Message from the quarantine 17


Der Teig schmeckt immer besser als der Kuchen. Diese Erfahrungstatsache meiner Kindheit habe ich ins Heute herübergerettet. Auch die Erfahrung der Vorfreude ist schöner als das, worauf sie sich richtet. Das Vorspiel ist allemal befriedigender als der Höhepunkt.

Jedoch, im Kopf das Sammelsurium von Schreibideen rumzuschleppen kommt der Lähmung beider Füße gleich, ein Verharren, weil nichts mehr locker aus der Feder fließt. Wenn sich dann ein Text herausgequetscht hat, sind die Ideen schon verflogen und der Frust hat sich verdoppelt.

Meine Texte sind immer mittendrin. Sie beginnen nie mit etwas Neuem und enden nie mit einem befriedigenden Schlussstein. Genau so, als stünde ich vor einer Architektonik, deren Offenheit und Unabgeschlossenheit mich kirre macht.

Würde ich mir also ein elektronisches Interface wünschen, das meine Gedanken anzapft und auf einem Schreibcomputer ausbringt? Stream of consciousness, direkt vom Fass? Und Gedanken festgehalten, bevor sie gefasst worden sind? Brave New World. Im nächsten Schritt ein redaktionelles System, das aus dem Gedankenstrom lesertaugliche Texte macht?

Anfang und stimmiges Ende jedoch, das stimmungsvolle, konfliktäre, einem Spannungsbogen verpflichtete Erzählen einer Geschichte, das ist der Maßstab, an dem sich künstliche Intelligenz zu messen hat. Wollen wir hoffen, dass sie sich nie daran messen kann.

Kategorien:Allgemein

2 Kommentare

  1. Lieber Achim,
    we hope for the best. Aber wenn ich so betrachte, wohin sich Schreibprogramme für Profi-Autoren hinbewegen, werden wir dahin gelangen, was du hier ansprichst. Vielleicht wird es noch etwas dauern, bis unsere Gedanken angezapft werden, aber die digitale redaktionelle Bearbeitung gibt es ja schon mehr oder weniger.
    Auf der anderen Seite hoffe ich, dass ich diese Gedankenanzapfsysteme nicht mehr erleben werde.
    Dann mache es mal gut, halte dich wacker
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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  2. Lieber Klausbernd, zuerst einmal frohe Ostern für euch vier 😀
    Du hast Recht, was die Plotgenerator-und andere Autorenprogramme anbetrifft . Aber all dies liegt ja noch weit entfernt von der Möglichkeit eines Romans, den mir eine KI , nach Eingabe weniger Parameter, schreiben könnte. Und wie man einer solchen Künstlichen Intelligenz Emotionen, Motive und die gewisse Kreatürlichkeit eines Autors vermitteln kann, das steht noch in den Sternen. Gut so.

    Stay healthy, you fab Four.

    By the way, can Hanne be around in Cley these times?

    Liebe Grüße
    Achim

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