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Ganz früh eines Morgens


Wir sind, mal mehr, mal weniger, die glücklose, gesichtslose Konkurrenz in der Vermessung der eigenen gespenstischen Stimme gegenüber den gespenstischen Stimmen anderer in der Welt des Bloggens.

Wir kreieren keine öffentlichen Räume, keine Flash-Mobs, nur die kurz aufflammende Idee eines Artikulationsraumes und ziehen dann wie Nomaden weiter. Gibt es so etwas wie die Möglichkeit der Introspektion, als das Verhütungsmittel gegen den subjektiv empfundenen Untergang der eigenen, charakteristischen Stimme in den Weiten der digitalen Rauschzustände und dem Haschen nach Resonanz? In diesem Medium wird die Selbstentblössung in der Masse untergehen. Der anschwellende Hass scheint die einzige Kategorie der Mitteilsamkeit zu sein, die als folgenreicher Resonanzkörper überdauern wird. Sein Furor ist nicht an den Einzelnen gebunden, das ist die Garantie seines Fortbestehens.

Was wohl auch überdauern wird ist die Informationsmüdigkeit, die als Information Fatique Syndrom Einzug gehalten hat in die Klinik psychischer Erkrankungen. Das Übermaß an Information verursacht eine zunehmende Lähmung analytischer Fähigkeiten. Es kommt zu Aufmerksamkeitsstörungen, zur allgemeinen Unruhe oder zur Unfähigkeit Verantwortung zu tragen. Das Denken verliert seine Exklusivität. Auch weil der Hass, der Zorn und die Wut sich nicht um Sachlichkeit, um Differenzierung kümmern muss, da es ihnen nur um den Willen nach Zerstörung rationaler Ansätze einer Welterklärung geht, scheinen sie, als Instanzen der Denkbefreitheit, der Informationsmüdigkeit nicht unterworfen. Sie stürzen sich unablässig und ausdauernd vehement wie Geier auf jeden Ansatz von Redlichkeit. Sie haben ausdauernden Atem, während uns die Luft ausgeht.

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Kategorien:Allgemein

2 Kommentare

  1. ….lieber Achim,

    Wie lange kennen wir und schreiben uns schon…? Manche Freundschaft in der Realityshow Leben schafft es nicht, solange durchzuhalten, Jahre, in denen man schreibt, kommentiert, dem anderen ein Stückchen seiner Lebenswelt zeigt. Immer nur ein blogfenster, das sich in die virtuelle Welt öffnet ist es und doch eine Möglichkeit, faszinierenden Menschen zu begegnen.
    Du weisst, wie sehr ich Deine seltsam schönen und dunkel verwoben schimmernden Wortgemälde mag – anders nur als ein Gemälde singen sie zusätzlich, sprechen sie zusätzlich.
    Glück ist wie warmer Plumpudding…
    Es ist zum Drinschwelgen schön wie viel Du schreibst.
    Danke…
    Liebe Grüße,
    Amélie

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Amelie,
      Zum Vielschreiben steht mir jetzt die kaum zu bewältigende Zeit zur Verfügung. Inzwischen weiß ich virtuelle Freundschaft sehr zu schätzen. Ich lebe sehr gerne in meiner Gedankenwelt und in der von anderen. Vielleicht ist es so: Zeige mir, wie du schreibst und was du schreibst, und wir können daran erkennen, wie wir sind und vor allem, wie wir gerne sein wollen. Wobei die größere Aufrichtigkeit in der Schilderung dessen liegt, wie wir sein wollen. Im realen Umgang miteinander überwiegt dagegen wohl der Anspruch, die Person in der Nacktheit ihres So-Seins kennenlernen zu wollen. Lieben Dank auch für dein Urteil über meine Art des Schreibens.

      Liebe Grüße in den Norden.

      Achim

      Gefällt 4 Personen

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