Reblogged – Sensorische Notizen (von Drittgedanke)


Die Beifängerin

Schmerzlose Ernüchterung riecht nach Muschelkalk. Dieser Geruch ist nach dem Verlassen einer Kinovorstellung beim ersten Schritt an die frische Luft, nach dem morgendlichen Erwachen, nach dem Niederringen einer im Moment ungünstigen romantischen Anwandlung, nach dem Zuklappen eines Romans im Regionalexpress, nach dem Regen wahrnehmbar.

Schmerzliche Ernüchterung entspricht dagegen dem Geschmack im Mund, den ein Schluck Rostwasser verursacht.

Das betäubende und zugleich seltsam feierliche Eintreten von etwas sehr Schlimmem – Tod von Angehörigen, Diagnose einer bösartigen Krankheit, in äußerst seltenen Fällen auch: Zeitungsmeldung von historischer Tragweite – verströmt Osterfeuerluft.

Zu vermissen ist ein Klumpen Torf. Tote zu vermissen ein Klumpen Teer.

Ein großes, schweres, reich illustriertes Lexikon der Dinosaurier und Urzeittiere umherzutragen, fest unter den Arm geklemmt, hat eine sehr ähnliche, tiefenberuhigende Wirkung wie der Duft frisch gekochter Pellkartoffeln.

Fühle ich mich deutlich, aber nicht offen beobachtet und belauert, bilden Beckenknochen und untere Rippenbögen den Rand eines Bottichs, in dem ein…

Ursprünglichen Post anzeigen 47 weitere Wörter

Kategorien:Allgemein, Reblogged

2 Kommentare

  1. Ungewohnt hier, aber schön, ja! Danke, Achim

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