Message from the quarantine 34


Diejenigen, die sich im sinkenden Boot der Grundrechte dünkten, stehen schon längst am rettenden Ufer und demonstrieren, wie es ihr gutes Recht ist. Und da gibt es einige Maskenträger, die zu Bedenkenträgern mutieren, das menschliche Antlitz im Gegenüber vermissen, an dem sie ansonsten, zu früheren Zeiten, achtlos vorbeirauschten.

Wie schön sich die Doppelmoral gerade einnistet. Es wird diejenigen geben, die sich zum Komasaufen auf dem Dorfanger treffen, als alkoholisiertes Statement und Protestnote an den autoritären, grundrechtverwehrenden Staat gerichtet, während man schon längst gesittet in seinem Lieblingscafé seinen Espresso schlürfen kann.

Diejenigen, die da dünkeln, munkeln, hinterfragen, protestieren, Presseleute verprügeln, Polizisten anspucken, von Ermächtigungsgesetzen faseln, vom Aushebeln des Grundgesetzes tiradieren, es sind dies diejenigen, die das Dagegen als Lebenselixier begreifen, weil sie ein Dafür so schwer ertragen können wie den Zahnschmerz.

Da wird mal so nebenbei die Verantwortung für das Gemeinwesen zum Schafott geführt. Und es macht sich deutlich, dass nicht die politischen Entscheidungsinstanzen die Totengräber der Demokratie sind, sondern diejenige Art von Meinungsfreiheit, die nicht ausgehebelt wurde, wie vielerorts beschworen, die sich hingegen den Hass, die Verleumdung, die Faktenresistenz auf ihre Fahnen geschrieben hat.

„Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengrade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprügelt.

Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
Sie tragen sie jetzt im Innern;
Das trauliche Du wird immer noch
An das alte Er erinnern.

Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur
Des Zopftums neuere Phase:
Der Zopf, der eh’mals hinten hing,
Der hängt jetzt unter der Nase.

(Aus Heinrich Heine: Deutschland ein Wintermärchen)

Kategorien:Home, NotesSchlagwörter:, , ,
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

81 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Pit
Pit
2 Jahre zuvor

Ich kann Dir da nur zustimmen, lieber Arno – leider.
Hier in den USA sind es diejenigen, die meinen, es sei ihr konstitutionelles Recht, andere anzustecken und die glauben, das mit Waffengewalt durchsetzen zu muessen.
Liebe Gruesse, und bleib‘ gesund,
Pit

Achim Spengler
2 Jahre zuvor
Reply to  Pit

Verschwörungsgeschwafel macht vor keinen Landesgrenzen halt, lieber Pit.

Pit
Pit
2 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Un dhier wird es – leider – von Tag zu Tag abstruser und schlimmer, und das ja auch noch vom Praesidenten unterstuetzt.

gkazakou
2 Jahre zuvor

Sich bei der Schelte auf kritische Köpfe auf Heine zu berufen, dazu gehört wahrhaftig Chupze.

Achim Spengler
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Kritische Köpfe? Wo?

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

O, ich kenne eine ganze Menge davon. Sie nicht?

kopfundgestalt
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Dann zähle sie hier doch mal auf, liebe Gerda 🙂

Achim Spengler
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Ich kenne eine Menge von Menschen, die sich die Mühe machen, geduldig und mit erkenntniswilligem Interesse zu einem Urteil zu kommen. Und hier kommt der Begriff der „Vernunft“ ins Spiel. Auch derjenige, dessen Urteil sich im Nachhinein als un-begründet herausstellt, darf sich als „vernünftig“ bezeichnen, da er für sich beansprucht, mehr oder weniger gute Gründe für seine Ansichten zu haben. Sie sehen, die Zuschreibung eines Menschen als „kritisch“ ist allein nicht ausreichend, um die Qualität seines Urteils zu bewerten. Sie und ich mögen sich als „kritisch“ bezeichnen, letztlich kommt es auf „gute“ oder „weniger gute“ oder „richtige“ oder „falsche“ Gründe eines Urteils an.

Und ich „unterstelle“, dass die viel beschworene Außerkraftsetzung gewisser (nicht aller) Grundrechte eine „vorläufig“ notwendige (im Sinne der Eindämmung des Virus), im weiteren Prozess der Ereignisse immer weniger notwendig gewordene Maßnahme sei. Der Rechtsstaat hat meines Erachtens nicht versagt. Die Entscheidungsträger haben, angesichts des „magischen Dreiecks“ von Gesundheitsschutz (für alle), Freiheitsrechten (nicht nur des Einzelnen, sondern auch des Gemeinwesens als solches) und wirtschaftlichen Interessen (des Einzelnen und aller Unternehmen) mit Augenmaß agiert (im Sinne eines nicht im vorhinein feststehenden Resultats der Krise, und angesichts immer noch lauernder Gefahr) verhalten. Das sind für mich „gute“ Gründe, auf denen sich mein Urteil gründet. Sie und andere in diesem Kommentarstrang mögen jeweils andere „gute“ Gründe“ für ihre Urteile haben. Diese toleriere ich, muss sie aber nicht respektieren.

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Im letzten Satz kommen wir uns sehr nahe, mit einem Unterschied: ich toleriere nicht nur abweichende Schlussfolgerungen, sondern ich respektiere auch die Menschen, die zu diesen Schlussfolgerungen kommen. Also auf jeden Fall auch Sie und jeden, der nicht mit mir übereinstimmt. Diesen Respekt würde ich mir auch für meine Person und meine Ansichten wünschen. Ich bin ein anderer Jahrgang als Sie, habe andere Grunderfahrungen, aus denen ich die Gegenwart beurteile.Dau gehört (u.a.) ein tiefes Misstrauen in die Vernunft und die guten Absichten der Staatsführung.
Selbstverständlich wünsche ich mir, dass Sie Recht behalten und dass die „neue Normalität“ sehr bald der Normalität weicht.
.

Pit
Pit
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Schelte auf „kritische Koepfe“? Lesen wir da unterschiedliche Artikel?

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Pit

offenbar, Pit! Ich lese keine Artikel von Verschwörungsfanatikern oder Aufwieglern der rechten und linken Szene,dazu bin ich zu alt und auch zu gebildet im Sinne: ich kann unterscheiden. Hingegen lese ich Artikel von Menschen, die sich Gedanken machen. Und manchmal kommt man beim Nachdenken auf Schlussfolgerungen, die beunruhigend sind. Liebe Grüße!

Achim Spengler
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

SIe lesen z.B. und hören https://nandalya.wordpress.com und KenFM; Vielleicht auch https://www.tichyseinblick.de . ich lese und höre diese, aber auch andere. Sie dürfen auf https://nandalya.wordpress.com kommentieren, ich nicht. Das besagt aus meiner Persepktive mindestens einiges aus. Aber Sie dürfen hier natürlich Ihre weiteren Quellen nennen, mittels derer sich Ihr Urteil zur Lage ausbildete.

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Danke. Ich benutze viele Quellen, offizielle ebenso wie öffentlich-rechtliche Sender, private Druckmedien und Internetquellen in mehreren Sprachen, kurzum ich bemühe mich; einen möglichst weiten Überblick zu gewinnen.

Klausbernd
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Kritische Köpfe? Das kann doch wohl nur ironisch gemeint sein oder ist das ein Schreibfehler und sollte `hohle Köpfe´ heißen?

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Klausbernd

Nein, Klausbernd. es ist kein Schreibfehler und auch nicht ironisch gemeint. Ich mag Ironie zwar sehr, aber grad stand mir nicht der Sinn danach.

hannahbuchholz
2 Jahre zuvor
Reply to  gkazakou

Ja, ich denke auch, daß sich unter denjenigen, die die Dinge hinterfragen, auch einige kritische Köpfe befinden.
Was mich, lieber Achim, bei dieser deiner Aufzählung stutzig macht, ist folgendes:
„Diejenigen, die da dünkeln, munkeln, hinterfragen, protestieren, Presseleute verprügeln, Polizisten anspucken, von Ermächtigungsgesetzen faseln, vom Aushebeln des Grundgesetzes tiradieren, es sind dies diejenigen, die das Dagegen als Lebenselixier begreifen, weil sie ein Dafür so schwer ertragen können wie den Zahnschmerz“.
Du wirfst du meiner Meinung nach verschiedene Dinge und verschiedene Menschen mit den unterschiedlichsten Intentionen und Motivationen (die unterschiedlicher gar nicht sein könnten) in einen Topf.
Wer die Dinge hinterfragt, muss noch lange nicht jemand sein, der Presseleute verprügtelt. Wer die Dinge hinterfragt, muss auch noch lange nicht jemand sein, der ein rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker ist.
Ich habe viele deiner Beiträge und „Messages“ gelesen, lieber Achim, und deinem Duktus und deinem Vokabular entnahm ich, daß du ein studierter Philosoph bist. Nun habe ich selbst nicht nur Literaturwissenschaften und Psychologie, sondern auch einige Semster lang Philosophie studiert und ich meine, ein wichtiger Bestandteil des Studiums der Philosophie ist es doch, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Und die Dinge differenziert zu betrachten.
Und zu differenzieren ist immer wichtig, aber ganz besonders in diesen schwierigen Zeiten.
Und in diesen Zeiten wird nur allzu schnell jemand, der kritisch denkt, als rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker bezeichnet und diffamiert und damit mundtot gemacht … und es ergeht leider auch Menschen so, die keineswegs rechts und schon gar nicht rechtsradikal sind. Und das ist sehr schade und traurig und das stimmt mich sehr nachdenklich und besorgt.
Liebe Grüße, Hannah
P.S: Und ja, man kann und muss meiner Meinung nach durchaus einige Dinge hinterfragen, und nicht nur in diesen Zeiten – sondern immer.
Wo kämen wir denn hin, wenn man die Dinge nicht mehr hinterfrage und kritisch betrachten und analysieren dürfte?
Wenn du das Wort „hinterfragen“ aus deinem Text herausnehmen würdest, dann könnte ich deinen Gedanken schon eher folgen.
Und noch etwas: Dinge kritisch zu hinterfragen bedeutet auch, nicht pauschal für oder gegen etwas zu sein sondern zu differenzieren.

Achim Spengler
2 Jahre zuvor
Reply to  hannahbuchholz

Ich gebe dir Recht in Bezug auf den Begriff „hinterfragen“. Er passt nicht so ganz in diese Aufzählung hinein. Ich bezeichne mich nicht als „Philosoph“, nur weil ich es unter anderem studiert habe. Ich war Leiter der IT-Administration eines mittelständischen Unternehmens. Ich bin lediglich jemand, der versucht, aus Interesse an so vielem, zu Erkenntnissen zu kommen. Also fehlbar wie jeder andere*r auch 🙂 Schön zu hören nebenbei, dass auch du Literaturwissenschaft studiert hast. Diffenzierung ist wichtig, ist aber nie der Weisheit letzter Schluß, da ein Urteil sich immer „abschließend“ bilden muss. Und dort genau ist jede Differenzierung beendet und es bleibt die Differenz übrig. Verschwörungstheoretiker sind nicht immer auch rechtsradikal. Diese Gleichsetzung vollziehe ich nicht per se. Zur „kritischen“ Betrachtungsweise habe ich oben zu Frau Kazakou einiges schon geschrieben. Es sollte auch nie um Pauschalisierung gehen, da gebe ich dir Recht. Es geht (im Nachhinein) betrachtet, immer nur um „gute“ Gründe eines Urteils. Die Vernunft sollte mit diesen Gründen hantieren, wenn möglich. Ein Beispiel: DIe Bundesregierung beabsichtigt keine Impfpflicht in Bezug auf das Virus einzuführen. Es gibt „gute“ Gründe, dies nicht zu tun. Wenigstens kann in diesem Fall die Angst denen, die diese Impfpflicht befürchteten, genommen werden.

gkazakou
2 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Ich freue mich sehr zu lesen, dass es keinen Impfzwang geben wird. Auch keinen Impfpass innerhalb Europas, nehme ich an? So dass auch jemand, der nicht geimpft ist, sich innerhalb des Schengen-Vertrags frei bewegen kann? Außerhalb liegt es ja wohl im Ermessen der jeweiligen Nationalstaaten.