IN DER UNTERSTEN HÖLLE


IN DER UNTERSTEN HÖLLE
Dem Andenken von Alexander Blok und Nikolaj Gumiljov

Tag für Tag wird schauriger und dichter
Rings die taube, starre Todesnacht,
Pesthauch löscht die Leben aus wie Lichter,
Hilfe, Schrei und Ruf bleibt ohne Macht.

Dunkles Los des, der in Rußland dichtet:
Unergründlich das Verhängnis bleibt,
Das auf Puschkin die Pistole richtet,
Dostojewski auf den Richtplatz treibt.

Sollte ich ein gleiches Los auch ziehn,
Rußland – bittre Kindesmörderin,
Und in deinen Kellern untergehn,
Schlüg’ ich auch in blut’ger Pfütze hin –
Will ich doch dein Golgatha nicht fliehn
Und nicht leugnen deiner Gräber Sinn.

Ob mich Haß, ob Hunger niedermähen –
Wählt’  ich doch kein andres Schicksal mir:
Sterb ich, will ich sterben nur mit dir,
Und mit dir, wie Lazarus, erstehen.

(von Maximilian Woloschin, russischer Dichter, 1877 in Kiew geboren; gestorben 11. August 1932 in Koktebel, Krim)
Deutsch von Rolf-Dietrich Keil

Maximilian Alexandrowitsch Woloschin war ein russisch-ukrainischer Dichter, Landschaftsmaler und Publizist. Als Autor wird er zum sogenannten silbernen Zeitalter der russischen Literatur gezählt. In der Malerei widmete er sich vorrangig den Landschaften der Halbinsel Krim, auf der er viele Jahre lang lebte.

Kategorien:AllgemeinSchlagwörter:, , ,

1 Kommentar

  1. Der, der die Kausalitäten schafft
    (Alina Vituchnovskaja)

    DER, DER DIE KAUSALITÄTEN SCHAFFT

    Der, der die Kausalitäten schafft,
    warf sie der Straße vor die Füße.
    Ein Hinweis auf den neuen Plan. Die Haft
    des Gestern ist komplett gerissen.
    Die Regel des Effekts: bei Nutzung null Gebühr.
    Man lacht über die Zukunft und verfälscht die Angst.
    Der Nichtsnutz auf dem Ziffernblatt der Uhr,
    ein Stück vom All zwischen den blutig Zähnen, faßt,
    mit einem Blick den Weltraum und das Zeitgeschehen,
    verwischt die Farben und zertrennt die Dinge.
    Die Ordnung, fad und sinnlos, bleibt bestehen,
    als ob tatsächlich jemand noch dran hinge.
    man sieht das Bild der losen Kongruenzen
    und steckt sein Schild ins leere Firmament
    und glaubt nicht, daß die Wiederkehr von Grenzen
    nichts zählt, kein Wort und kein Moment.

    Lieber Achim,
    Eine wütende Dichterin ist Frau Vituchnowskaja. Dieses Gedicht von ihr fand ich beim Planet Lyrik. Es ist ein Spiegel des Wahnsinns – einzig sie schafft es gerade, die richtigen Worte für mich zu finden)

    Lese alle Deine Beiträge… Wie gut, dass Du schreibst…

    Herzlich

    Amélie 🌱

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: