Der Schaum der Tage


Ganz früh am Morgen und, leider nicht unter dem Dylan Thomas’schen Milchwald, in Unterwäsche auf dem Balkon. Die Maxime der jetzigen Nächte: Durchschlafen und früh, fast noch im Dunklen, dem Regen nachspüren und dem grandiosen Schauspiel des Wetterleuchtens der vergangenen Nacht. Merkwürdig der Drang nach verwunschenen Tagesprotokollen. Warum ich vom Verwunschenen schreibe, begreife ich als das Resultat der Ruhe, die mich seit Tagen in ihren Klauen hat. Trotz aller Anspannung und der Reue darüber, zu weit gegangen zu sein mit der Hitze und Heftigkeit, mit der ich inzwischen so oft meine Standpunkte vertrete.

Nichts Schöneres gibt es als die Aussicht auf ein Leben ausserhalb der Tretmühlen der Arbeit, als den Ausstieg aus jedweden Verpflichtungszusammenhängen und den schnöden, faktischen Zuständen der Welt. Ich bin sogar dem allerbarmherzigen Gott gegenüber recht duldsam, der von seinem hohen Ross der Untätigkeit gegen das menschliche Böse nicht heruntersteigen will.

Ich übe mich in der Kunst, dem sinnlosen Sein ein sinnvolles Dasein abzuzwacken, mein Leben, ganz im Heideggerschen Sinne, zu seiner Eigentlichkeit zu führen, zu seiner Angemessenheit. Das würde umfassen das Urvertrauen in den Fluss,  in dem meine Gedanken treiben wollen und in das Werk – Zeug des Schreibens, damit sie nicht untergehen.

Ein Zimmer für sich allein. Seinen eigenen Kopf haben. Sein eigener Herr sein. Abseits des Man, das die Anderen meint, das mich aber einschliesst, wenn ich wie sie denke und handele, weil man es nun einmal so tut.

Die dunklen Wolken hängen tief, sie treiben gemächlich dahin. Eine kleine Nebelbank über den Baumspitzen löst sich graziös auf. Den aufklarenden Tag darf ich als Indiz nehmen, dass die Welt sich weiterdreht und ich Gefallen daran finde, einfach nur zu sein und den Takt meiner Tage selbst vermessen darf. Jetzt prasselt der Regen herunter und ich schmecke den Schaum der Tage.

Kategorien:Allgemein

7 Kommentare

  1. Klar, eine Philosophennatur lebt da, schreibt da. Der Gott, der nicht runtersteigen will…

  2. Feines filosofisch-literarisches Verbalselfie …

  3. Dylan Thomas ist ja schon toll, aber irgendwie vermisse ich Boris Vian. Da habe ich doch in früher Jugend ein Buch gelesen, dessen Titel mir nicht mehr aus dem Sinn geht und du hast diese Dose geöffnet, danke.

  4. Vielen Dank dafür, irgendwie stellen wir uns aus, Sie haben Recht.
    Pictures of an exhibition ……

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