Sylvia Plath trifft Emily Brontë auf einer Heide in West-Yorkshire



Das schwarze Land aus dunklem Holz.
Rufe den Arzt, wenn es Zeit ist.
Ofengas ist der sanfteste Tod.
Ruhmloses Vergehen kümmert keine Geschichte.
Dein Bett in der Einöde ist sterblich wie jedes.
Das Bett an meinem Ende ist der Bruch des Gefühls.

Mein  spröder Mann.  Gott einer Märchenwelt.
Der mich ans Licht brachte.
Dann war es zu spät für das Spiel der Vergeltung.

Der Teufel, den ich wiederkäute und biss,
im Licht von Schwesternhauben.
Ich bin unfähig zu Atemzügen auf dem Aufstieg zu deinem Ruhm.
Die Bäume, die man gegen die Einsamkeit gepflanzt hat,
damit ein Kind unter ihnen spielt.
Dort starre ich dich an, Gespenst der Vergänglichkeit,
das deinen Ruhm vereitelt, wie deine Mutter davor.

Er gab mir den Namen Panikvogel.
Schwarz ist die Eifersucht, die du nicht kanntest,
oder doch, falls deine Schwestern Krähen waren.
Dein Teufel in der Abgeschiedenheit,  am Saum
dieser Heide, blutrot gegen den Himmel.
In dein Antlitz fällt er zur unerträglichen Stille des Ofens.
Ich könnte an deinen Tischen nicht sitzen
oder dem Schreibbesteck lauschen,
dem Sermon des Pfarrers, dem Lallen deines Bruders,
der Erhabenheit deiner Schwestern.

Keine Erde, wo ich bin.
Blitze  zum Himmel,  die losen Enden eines Feuerwerks.
Fackeln in Höhlen, bevor die Flut eintrifft.
Du lachst der Liebe Hohn, ich geh an ihr zugrunde.
Du bist glücklich, wenn möglichst hinweg.
Ich leide ohne den Fuchsgeruch meines Bräutigams.
Ruhm war ein Traum, der morgens ging.
Den hast du im Mundfang des Himmels nicht erlebt.
Ich spüre ihn, wann er kommt oder bleibt,
ob er mich bricht, das weiß ich nicht.

Der Regen ermüdet. Robuster Schuh in den Stürmen.
Du lebst und stirbst mit freier Seele und Kraft für Pein und Leid.
Ich sterbe dramatisch und lasse kein gutes Haar an der Welt.
Ich bin das Dramolett der Ostküste, ein Firlefanz, lautes Dekor.
Brandmale links und rechts der Schläfen, ein Streifschuss unter dem Auge.
Die Überspanntheit, der Stupor, die Takelage von Erschlaffung und Manie.
Erlösung suchte ich nicht, sagte mein Bräutigam.
Den Schmerz schon, die Heftigkeit der Panik und die Vitalität der Angst.

Der Wind kam, mich anzusehen. Ich versteckte mich hinter
dem Weidenbaum, den Neid abwehrend.
Ich bin auf Ruhm aus. Du warst in der Nacht
am Grab deines Bruders.
Du hast dein Leben bestraft mit dem Tod.
Dir fieberte erst, dann schlug es mir die Röte aus dem Gesicht.
Du warst winzig im Vergehen.
Ich schaute nach keinem meiner Kinder, als ich ging.

(© Achim Spengler)

Categories: Allgemein

2 comments

  1. Lieber Achim, das möchte ich ausdrucken und viele Male auf Papier lesen.

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