Lächerlichen endet. Wenn ich…

Letzte Sätze 1 – James Salter – Lichtjahre

Ich werde mir erlauben, die letzten Sätze von Romanen vorzustellen.  In zeitlich loser Reihenfolge und querbeet aufgesammelt durch alle Zeiten, seit Anbeginn dieser modernen Erzählform. Romane, die meinen Literaturgeschmack für immer geprägt haben. Ungekrönte Romane, die für sich allein, oder im Gesamtwerk des Autors/der Autorin stehend, den angesehensten Literaturpreis unserer Zeit längsthin verdient hätten. Glückliche… Weiterlesen

Erinnerung an W. G. Sebald

Bitte lesen, hält dieser Beitrag doch das, was er leisten will: Die Erinnerung wach an den großen, immer noch unbekannten Autor deutscher Provenienz, der in anderen Ländern zu den größten Autoren seiner Zeit gezählt wird. Fein. Bitte lesen, hält dieser Beitrag doch das, was er leisten will: Die Erinnerung wach an den großen, immer noch… Weiterlesen

To Shakespeare with Love

Meine Liebe zu England, ich habe mich oft gefragt woher sie kommt und was drückt sich in ihr aus? Dieses sehnsüchtige Gefühl und die Euphorie, verbunden mit der immensen Vorfreude eines bevorstehenden Besuches? All das ist nicht wirklich erklärbar oder begründbar. Man liebt das rote Haar der Geliebten und die Sommersprossen in ihrem Gesicht. Man… Weiterlesen

Lady Lazarus in Cambridge – Sylvia Plath und Ted Hughes

Sie nahm sich am 11. Februar 1963 das Leben. Nachdem das „Schlimmste“ ihr geschehen war und sich zum Schlimmeren wendete. Kein Geistlicher war anwesend in der Stunde ihres Todes. Nur der Wohnungsnachbar, der diese Stunde ignorant übersah. Der sie als Hausfrau und Mutter wahrnahm, nicht mehr als das, und der sich wunderte, warum sie kein… Weiterlesen

Dublin – Baile Átha Cliath

Das folgende (Vorsicht !!) Gedicht schrieb ich 2005, anlässlich meines Besuches in Dublin. Meine drei (nicht Bronté !) Schwestern schenkten mir zu meinem 50. Geburtstag diese Reise. Eine Reise, die zum Eindrücklichsten gehörte, was ich je genießen durfte. Ich bin mir sicher, dass meine Schwestern mich nie als Branwell Bronté sahen. Diesen unglücklichen, im Schatten… Weiterlesen

W. G. Sebald: Die Ringe des Saturn

„Oh, for the countless things one fails to do.“ „Und  Catharina, als das Sonnenlicht sich senkte, sank nieder unter einem unsichtbaren Baum und zog die Schuhe aus und legte ihren Hut beiseite. Ich denke, sagte sie, ich will hier schlafen, schlummern wenigstens. Sei ruhig, mein Herz. Der stille Abend deckt die kranken Sinne mit seinem… Weiterlesen

Fifty Shades of Grey

Fifty Shades of Grey Wenn alle von diesem Buch reden, dann muss etwas darin sein. 16 Millionen Leserinnen und Leser lügen sich hier sicher nicht in die eigenen Taschen des bloßen, lustigen Zeitvertreibs. Etwas muss darin sein. Der sublime Akt eines Gegenentwurfs zur radikalen Fremdbestimmtheit durch die kapitalistischen Wahnsinnsprozesse? Die Neuausrichtung des Selbst durch den… Weiterlesen

Atheismus – Gedanken beim Lesen von Julian Barnes

Das Nachdenken über den Tod wird nicht nach wissenschaftlichen Kriterien geführt. Wenn es so wäre, wäre die Sache schnell erledigt: Wir sterben und daran ändert nichts. Daran ändern weder der Stand empirischer Erfahrung noch das Gesetz der Evolution etwas, und schon gar nicht die Medizin mit ihren lästerlichen Versuchen der Überwindung unserer Sterblichkeit. Jetzt mag es… Weiterlesen

Alice Munro – Der Tanz der seligen Geister

Wenn man Hemingway’s „Oben in Michigan“ gelesen hat, ist es ein Schlag ins Wasser, eine Short Story mit dem Titel „Oben im Hotzenwald“ schreiben zu wollen. Es gibt ein Schreiben, einen Ton und Duktus, deren Nachahmung  wünschenswert sein mag, aber im Lächerlichen endet. Wenn ich Alice Munro’s Erzählungen lese, setzt der Herzschlag meiner eigenen Schreibsprache… Weiterlesen

Missolunghi, Fanny Brawne und Viareggio

Jetzt muss ich auf das zurückkommen, wozu dieser Blog einmal inhaltlich angetreten ist. Auf den Wunsch nach Rekonstruktion von Geschichte und auf die Nacherzählung der Schicksale einiger meiner Helden, die in dieser Geschichte lebten  und sich ins kollektive kulturelle britische Gedächtnis liebten und schrieben. Es geht um die Sehnsucht nach und um Vorliebe für die… Weiterlesen