Notate 16 – Gott – Schwarze Löcher – Moral

Es gibt es keine gewichtigeren Beweise für die Nicht-Existenz Gottes als die Barbarei derer, die ihm huldigen. Andererseits ist es kein Beweis für seine Existenz, sollte sich jemand aufmachen und dieser Babarei ein Ende machen. Im Übrigen wird Gott selbst froh sein, nicht zu existieren, denn wer will sich schon mit der Barbarei gleichgesetzt sehen.… Weiterlesen

Brot und Salz

Ich bot dir die kostbare Restschuld. Du wehrtest sie ab mit dem schroffen Lachen der Entschiedenheit. In jenem Jahr vermaß ich die Ungeduld sorgsam und bin doch verspätet, dir treue Worte bittend anzudienen. Ich sitze an deinem Gabentisch, richte Gedecke her für das Brechen des Brotes. Ich wäge, dass du nie älter sein wirst als… Weiterlesen

Notate 14 – Schwarze Schwäne

Vielleicht klingen die Melodien des Untergangs besonders melancholisch, weil sie mich gefangen halten wie Sirenen, ohne die gebundenen Augen jedoch oder gar die verstopften Ohren. Die Bewegung der Resignation, noch bevor die Anstrengungen angedacht worden sind, derer es bedarf etwas Kleines zu tun, wie, sagen wir, den Planeten zu retten. Es wird niemand mehr da… Weiterlesen

Das Gleichgewicht der Kolibris

Du sinkst aus dem arglosen Licht. Aus meinem schwerelosen Tag, dem   streunenden Wohlergehen und dem gleichmäßigen Atem der Stille. Du ernährst mich mit  fadenscheinigen Zeiten, die zu Brosamen zerfallen, unbesungenen Liedern. Du hältst mein Gedächtnis unter Kuratel. Es bemüht sich redlich, dich zu beschweren. Wie einen Brief, aus dem man erregt zitieren möchte, als sei… Weiterlesen

Reblogged – Even the Darkness has Arms. 

Ursprünglich veröffentlicht auf Welsh Cakes. :
Part IV: Bienen-Tattoos und Trauer.  Am 22. Mai sang Ariana Grande noch einen letzten Song, die instagram-girls, die Eltern, die ganz kleinen selig-glücklichen Mädchen drängten durch die Manchester Arena nach draußen. Ich kenne keinen einzigen Ariana Grande Song und finde es hauptsächlich faszinierend, dass es Popstars gibt, die…

Reblogged – Unser Umgang mit Armut ist vollkommen falsch!

Ursprünglich veröffentlicht auf Alice Greschkow:
Es ist nicht leicht, direkt über finanzielle Armut zu reden, ohne paternalistisch oder taktlos zu werden, weswegen man lieber gar nicht darüber redet. Wer die Armen Deutschlands sind, von denen in Armutsberichten und Nachrichten über Ungleichheit gesprochen wird, ist unklar – sie haben kein öffentliches Gesicht. Dabei wird…

Momentaufnahme

Die Hasardeure der Vernunft, sie kichern. Spielen macht frei. Die Rankünen hassen redlich, wir sind berüchtigt satt. Es bleibt die Null als Summe, ein kurzer Reiz, vergangen auf der Zunge. Ein irres Lachen, das das Entzücken hetzt und sein Ersticken. Die Dummheit tanzt auf Messers Schneide. Ein schmaler Grat Geschwätzigkeit. Fangfrühe Lügen in den Reusen… Weiterlesen

Letzte Sätze 18 – Donna Tartt – Der Distelfink (The Goldfinch)

Was immer uns lehrt, mit uns selbst zu sprechen, ist wichtig: was immer uns lehrt, uns singend aus der Verzweiflung zu lösen. Aber das Bild hat mich auch gelehrt, dass wir über die Zeit hinweg miteinander sprechen können. Und ich habe das Gefühl, ich habe dir etwas sehr Ernstes und Dringliches zu sagen, mein nicht… Weiterlesen

Rage, Rage against the dying of the light

  Der wunderbare Anthony Hopkins spricht die Verse eines meiner Lieblingsdichter, Dylan Thomas, von dem Elke Heidenreich sagt, dass er am Sterbebett seines sonst so starken Vaters fassungslos darüber war, wie sanft und still der Vater hinüberging,  und dieses, sein berühmtestes Gedicht schrieb: DO NOT GO GENTLE INTO THAT GOOD NIGHT. Thomas schrieb an seinen… Weiterlesen

International Dylan Thomas Day – Reblogged von „A Readmill of my Mind „

Dylan Thomas, walisischer Feuerkopf, Trinker vor dem Herrn, herausragender Lyriker des 20. Jahrhunderts und begnadeter Rezitator der eigenen Werke. Was mich an ihm fasziniert, verdient das Beten eines Rosenkranzes, verdient eine Andacht, die mir den Oplatengeschmack eines säkularen Abendmahls schenkt und den Wein aus dem Füllhorn seiner Verse. Das mag entrückt und verzückt klingen und… Weiterlesen

Kairos, Chronos, Kindheit – Notate 13

In einem Sinne wäre ich gerne geneigt an etwas zu glauben, was als Urgrund eines gelingenden Lebens herhalten könnte. Den Glauben an den Kairos hätte ich gerne. Er ist der religiös-philosophische Begriff für den günstigsten Zeitpunkt für ein Geschehen, ein Ereignis, eine Tat usw. In der griechischen Mythologie wurde er als Gottheit begriffen und in… Weiterlesen

Notate 12 – Ignoranz

Die Dame  mit schlohweißem Haar, viriles Auftreten, wie man es von Menschen kennt, die in sich ruhen. Oder anders, die in der Hege ihrer Interessen sich wendig bewegen, mit einer Betriebsamkeit, die nicht hektisch wirkt, mit einer Bedeutsamkeit, die der dem Lebensende sich nähernden Selbstgewissheit kein Gran von Unsicherheit mehr hinzuzufügen bereit ist. Sie sagt… Weiterlesen

Notate 11 – Menschenrechte

Thomas Jefferson hielt es für selbstverständlich, an die vom Schöpfer verliehenen, unveräußerlichen Rechte des Menschen zu glauben und ermöglichte diesem Glauben prominenten Einzug in die amerikanische Verfassung und deren erste zehn Zusatzartikel. Die Tatsache, dass er schwarze Sklaven hielt, für die diese Rechte nicht galten, hängt damit zusammen, dass er in ihnen keine Menschen sah.… Weiterlesen

Ich bin ADAM – Eine Farce

Der Gedanke, besser, die Vermutung, noch besser, der konkrete Verdacht lag mir auf der Zunge. Meiner Traumzunge, um genau zu sein, weil ebenjener Verdacht durch ein Traumbild in die Welt meines wachen Bewusstseins entlassen wurde. Stellen wir uns als  Inhalt dieses Traumbildes unter anderem JUSTITIA vor. Die Blinde und insofern Gerechte, die Jedem das Seine… Weiterlesen

Notate 9 – Passion

An der Passionsgeschichte erschüttert mich mehr die Passion, die Entzückung, die Leidenschaft, mit der das Auditorium dem Leiden des Delinquenten beiwohnt. Meine Erschütterung könnte insofern die geschickte Verschleierung der gleichen Entzückung sein. Solange es den Anderen gibt, richtet sich ein Sadismus auf ihn. Wir sind die Anderen, die passive und aktive Stätte des Autodafés. *… Weiterlesen

Notate 8 – Intoleranz

Jetzt haben sie die Bäume vor meinem Fenster gefällt. Der freigelegte Blick hinaus, auf Straße, Verkehr, auf Menschen, bricht in meine fette Selbstgenügsamkeit ein. Die Jalousien übernehmen jetzt die Rolle der Bäume. Wie kann ich Migration begrüßen, wenn ich die Immigration des freien Blicks in mein sediertes, weltabgewandtes Bewußtsein nicht ertrage? * Umberto Eco schreibt… Weiterlesen

Notate 7 – Prophetie

Richard Rorty, der 2007 verstorbene große amerikanische Philosoph und Literaturwissenschaftler, Neopragmatiker und liberale Ironiker beklagt in seinem Büchlein Achieving our Country: Leftist Thought in 20th-Century America (deutsch:  Stolz auf unser Land. Die amerikanische Linke und ihr Patriotismus) die marginale gesellschaftliche Gestaltungskraft der amerikanischen politischen Linken und ihre Verabschiedung als Partei der Hoffnung aus der politischen… Weiterlesen

Notate 6

Es gibt Universalgelehrte (vielleicht sterben sie langsam aus, George Steiner als Beispiel). An Wissen gebricht es, von universalem Wissen ganz zu schweigen, aber auch dann noch, wenn man es auf das Allgemeinwissen herunterdimmt. Man frage in England und USA beispielsweise nach Alexander von Humboldt. Den kennt man dort kaum, und die, die ihn kennen, sitzen… Weiterlesen

Notate 5 – Muhammad Ali

Die größte Zuneigung beginnt, wenn den raffinierten Erscheinungen der Abneigung ein läuternder Zugang zum Sitz der Sympathie und der Empathie geöffnet wird, ein Byepass zum Herz. Ich habe ihn erst viele Jahre später schätzen und lieben gelernt. Da war seine Karriere lange vorüber und die sinnliche Athletik seines Körper an die Krankheit verloren, seine Geschichte… Weiterlesen