Message from the quarantine 28


Die Geschichte erzählt keine Geschichten. Momente, Augenblicke und Situationen erzählen Geschichten. Die Geschichte als Prozess kontinuierlichen Fortschritts? Hegels Weltgeist als Kulminationspunkt und Abschluss der Geschichte des Geistes? Ich befürchte, wir machen da die Rechnung ohne den Backlash der Natur auf. Das kapitalistische Wirtschaftssystem, an dem wir wie sedierte Patienten am Tropf hängen, wird am ehesten noch pulverisiert durch natürliche Machenschaften denn durch menschliches Aufbegehren.

Der Sommer ist fast eingeläutet. Ich wüsste gerne, wann meine Angst vor heißen Temperaturen begann. 2003 muss das gewesen sein. Jener Sommer, als Badewannen und Kellerräume zu mitteleuropäischen Zufluchtsorten wurden für die für Wochen an Leib und Seele geschundenen Kreaturen. Da kam mir der attackierende Gedanke an die eigene Fragilität und jener, der sich an die Endlichkeit richtete.

Ich war erstaunt darüber, wie das Gebinde des Körpers und die Spannkräfte, die ihn zusammenhalten, mit einem Fingerschnippen abberufen wurden. Was blieb war das Lamento. Die Beschwerden und ihre ausdrucksstarken Formen. Ich bin, nahe betrachtet, in der Phase des Lebens, wo die Klage versucht, mich manifest zu machen, da keine Statik für das seelische und körperliche Gerüst zu haben ist. Es gilt aufzupassen, dass die Melancholie sich nicht zur Abulie hinwendet, dieser schwarzen, lähmenden Schwester. Der Verrat des Körpers schreibt die Kapitel seiner eigenen Geschichte.

Kategorien:Allgemein

3 Kommentare

  1. Soll es
    „Ich bin, nahe betrachtet, in der Phase des Lebens, wo die Klage versucht, sich manifest zu machen“ heissen?!

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  2. Lieber Achim, als ob es eine Schere gibt zwischen Geist und Körper, die sich zunaechst öffnet, bis der Geist diese entstandene Spannung nicht mehr ausgleichen kann.
    Mir machen diese extrem warmen Apriltage Sorgen, manchmal auch Angst. Und höre mich denken:Ihr armen Kinder, was kommt da auf euch zu? Mein Leben währt nun schon lang, ich kann auch geh’n.
    Liebe Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  3. Lieber Achim, liebe Ulli, ich bin ganz bei Euch, diese Angst für Hitze wohn auch in mir, zumal unser Häuschen keinen Keller hat… die Wiese knistert jetzt schon unter meinen Schritten. LG Petra

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