Winston Churchill und Blenheim Palace

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All pictures ©Achim Spengler

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„We shape our buildings; thereafter they shape us.“ (Sir Winston Churchill)

Die Engländer sind die Großmeister der Mythenbildung. In den Kammern ihres kollektiven Gedächtnisses überdauern unzählige geschichtsträchtige Augenblicke. Alle geeignet, ihr Scherflein zur Ausbildung eines Gefühls bedeutender nationaler Größe beizutragen. Die verspielte Lust der Engländer an Legendenbildungen ist nachgerade legendär. Ihre Verehrung von Helden, Kriegern und kampfeslustigen Politikern ist aus dem Stammbaum der Nation nicht mehr wegzudenken. Als Beispiele können Lord Nelson und Sir Francis Drake. Alfred der Große und der Duke of WellingtonMarshall Montgomery und Lawrence von Arabien. Der Duke of Hamilton und Henry V gelten.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) wurde um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt. Im Verlauf dieses Krieges siegte John Churchill, erster Duke of Marlborough, in der Schlacht von Höchstädt   über die Franzosen von Ludwig XIV. Die eigentliche Schlacht fand im bayerischen Flecken Blindheim statt, aus dem in der englischen Namensgebung dieser Schlacht Blenheim wurde. The Battle of Blenheim und weitere von Marlborough siegreich gefochtene Schlachten führten die englisch-österreichische Koalition jedoch nicht zu ihrem eigentlichen Ziel. Denn letztlich gelang es Frankreich, mit Philipp V. die bis heute amtierende Dynastie der Bourbonen auf den spanischen Thron zu bringen.

Das Bemerkenswerte an John Churchill’s Sieg bei Blindheim waren die Umstände, unter denen er zustande kam. Seine überlegenen taktischen und strategischen Eigenschaften kulminierten im Eilmarsch seiner Truppen von  der niederländischen Grenze bis an die Ufer der Donau. Erfolgreich führte er dort die Schlacht gegen ein zahlenmäßig überlegenes französisch-bayerisches Heer.

Churchill galt von nun an als Retter und Held des englischen Vaterlandes. Als  Dankgeschenk überlies ihm die mit seiner Frau eng befreundete Königin Anne ein großes Stück Land in Woodstock in der Nähe von Oxford. Verbunden mit den notwendigen Mitteln, ein standesgemäßes Haus zu errichten. Mit der Schenkung war die Auflage verknüpft, an jedem Jahrestag der Schlacht eine Nachbildung der Fahne der besiegten französischen Truppen an das Königshaus zu schicken.

Dieser größte nichtkönigliche Adelspalast in Großbritannien wurde von  Sir John Vanbrugh entworfen. Capability Brown (geb. Lancelot Brown) zeichnete für die wunderschönen Parkanlagen, Wald- und Seenstücke und Brücken verantwortlich. Die Geschichte der Bauten des Palastes und des Parks ist durchzogen von Auseinandersetzungen zwischen der Familie des Bauherren und der Architekten. Auch die freundschaftlichen Bande zu Königin Anne schwanden noch während der Jahre der Baumaßnahmen. Die Kosten stiegen an und die Zuwendungen aus dem königlichen Schatzamt blieben aus. Der Duke of Marlborough finanzierte zuletzt den Bau aus eigenen Mitteln. Unter der Bauaufsicht von Nicholas Hawksmoor wurde der Palast erst nach seinem Tod 1722 fertiggestellt.

Das Schicksal will es, dass in diesen fürstlichen Hallen ein anderer Held Englands geboren wurde und dort seine Kindertage und ersten Jugendjahre verbrachte, Winston Churchill. Die Parallelen im Leben und Handeln zwischen ihm und seinem berühmten Ahnherr sind augenfällig und werden durch die Geschichte des zweiten Weltkrieges und der herausragenden Rolle, die Winston Churchill darin spielte, zementiert. Auch er ein Retter des Vaterlandes. Auch er verehrt bis hin zur Hysterie. Dass manchmal die Geschichte ihre Helden schnell fallen läßt, diese Tatsache hat Winston Churchill zu Lebzeiten zu spüren bekommen. Mit dem überraschenden Sieg der Labour Party in der ersten Parlamentswahl nach dem Zweiten Weltkrieg endete die von Churchill in den Wirren des Krieges geführte Koalitionsregierung. Churchill reicht seine Rücktrittserklärung beim König ein und Clement Attlee wird 1945 neuer Premierminister.

 

16 Gedanken zu “Winston Churchill und Blenheim Palace

  1. Legenden eben: Lawrence von Arabien, Lord Kitchener, Henry Morton Stanley…ähem…die Irland“politik“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts… ähem… die Suezkrise in den 50ern…das Kurdenproblem… Die Engländer hätten auch so einiges aufzuarbeiten…

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  2. Da ich England/Schottland noch gar nicht kenne, wahrscheinlich auch nicht mehr kennenlernen werde, es sei denn als armchairtraveller, verfolge ich begeistert und gespannt Deine Bilderserie und die Texte und staune über den fast immer blauen Himmel.
    Lesend muß ich mir dieses Land erschließen – aber die Fülle, die es an Dichtergrößen hervorgebracht hat und immer noch hervorbringt, entschädigt ein bißchen. Habe gerade u.a.John Burnside beim Wickel.
    Freue mich auf die nächste Augenreise und grüße herzlich vom Dach in Hanau, Karin

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      • Nicht nur das, die Vielseitigkeit der Bloggerwelt empfinde ich als wunderbare Bereicherung, oft muß man sich selber Grenzen setzen, sich diesem Sog zu entziehen. Mit herzlichen Grüßen nach Texas, Karin

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          • P.S.: Ich habe mich schon des oefteren dem Sog der Bloggerwelt – wie Du es treffend nennst – entzogen, manchmal auch fuer laengere Zeit, weil es denn einfach zu viel wurde. Ich habe auch immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, ganz aus „Bloghausen“ wegzuzuehen, es dann aber doch nicht getan, weil ich hier einfach zu viele Neues und Interessantes erfahren und zu viele Freunde gefunden habe.
            Liebe Gruesse aus „Fritztown“, wie manche Einheimische es nennen, und hab‘ ein feines Wochenende,
            Pit

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    • Sehr schön, dass dir die Bilder gefallen. Das Wetter in England hat mich nur zwei-oder dreimal im Stich gelassen. Ansonsten hatte ich immer Glück, wenn man bedenkt, dass ich die Insel seit 2007 besuche.

      Bist du aktuell Rollstuhlfahrerin? Dann wäre es natürlich sehr beschwerlich, die Reise über den Kanal anzutreten. Andererseits käme es auf einen Versuch an. Ich fände es sehr sehr schade, wenn du dir Schottland und England aus diesem Grund versagen müsstest.

      Liebe Grüße nach Hanau

      Achim

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      • Nein -:))) für mein Alter bin ich noch pumperlgesund und voll beweglich, daran liegt es nicht: ich habe eine große Dachterrasse mit vielen Pflanzen und einen Kater, den ich nicht länger allein lassen kann – beides für einen längeren Zeitraum zu betreuen, wäre eine Zumutung für Fremde. Das wußte ich aber, dass beides meine Reisetätigkeit einschränken würde.
        Schon mal länger als 4 Tage zur Tochter nach Mcpom zu fahren, ist nicht so einfach.
        Mir geht es aber gemessen an meinem Altersumfeld verdammt gut und insofern ist es kein allzu schwerer Verzicht.
        Vom heute schon frühlingsumhauchten Dach einen herzlichen Gruß zu Dir, Karin

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