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Sic Semper Tyrannis – Trump und Shakespeare


In William Shakespeares Richard III spricht Die Herzogin von York zu ihrem Sohn Richard, dem Usurpator der englischen Krone.

„Zur Welt gebracht
hast du die Welt zur Hölle mir gemacht.
Schmerzreiche Mühsal war’s, dich zu gebärn;
Launisch und eigensinnig deine Kindheit;
Die Schulzeit schrecklich, tolldreist, wild und wüst;
Dein Jugendalter dreist, kühn und verwegen;
Dein Reifealter stolz, fein, schlau und blutig.“

Ähnliche Worte oder andere könnte die amerikanische Demokratie demjenigen ins Gesicht schleudern, der ihrem Ruf eine narzisstische Hölle bereitet. Der ihre verfassungsgemäßen Grundlagen verhöhnt und dem präsidentiellen Regierungssystem insgesamt den Anstrich einer hollywoodesken Farce gibt.  Vielleicht wird sich diese Demokratie einmal an diese Jahre als den anni horribiles zurückerinnern,  sollte sie bis dahin nicht aus ihren konstitutionellen Fundamenten gehoben worden sein.

Bei Richard III. ist es die körperliche Deformität, die am Anfang seines blutrünstigen, kompensatorischen Höllenritts in den  Despotismus  steht. Der  Aussätzige, das Monster, das sich nicht um Liebe oder  soziale Verpflichtungen, gar um Freundschaften kümmern muss, dieses Monster, das sich selbst auch als solches benennt, träumt vom Weg zum Thron, der über Verrat und Lüge, Verhöhnung, Mord und Folter führt.

„Drum, da die Welt mir keinen Spaß sonst bietet,
Als die zu knechten, treten, zu beherrschen,
Die besserer Gestalt sind als ich selbst,
Soll`s mir mein Himmel sein, vom Thron zu träumen.“
(König Richard III.)

Nehmen wir Mord und die Folter aus der Gleichung und konzedieren, dass  diese Art der Übertragung unhistorisch ist und nicht die Besonderheit eines elizabethanischen Königsdramas reflektiert oder gar die verschiedenen Zeitläufte,  in denen die Usurpatoren leben. William Shakespeare hat in der Figur Richards das Psychogramm eines Tyrannen herausgearbeitet, wie es prototypischer nicht sein kann, und das in seinen Grundzügen  ein grelles Licht auf den jetztigen Präsidenten der USA wirft, aber beileibe nicht nur auf diesen.

Schamlosigkeit, krankhafter Narzissmus, ein Überlegenheitsgefühl, die Vorstellung der eigenen Grandiosität, die alles aus den Angeln heben kann, das Establishment, die Würde eines Amtes sowieso, auch die Würde anderer Institutionen, die ein friedliches Miteinander und das Gemeinwohl innerhalb eines geregelten Gemeinwesen garantieren.

Lust an der Erniedrigung, Gesetzesbruch, Sexismus und Rassismus. Politische Muskelmänner gefallen ihm. Politische Verlierer erregen nur seinen Spott und Hohn. Liesse man dem modernen Richard seinen von checks and balances unbehelligten Lauf, wäre seine Wahl, der Winter unseres Mißvergnügens, mehr als der  Einstieg in die politische Immunität. Anschauungsunterricht hierzu kann er sich beim Kollegen Erdogan nehmen.

Ein Gambler, ein Glücksritter, der sein Sein auf einen Wurf gesetzt hat. Und gewann. Ein Sieg, mit dem er nicht gerechnet hat. Wer werden die sechs Richmonds sein, die ihn stoppen könnten? Vielleicht bleibt ihm am Ende nicht einmal ein Pferd zur Flucht.

Du Lump! Ich hab mein Sein auf einen Wurf gesetzt
Und will dem Risiko des Würfelns stehn.
Ich mein, es wärn sechs Richmonds hier im Feld:
Fünf totgeschlagen hab ich heut statt ihn.
Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für`n Pferd.“
(König Richard III.)

 

Sic semper Tyrannis. Mag sein, dass nach dem Abgesang des Tyrannen durch Gottes schöne Fügung die Königshäuser sich vereinen, und lass dies Haus, Gott, wenn`s dein Wille ist, die Zeit, die kommt, mit weichem Frieden segnen. Mit heitrer Fülle und reichblühenden Tagen. Mach stumpf den Stachel der Verräter, Herr, die diese Blutzeit wiederbringen wollen.“ (Graf von Richmond, der spätere Heinrich VII.)

 

Anmerkungen:

Zu diesem Blogbeitrag hat mich das empfehlenswerte Buch von Stephen Greenblatt Der Tyrann angeregt, erschienen im Siedler Verlag, 2018. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel Tyrant. Shakespeare on Politics.

Die Zitate sind der zweisprachigen Ausgabe von William Shakespeare König Richard III. entnommen, in der Übersetzung von Frank Günther und erschienen im dtv Verlag.

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Kategorien:Allgemein

7 Kommentare

  1. „„durch Gottes schöne Fügung die Königshäuser sich vereinen, und lass dies Haus, Gott, wenn`s dein Wille ist, die Zeit, die kommt, mit weichem Frieden segnen. Mit heitrer Fülle und reichblühenden Tagen. Mach stumpf den Stachel der Verräter, Herr, die diese Blutzeit wiederbringen wollen.“ und das dann bitte weltweit …

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  2. Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.

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  3. Lieber Achim,

    Old Bill hat alles gewusst, Du ziehst elegant und geschickt die assoziativen Glimmerfäden, kleine Synapsengewitterchen fluten den Kopf. Wenn was noch nicht geschah schon geschehen wäre als eine bloße Idee, nun ärgste Wirklichkeit. Die Farce entblößt sich, zieht die Extensions in Form und geht lieber golfen und China ärgern als sich um seine Gesellschaft zu kümmern. Diese ist vielleicht bereits dabei, ihr Krankheitssymptom zu erkennen. Dieser amerikanische Traum wurde bereits mit einem goldenen Löffel im Mund geboren: das Trump-Imperium.
    Das ist nicht der amerikanische Traum. Dieser träumt von Brüderlichkeit, von Menschlichkeit, Frieden und vereinten Nationen. Es ist ein hart arbeitender Traum- vom Tellerwäscher zum Millionär. Dieser Präsident führt sich so auf als wüsste er nicht, wie man einen Stapel Teller wäscht. Er würde mit dem Abwasch Golfen gehen wie mit seinem bösesten Handicap: Souveränität
    Das bekommt er einfach nicht eingelocht.
    Danke. Das war klasse zu lesen.
    Liebe Grüße nach Freiburg ✨

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