Alice hinter den Spiegeln


Dies ist mein Heim.
Unüblich die Fenster, die nach außen gehen.
Bücher, Krimskram, Topfkakteen.
Das Fett am Bauch,
woanders wird es nicht gebraucht.
Die Ordnung der Dinge.

Ich kann nicht schlafen, nicht trauern.
Schiefe dingliche Metaphern, derart,
dass Regen die Nacht anfällt,
die Nacht an den Knochen nagt, von was?

Das Theater der Dinge: träumen, nicht schlafen, trauern
Nehmen wir den Puls eines Moments:
entferntes Summen, oder
die Umkehr der Wahrscheinlichkeiten,
überschießende Dinge, ein Ballon ist kein Ball, als ob,
so sind die Dinge, ihre wohldosierte Wachheit, ihre Schläfrigkeit.

Die Lust in den Gräsern, Gedanke oder Vollzug?
Ein Himmel, der auf unsere Blicke starrt (ich nehme den
Becher und schenke ein, in etwa so). Träumend
von Bahnübergängen und Schründe am Leib.

Ich kann nicht trauern, nicht schlafen.
Mein Traum ist diese Ungeordnetheit der Dinge,
in meinem Schlaf sind sie tot, meiner Trauer sind sie zuwider.
Bis sie geordnet sind, habe ich den Schlaf schon hinter mir
die Trauer, den Traum,
und schiebe Alice’s Spiegel zur Seite?

 

 

Kategorien:Allgemein

9 Kommentare

  1. Lieber Achim,

    Wie gut, dass es das weiße Kaninchen gibt. Es ist da, wenn Du es nicht erwartest zu sehen. Es zeigt einen Weg hinter die Spiegelwelt.

    Du weißt, es ist ein Kaninchengang, ein tiefes Loch, ein Dimensionentor. Du bezahlst in Körperlichkeit, ein Bisschen Schwund ist schließlich immer.

    Du gewinnst dafür Einblicke in eine Anderwelt und es ist ein Sichweiten unter der dünner werdenden Haut. Manchmal spannt sie so über den müden Traumaugen, zwischen Zehen, um die Leibesmitte.

    Unter den Schründen der Einsamkeit wachsen neue Häute wie wilde Blumen in Gleisbetten. Sie sind noch weichrosazart wie eine Kaninchenschnauze zucken sie nervös und tun unvertraut wie Fremdelnde.

    Wie das Kaninchen und der ganze Gartenzauber, der ohne verrückten Hutmacher nicht funktioniert hätte.

    Danke für Deine wirklich wunderbaren Gedichte.
    Love it.

    Liebe Grüße

    Amélie

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  2. Thank you full-heartedly for both, text and music 🙂 I must confess, I haven’t read about Alice‘s adventures, except of some summaries of its content. I know about the white rabbit for sure, But never could cope with Lewis Carrols disturbing passion for young girls.

    Best regards

    Achim

    Gefällt 1 Person

  3. Dear Achim,

    As you prefer English, I take my neglected oxford English out of my memory.
    Alice and her Adventure is more than her author was. It is the initiation of a through conventions bonded girl and it is full of symbolics. The rabbit walk into the other world: This could be called an interface, the threshold through which adolescents pass into adulthood. After that, everything will be different, forever. The ambitions of the author of this visionary story also disturbed me. And here I have to separate the art from its creator and to accept but never would apologized what he was …in order to continue to love Alice and her daring and departure.

    With best regards

    Amélie

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    • Liebe Amélie,

      schwenken wir wieder auf das Deutsche um. Ich müsste es lesen, tue mich aber schwer mit der Vorstellung, fortgesetzt mich an Symbolismen abzuarbeiten. Jedes Interpretieren, da es immer einen plausiblen Einstieg braucht, kann gewaltig scheitern, wenn es auf die falsche Spur setzt, immer vorausgesetzt, dass der Autor überhaupt Hinweise hinterließ, wie man und was da überhaupt an „Übersetzbarem“ vorhanden ist.
      Gibt es einen Schlüssel, der die Rätsel entzaubert?

      Liebe Grüße
      Achim

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      • Lieber Achim,

        Wieso denn „abarbeiten“?
        Das klingt als wollest Du eine hochtheoretische Hausaufgabe aus Alice im Wunderland machen? Meine Tochter pubertiert gerade lustig durch das Poststadium ihrer Verwandlung von einem Mädchen, das gerade herausfindet, dass alle diese vielen Türen nach Draußen verschlossen sind. Es schließt eine der Türen auf, sie führt in den wunderschönen Garten. Doch…Alice ist zu groß- sie passt nicht hinein. Sie trinkt aus dem Glas: Drink me, steht daran und schrumpft. Teenager leiden unter Verzerrungen der Wahrnehmung. Das Wunderland ist wie Alice ihre Welt wahrnimmt. Und sie spürt etwas erwachen, ihre Sinnlichkeit wird ihr bewusst. Als sie später im Garten ihrer Eltern an den Baum gelehnt erwacht, ist sie erleichtert. Die Traum-Reise, so faszinierend sie auch gewesen sein mag, hatte sie auch erschreckt. Das Buch erzählt subtil von einem Mädchen, das sich insgeheim einen eigenen Willen wünscht, sich wünscht, aus Konventionen zu entfliehen. Weil sie ahnt oder weiß, dass sie nie wirklich frei sein kann. Sie wird heiraten müssen, Kinder kriegen (müssen) und dann wird ihre Kindheit hinter Pflichten verblassen. Es ist das liebstes Spiel des Herzkönigs und der Herzkönigin, ihren Untertanen den Kopf abzuhacken. Alice erschrickt die Gefangenschaft der Ehe. Ihre Köpfe abschlagende Herzkönigin und ihrMann, der Herz-König sind grausame Figuren obwohl sie für Liebe stehen. Warum…?
        Zu Alice gibt es nicht nur einen Schlüssel…es sind mehrere und dann, indem Du wächst, schrumpfst, Deinen neuen Freunden folgst (Raupe, Hutmacher, Kaninchen), beweist Du Mut und Vertrauen in das Unbekannte. Alice verstehen zu wollen, erfordert meines Erachtens das Verständnis für die Rolle des Mädchens/der Frau/in der Gesellschaft zu dieser Zeit, die Erfahrung der Adoleszenz und der Aufbruch ins Erwachsensein, die Angst vorm Vermissen der Kindheit.
        Also…ich würde es immer wieder lesen wollen…weil ich es so klug fand und…weil es mich bezaubert…
        Das Kaninchen ist Fruchtbarkeit. Der verrückte Hutmacher steht für Freundschaft. Und die Raupe ist die Metamorphose. Herzkönig/Herzkönigin finde ich sinnbildlich in einer Eheverbindung, in der die Frau bestimmt.

        Zwei Lieblings-Zitate für Dich:

        Der Hutmacher: „Ich bin nicht verrückt. Meine Realität ist anders als Ihre.“

        „Den Schreck dieses Augenblicks werde ich nie vergessen“, fuhr der Herz-König fort. – „Du wirst ihn vergessen“, sagte die Herz-Königin, „es sei denn, du errichtest ihm ein Denkmal.“

        Und zum Schluss Alice selbst:

        Alice: „Ich habe immer gedacht, die Zeit wäre ein Dieb, die mir alles stiehlt, was ich liebe. Aber jetzt weiß ich, dass sie mir gibt, bevor sie mir nimmt und dass jeder Tag ein Geschenk ist. Jede Stunde. Jede Minute und jede Sekunde.“

        Das sind alles Zitate, warum ich hier Reklame für Alice laufe und nun lasse ich nach meinem Verschwinden mein Lächeln für Dich hier noch eine Weile stehen. Den Trick habe ich mir von der Grinsekatze abgeschaut…;-)

        Liebe Grüße
        Amélie

        P.S. Ich hoffe, mein Englisch war nicht zu schlimm. Bin echt eingerostet. shame

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        • Liebe Amelie,

          da ging
          der Gaul des literaturwissenschaftlichen Studiums

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        • Man sollte nicht versuchen Kommentare nicht auf dem Handy zu fertigen *grimmig guckt. Also was ich wollte: Der Gaul des wissenschaftlichen Studiums ging mit durch. Belletristik zu lesen ist bei mir immer verbunden mit dem Hang, das Gelesene an literaturwissenschaftlichen Theorien entlanglaufen zu lassen. Unter solchen Gesichtspunkten wird der unmittelbare Zugang zur Lektüre und der Spaß am Gelesenen verstellt. Wenn ich der Spur folge, die du mir legst, schält sich etwas heraus, was wie die Initiation eines jungen Mädchens in die vor ihr stehende Rolle als Frau und Ehefrau klingt, in jenen Zeiten limitierter weiblicher Selbstverwirklichungsmöglichkeiten. Das macht klaren Sinn und sollte auch mir die Scheu nehmen, mich mit „Märchen-und Kindergedöns auseinanderzusetzen. Danke, dass du mich durch diese Unterwelt geleitet hast 🙂 Die Realität ist fürwahr immer eine andere und dein letztes Zitat über die Zeit ist ergreifend.

          Liebe Grüße (lächelt wie ein Pfefferkuchenpferd zurück)
          Achim

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  4. Lieber Achim,

    Alice kann ich unmöglich zur Belletristik verorten. Dazu ist sie zu philosophisch, auch zu tiefgründig und ich lernte sie erst als erwachsene Frau kennen. Liebte sie auf der Stelle. Alice ist m.E. auch kein Kinderbuch. Kein richtiges, Denn wie hinter allem großen Nonsens steht dahinter Tiefsinn und auch Weisheit. Im Rückblick auf meine eigene Jugend kann ich nur sagen, dass sie mich rückwirkend in ihre Welt einsog. Seitdem begleiten sie und ihre Freunde mich und eines brachte sie mir zuerst bei: Verliere niemals den Kontakt zum weißen Kaninchen, nie. Nur dieses Fabelwesen kennt den Weg hinter die Spiegel. Ich hatte eins, es hieß Mucki und war ein echter Albino. Es frass alles an was nach Kabeln aussah und es zeigte mir Verstecke, die ich in unserem Haus nie für möglich gehalten hätte.
    Als es von einer Kaninchenseuche hinweggerafft wurde, trauerte ich sehr lange um meinen Kaninchenkumpel. Doch seine Verstecke weiß ich alle noch.
    Bitte lies Alice doch mal. Sie verdient Deine Zuneigung. Vergiss den Autor einfach. Schade, an dem ist ein ausgezeichneter Psyhologe verloren gegangen. Aber an H.P. Lovecraft auch.

    Dich zum Lächeln zu bringen, ist immer wieder eine schöne Herausforderung…

    „Well, I will do my very best…“
    (Schlusswort Freddie Frinton, Dinner for One)

    Herzlich

    Amélie

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  5. Liebe Amelie,

    Einigen wir uns auf philosophierende schöne Literatur. Ob Kinderbuch oder nicht, vielleicht einigen wir uns auf Literatur durch ein Kind inspiriert und für das Kind geschrieben. Dass sich auch Erwachsene damit auseinandersetzen könnte maneinerseits mit ihrem „inneren Kind“ erklären, andererseits mit einer Gedankenwelt, die attraktiv ist für das Sinnieren darüber, wie wurden was wir sind, unabhängig von Geschlechtszugehörigkeit.

    Liebe Grüße

    Achim

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