"Einst, wenn ich mich recht erinnere, war mein Leben ein üppiges 
Fest, da öffneten sich alle Herzen, da flossen alle Weine."
(Arthur Rimbaud)

"Ich! Ich!, der sich Magier oder Engel genannt hat, losgesagt 
von jeder Moral, ich bin der Erde zurückgegeben, eine Pflicht 
zu suchen und die raue Wirklichkeit zu umarmen."
(Arthur Rimbaud)

Wir haben uns eingerichtet. Da ist der Stillstand. Materiell sowieso. Altersarmut. Ein euphemistischer Begriff, wenn man bedenkt, dass die Wohlanständigkeit im Wohlfahrtsstaat nichts mehr zu fressen hat.  Stillstand auch im Mut oder in der Fähigkeit, das Leid anderer wahrzunehemn, eine Witterung davon zu haben, um wahres Leid von dem bloß vegetativen Leid zu unterscheiden. Leid als  Beispiel eines    deskriptiven Ausdrucks verstanden, der nach Wittgenstein nur dann einen Sinn macht, wenn seine Anwendung  durch öffentliche Kriterien geregelt ist. Und gerade da verliert sich die folgenzeitigende Spur des Leids.

Können wir noch aufständig werden gegen die alles verschlingende Hydra der kapitalistischen Wirtschaftsweise? Orientierungslosigkeit, politisch, denkökonomisch, weltanschaulich. Die Ausgeburten unserer Warenwelt zu töten, das hätte  rachsüchtig-emanzipatorischen Anstrich. Mit einem Furor versehen, wie er in antiken Tragödien und Komödien von einigen starken Frauenfiguren repräsentiert wird.  Medea, Lysistrata, Klytaimnestra.

You who are happy in a thousand homes, 
Or overworked therein, to a dumb peace; 
Whose souls are wholly centered in the life 
Of that small group you personally love; 

Who told you that you need not know or care 
About the sin and sorrow of the world?
Do you believe the sorrow of the world 
Does not concern you in your little homes? 


That you are licensed to avoid the care 
And toil for human progress, human peace, 
And the enlargement of our power of love 
Until it covers every field of life? 

(aus dem Gedicht  „To The Indifferent Women“ von Charlotte Anna Perkins Gilman.
Der im Titel des Gedichtes angesprochenen „Infifferenz“ machen sich natürlich auch die Männer schuldig).

Der Glaube an die Autorität kapitalistischer Marktgesetzgebungen ist ein Fetisch, den sich nur die leisten können, die nicht an die Autorität des Gesellschaftspolitischen glauben, an seine Konsensanstrengungen und an den wohlfahrtsstaatlichen Ausgleich ökonomischer Mißverhältnisse.
Für die Fetischisten ist der Kapitalismus Teil nichthintergehbarer metaphysisch aufgeladener  Instanzen, so wie Gott oder Wahrheit oder die unmittelbar gegebene Beschaffenheit der Erfahrung. Ein Ding also unter dem Aspekt der Ewigkeit betrachtet.

Kapitalismus ist tot,  an dieser Fiktion hätte Nietzsche wohl seine helle Freude gehabt. Wenn sie doch eintreten würde, wenigstens als Prophezeiung der Zukunft, als handlungsorientiertes Arbeitsprogramm sozialer Hoffnungen und als Ikonoklasmus der heiligen, quasireligiösen Bilderwelt der Werbeindustrie.

Der erste Reflex auf die blutaussaugende, markerschütternde Verdinglichung ist die Flucht in die innere Emigration. The big relief, das Ausseufzen letzter sozialer Bindungen. Das Menschlich-Allzumenschliche als empfundener Ballast. Sich-gehen-lassen heißt heute das Verstricktsein in sich selbst. Über Bücher gebeugt, zum Beispiel. Gedanken hortend wie soziophobische Philatelisten. Das Angelesene als verbleibender Rest von Orientierung, wenn man  zu erkennen glaubt, dass es Situationen gibt,  (…) where conversation doesn’t pay off  and you just get never anywhere by talking“  (Richard Rorty).

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