Message from the quarantine 25


Wer mit dem Schlimmsten rechnet, freut sich über das Bessere. Wer das Schlimmste leugnet, für den ist das Bessere nie besser genug.

Das Virus, im hellsten Licht, wird die Wahrheit über sich äußern. Am Ende, wenn hoffentlich alles vorbei ist. Letalität , Verbreitungsdynamik, Verbreitungswege, Ansteckungsrate, Mutationen, Durchseuchungsrate, Mitigation, Herdenimmunität etcpp.

Das Virus hat ein Telos: Seine grenzenlose Verbreitung. Es handelt vernünftig, weil es alle Informationen für seine Zwecke besitzt. Wir dagegen agieren mit dem erbärmlichen Verstand, der sich auf keine Ziele einigen kann und zwischen Extremen diametraler Bedürfniswelten seine jeweiligen Süppchen kocht. Unversehrtheit gegen freiheitliches Austoben. Die Freiheit von gegen die Freiheit zu. Wirtschaftsexistenz gegen die davon zu entkoppelnde menschliche Würde.

Das Wissen über das Virus changiert. Die Wissenschaftler betreiben Induktion, ihre Empirie hängt hinterher. Wissen häuft sich an, muss Umwege nehmen, fängt im Prozess der Erkenntnis wieder von vorne an. Wenn es sich dann notwendigerweise politisch auflädt, wünschte sich ggf. der Wissenschaftlicher in die behagliche Umgebung seines Labors zurück.

Poppers Falsifikationskriterium der Theorienbildung. Die Theorienbildung über den weißen Schwan wurde mit einem Wisch falsifiziert. Auftaucht: Der schwarze Schwan der Pandemie.

Vermutungswissen, nie endgültig, immer im Fluss. Obwohl es nach Gewissheit strebt, dealt es mit Wahrscheinlichkeiten. Politik muss jedoch anfänglich absolute Entscheidungen treffen. Die potentiellen Dimensionen der Gefahr lässt nichts anderes zu. Sie ist aber auch zu jeder Zeit aufgefordert, ihre Maßnahmen im Rahmen hinzugewonnener belastbarer Kenntnisse neu zu justieren.

Um die einklagbare Verhältnismäßigkeit zu gewährleisten. Hinterher ist man immer schlauer. Das mögen sich alle hinter die Ohren schreiben. Vor allem diejenigen, die so tun, als hätte man ihnen das Grundrechtsgebäude unterm Hintern für alle Ewigkeit weggezogen. Und insinuieren, dass wir mit einem Bein schon in der Tür zur Diktatur stehen.

Kategorien:Allgemein

5 Kommentare

  1. Naja, ein bisschen achtsam zu sein hat noch niemals geschadet, denke ich. Wer in der Demokratie schläft – wacht in der Diktatur auf, wie es so schön oder vielmehr so treffend heißt.
    Und damit meine ich nicht, daß wir in einer Dikatur leben würden, sondern, daß wir sehr achtsam sein sollten.
    Das meinen und äußern ja inzwischen auch immer mehr Verfassungsrechtler und Verfassungsrichter und auch der Etikrat – und das ist auch gut so.
    Und im Übrigen muß man diesbezüglich ja auch keine künstlichen Antinomien erschaffen (was aber leider die ganze Zeit über getan wird – und zwar von beiden Seiten.)
    Man kann sich auch über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen Gedanken machen und darüber nachdenken, ob sie nicht auch viel Schaden – und auch gesundheitlichen Schaden – anrichten, ohne deshalb gleich jemand zu sein, dem die Gesundheit gleichgültig wäre oder ohne sich in solch eine Ecke stellen lassen zu müssen. Man kann über die häusliche Gewalt nachdenken, über die Suizidraten, über alles mögliche andere Übel, das entsteht und anwächst und weiterhin bestehen und anwachsen wird, solange die Maßnahmen greifen. Man kann über all dies nachdenken und sollte über all dies nachdenken können und dürfen, ohne gleich als Verschwörungstheoretiker oder als unsozial (oder gar asozial) hingestellt zu werden. Das Schlimmste überhaupt in diesen Zeiten wäre ein Verbot, die Dinge zu hinterfragen und selbst zu denken, ein Denkverbot… und viele Menschen denken einfach nicht selbst nach. Manche trauen sich vielleicht auch nicht mehr, selbst zu denken. Oder nicht mehr lange. Lieber lassen sie sich dauerberieseln … und beschallen.
    Liebe Grüße, Hannah

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  2. Lieber Achim,
    Sollte Frau Merkel sich mit Absichten tragen, bis zum Ende ihrer Tage Kanzlerin zu bleiben und den Präsidenten putschend entmachten, könnte das eine deutsche Diktatur einläuten. Zum Glück leben wir nicht in Russland oder in Ungarn. Allerdings und das gebe ich zu, gehen auch mir immer wieder Gedanken zu Sinn und Nutzen der Maßnahmen durch den Kopf. Zum Beispiel die Schule wieder anzufangen, die Geschäfte wieder zu öffnen. Andererseits sehe ich diese Wirtschaftslage…die vielen, die jetzt arbeitslos werden oder es bereits sind. Die Gefahren von zunehmender Gewalt, weil die Menschen dauernd aufeinanderhucken müssen. So wie ich Deine Argumente nachvollziehen kann, kann ich auch Hannahs Argumente nachvollziehen. Es geht um Wachsamkeit. Denn der Überwachungsstaat in Huxleys schöne neue Welt oder Orwells 1984 ist die Horrorvorstellung überhaupt und im Moment macht es eben auch Sorgen wie leicht der Staat das Sagen über alles übernehmen kann. Demokratie hin oder her.
    Mit der Einsicht der Menschen ist leider auch nicht zu rechnen, seit Anfang der Woche quaddeln und rudeln die wieder in den Geschäften herum als sei nix.
    Dies alles macht deutlich, wie schwer es ist, Grenzen zu ziehen, ethische, moralische. Weil es nicht einfach ist sondern komplex. Weil es um Schutz geht – doch auch darum, wirtschaftlich beweglich zu bleiben.
    Eine stürmische See mit spitzen Felsen, die es zu umschiffen geht – so kommt mir diese Krise vor.
    Angst zu erzeugen, einzuschüchtern – sei es durch Verschwörungstheorien oder indem bedrohliche worst-case-Szenarios entworfen werden, sind populistische Lenk-Instrumente.
    Vorsicht vor Fanatikern…

    Ein Fanatiker ist – in psychologischen Begriffen definiert – ein Mensch, der bewusst einen geheimen Zweifel überkompensiert.“
    (A. Huxley)

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  3. Ich fühle mich persönlich betroffen durch den Satz „Vor allem diejenigen, die so tun, als hätte man ihnen das Grundrechtsgebäude unterm Hintern für alle Ewigkeit weggezogen. Und insinuieren, dass wir mit einem Bein schon in der Tür zur Diktatur stehen.“ Ich möchte den Satz daher eingehender betrachten:
    „Unterm Hintern weggezogen“ vielleicht nicht, aber im Kopf ist das Grundrechtsgebäude wohl tatsächlich so manchem bereits weggebröckelt.
    „Für alle Ewigkeit“ – wer spricht davon? Ich lebe vielleicht noch ein paar Jährchen, das ist meine Ewigkeit, die ich verteidige gegen die „neue Normalität“.
    „insinuieren“ ist ein böses Wort: hinterrücks, einschleichend, unterstellend wird etwas in die Debatte eingebracht. Wie wäre es mit „zu bedenken geben“? das würde die Debatte entspannen.
    „mit einem Bein“ – ja, allerdings. Sehen wir zu, dass nicht auch das zweite Bein hinterhermarschiert, sondern dieses eine Bein wieder zurückgezogen wird und festen Stand und Boden dort findet, wo die Luft der Freiheit und Selbstbestimmtheit weht. Vielldeutig auch der Ausdruck „mit einem Bein in der Tür der Diktatur“. da wäre mal zu fragen, wessen Bein das wohl ist, das diese Tür offen hällt, damit sie nicht wieder zuschlagen kann? Meins jedenfalls nicht.

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