Message from the quarantine 10


Ob in der Geschichte der Natur eine ebensolche List der Vernunft wirkt, der Natur selbst völlig unbewusst, wie sie Hegel für die Geschichte der Menschheit reklamierte? Das Virus, das auf den Endzweck der Natur zusteuert und sich der Spezies entledigt, die in ihrem Handeln die Vernichtung der Natur in Kauf nimmt? Das Virus auf einem weißen Schimmel daherreitend, um Hegels Bild von Napoleon als der Weltseele zu Pferde zu karikieren.

Auf die List der Vernunft der Virologen kommt es an. Ihr Endzweck ist der Impfstoff gegen jede Art von Viren und ihren Mutationen. Bei Gelingen darf man dann getrost vom sich entfaltenden Weltgeist innerhalb der Geschichte der Immunologie sprechen.

Mein Balkon ist mein Zauberberg. Wie Lesebeflissene wissen, verbrachte der tumbe und am Ende geläuterte Held Hans Castorp in Thomas Manns Jahrhundert-Roman, ganze sieben Jahre in der Lungenheilstätte Berghof zu Davos.

Hier ist es warm, keine Not sich in den Schlafsack zu wickeln, um der Luftkur zu frönen.  Die Vorstellung, sieben Jahre in der Zugluft vollkommener Abgeschiedenheit zu verbringen, jagt mir einen leichten Schauer über den Rücken. Immerhin hatte der gute Hans allerlei Volk um sich herum, Psychologen, Totgeweihte, Ärzte, Philosophen. Einer davon  von der bürgerlich-humanistischen-aufklärerischen Art und der andere ein  rhetorisch brillianter und kaltblütiger Vertreter einer anarchistischen und präfaschisten Denkungsart. 
Kann man letzteren , mit dem schneidigen Namen Naphta, als Vorboten heranziehen  einer heraufziehenden präfaschistisch vergifteten politischen Atmosphäre der Jetztzeit? 

Lassen wir Naphta, indirekt, hineingestellt in den Akutzustand unserer Welt, zu Wort kommen: In der Krankheit beruhe die Würde des Menschen und seine Vornehmheit; er sei, mit einem Worte, in desto höherem Grade Mensch, je kränker er sei. Zur Krankheit hat jeder von uns sicher  das eine oder andere Wort mitzureden. 

Keep calm and carry on !!

 

Kategorien:Allgemein

4 Kommentare

  1. Meine erste E-Mail Adresse war vor gut 10 Jahren Hans.Castorp@gmx.ch und als Adresse hatte ich Spitalgasse in Davos angegeben. Seit ich das Buch gelesen hatte, hat es mich nicht mehr los gelassen… Mögen die Naphtas dieser Welt ihre Setembrinis treffen.

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  2. Von Dezember 1976 bis Juli 1977 war ich selbst Genesener an einer Tuberkulose und verbrachte diese Zeit im Fürstabt-Gerbert-Sanatorium in St. Blasien, Südschwarzwald. Also keine 7 Jahre 🙂 Den Zauberberg lasen wir im Unterricht 1973.

    Liebe Grüße

    Achim

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  3. Im Nachhinein der Lektüre hat sie mir im Sanatorium das eine und andere Auge geöffnet.

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