Message from the quarantine 23


Die Spende ersetzt die Umverteilung. Bullshit-Jobs kommen vor befriedigender Arbeit. Das Mindeste sollte den Überfluss überflüssig machen. Nach den Widersprüchlichkeiten der Gesellschaft kommt die persönliche Neurose.

Unsere erste Natur? Jeder weiß, was seine zweite ist. Waren und Gewinn zu produzieren, als seien in diesem fremden Sinnzusammenhang wir es, die im Konzert der uneigentlichen Selbstverwirklichung die erste Geige spielen. Wer sich diesem Anschein hingibt, hat längst vergessen, was es bedeuten könnte, jenseits der Leistungsprinzipien einer durchrationalisierten Arbeitswelt zur ersten Natur zurückzufinden. Dort sind wir die Herren im Haus. Schaffen und konsumieren das, was unsere Lust und Kreativität uns aufträgt. Erfüllen Wünsche, die unsere eigenen sind und nicht einem Wunsch-Dafürhalten unterworfen. Lust, die nicht in chipsmampfenden, pseudokulturellen Berieselungsexzessen sich erschöpft.

Meine Quarantäne mit wem am liebsten durchleben? Kein Zweifel, wenn ich es mir wünschen könnte: Emily Brontë. Sie führte den Haushalt, sorgte für die Haustiere. War scheu in einem Maße, das jedem Besucher als mindestens absonderlich galt. Sie schrieb mehr als das sie sprach. Das Nötigste. Und es wäre eine Genugtuung, mit ihr über die Moore zu streifen. Es genügte zu wissen: Sie ist da. Und in ihrem Kopf und Herz eine ganze Welt gleich mit. Und auf ihre Brotbackkünste zurückgreifen zu können wäre natürlich beruhigend und überlebenswichtig.

‚Es war Emily, die das ganze Brot für die Familie machte; und jeder, der an der Küchentür vorbeikam, hätte sie vielleicht aus einem offenen Buch Deutsch lernen sehen, das vor ihr gestützt war, als sie den Teig knetete; aber keine noch so interessante Studie störte die Güte des Brotes, das immer leicht und ausgezeichnet war.‘ (Elizabeth Gaskell)

Kategorien:Allgemein

3 Kommentare

  1. Emily Bronte ist wunderbar. (Eine der wenigen historischen Personen, die ich gerne kennengelernt hätte. Ich habe mich immer gefragt, was aus ihr noch geworden wäre, wenn sie nicht so jung gestorben wäre. )

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  2. Trefflich, lieber Achim, der zwote Absatz bewassert meine Gedankenmühle ungemein. Im Konsumismus werden stetig neue Begierden geschaffen, die von unseren eigentlichen Bedürfnissen absurd abweichen. Besinnung ist angemessen und Verzicht. Und damit die Erkenntnis, wieviel Glück allein darin liegt.

    Ihnen meine herzlichen und dankenden Grüße, die Ihre.

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  3. Darin könnte die Chance liegen, die der Virus über grosse Teile der Menschheit gebracht hat. Zur Besinnung zu kommen.
    Aber ist Besinnung für viele Menschen ein Wert an sich? Ich bin skeptisch.

    Ihren Quarantänenbegleitungswunsch finde ich famos. Er motiviert mich, darüber ein Weilchen daran zu geben, um nachzudenken, mit wem ich wohl . . .

    Ich wünsche Ihnen eine feine Woche!

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