Wind


Nun ist es gut, dass der Wind aufkommt. Der alte Turner-Bricoleur, das Pastell des Ungefähren. Du sahst ihn, als er das Geißblatt besprang und das Plätschern des Sandstein-Springbrunnens gegenüber betatschte. Du sagst, ihn kümmere nicht, dass die Ameisen unter den betäubenden Tritten seiner Anschauungslust krepieren. Mit halbem Herz tadelst du ihn. Er zwänge deinen Hintern in den erträglichen Schatten. Und lobst ihn verhalten, des Bisses wegen in deine Hüfte. Ich sage, ihm die Obszönität des Brunnengeplätschers vorzuwerfen oder den sich aufrichtenden Flaum in der Rinne deines Rückens, hieße, den flatternden Sommerbändern in deinem Haar eine Geschichte anzudichten. Sie erzählen nur vom verwaschenen Wind und seinem speienden Ekel, wenn er weiterzieht. Ich sage, dass er nichts bei sich behält und das sei schließlich die nobelste Geste des Überdrusses. Und dass ich ihn liebe wie deinen Sichelmund, deine Dornenbrüste, so denke ich mir. Ich sei kein zärtlicher Improvisateur, nur der Ingenieur in der Etappe der Begierde. Das sei meine Bestimmung, von der Wiege, dem Bett, dem letzten Hauch. Du bindest das Sommerband um meine Augen und sagst: Wirf deine Worte in den Rachen des Windes, lass ihn von uns erzählen, doch erst, wenn du blind bist.

Kategorien:Allgemein

3 Kommentare

  1. Beeindruckend, wie du es immer wieder schaffst, lyrische Texte zu schreiben, als wäre es das einfachste in der Welt.

  2. Vielen Dank 😀 Aber das ist Knochenarbeit, aber eine sehr schöne.

    Liebe Grüße

  3. Gerne lieber Achim, ich habe schon gelernt, dass es kaum etwas schwereres gibt, als Lyrik zu schreiben, die leichtfüßig daher kommt und einem doch in den Unterleib boxt. Das gelingt dir nach meiner Meinung hervorragend.

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