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Vor der Zeit


Der Himmel schreitet ferner aus ohne dich. Mit seinen Gewittern im Arm, mit dem rotleuchtenden Erz und dem funkenden Zündstein. Heute bliebst du aus und ich suchte dich in den staubzerfressenen Telefonbüchern der Stadt. Ich gab mir das Versprechen auf die Blendung meines Trugs, auf das Ende des Verhaltens meines Atems. Du wusstest früh, dass die Erinnerung trügerische Fährten legt als Staub. Nun staunt mein Mund auf deinem Mund, darüber, dass uns die stolzesten der Dolche vor der Zeit verrieten.

(© Achim Spengler)

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Kategorien:Allgemein

2 Kommentare

  1. Dein Text ist so persönlicher Natur, dass ich kaum zu kommentieren wage.
    Allerdings… schreibe ich meinem imgaginären „Du“ auch ab und zu.
    „Dann stehst DU da wie eine Figur, eine vage Kontur ohne Schärfe und befiehlst: schreib schon auf, faule Kreatur, bevor ich dich ins Fegefeuer werfe.! Zwischen uns geht der Wind, das himmlische Kind der Gedanken. Die Texte, die ich meinem Du schreibe, sind meine Walgesänge ohne Schranken…“ schrub ich letztens, noch nicht so lange her.

    Anschließend sitze ich vor dem Text und wünsche mir eine Entkryptisierungsmaschine wie die Enigma im zweiten Weltkrieg.
    Hier trägt der Himmel zwar schon Gewitter im Arm, aber leider dauernd knapp südwärts an Ostwestfalen-Lippe vorbei.

    Staubzerfressene Telefonbücher. Die fand man früher in Telefonzellen. Überhaupt Telefonzellen und ihr intimer Schachtelcharme in der mottenverdunkelten Diskretion einer vereinsamt funzelnden Neonröhre, völlig versponnen unterm rostigen Metalldach. In den Zellen stank es nach uralter Zigarettenasche im Nachhall Millionen schwierigster Diskussionen. Das Klackklackklack echosquasht noch als morphogenes Feld in den engen stickigen Wänden als knackende fernfrequent stimmliche Erinnerung an die Münzfressautomaten im Acht-Minutentakt. Da überlegte man noch, was man wem Wichtiges zu sagen hatte.
    Sonst war vor dem Ende der Worte des Geldes Ende Gelände und man philosophierte in die gewaltsam getrennte Stille.

    Dann noch nach dem Kuss das Bild zum Schluss mit dem Verrat der stolzen Dolche. Obendrein noch verräterische als wenn der trügerische Staub nicht schon genug zu verfrühten Spuren verführt hätte. Es sind nur wenige Sätze und doch so gewaltige Bilder, die Du im Arm trägst wie der Wind die Gewitter. Möge der Regen ein kalkülloser sein, ein ehrlicher Landregen am besten und durch die ganze Nacht hindurch gehend.

    Am Ende ertönt der Petrichor der Erde , dieses schwer nach trinkender Erde duftende, Tropfen für Tropfen auf den heißen Sommerstein. befeuchtet den Atem bis er wieder fließen kann.
    Stolz ist ein Zweiklingenschwert.
    Eine Seite dient dem Ehrgeiz und der Anerkennung und die andere Seite der Angst.
    Schwerter sind schlechte Berater. Sie sollten abgelegt werden, wenn man nur Blumen betrachten will.

    „Hier beugt sich ein Samurai beglückt über eine Blume.
    Doch was will er nur mit dem großen Schwert?“
    (Mukai Kyorei)
    Ich mache meine Gedanken mal so laut…Wie so gerne assoziieren sie lose und unbeschwert weiter….
    (ach übrigens: Larkin Poe – Reskinned- Dudele ich mit Wonne rauf und runter, sie wurden mir empfohlen, toll!. :-))

    Übermorgen soll es kühler werden…

    Liebe Grüße von der Fee

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  2. Dieses ominöse Du, was könnte es sein? Eine Person, ein Ding, mehrere Dinge, Gegenstände? Eine Idee, eine moralische oder sittliche Idee, eine Sehnsucht nach einer Moral, die zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag? Küsst man eine Idee? Ich könnte behaupten, dass ich die Reinheit, die Unschuld, die Güte, die Empathie, die zwischenmenschliche Solidarität gerne umarmen würde.

    Andererseits könnte es eine Geliebte sein, oder die Liebe als solche, oder das zusammengesetzte Bild aller Geliebten. Wie du siehst ist es schon beim Schreiben so, dass die Bilder mir schon in einem verrätselten Zustand zufliegen, auch für mich letztlich nicht mehr entschlüsselbar, weil vieldeutig, so, dass Kritiker sehr wohl anmerken könnten, dass es um alles oder auch um nichts geht.

    Die staubzerfressenen Telefonbücher sind wohl eine Metapher für eine längst vergangene Zeit, in der es noch Telefonzellen und darin liegende Telefonbücher gab. Aus dieser Zeit stammt die Verzweiflung über ausgebliebene Nachrichten, oder über diejenigen, die nicht rechtzeitig eintrafen oder so verspätet, dass sich aus diesem Umstand Zweifel und Eifersucht anhäuften wie die Drohgebärden eines Gewitters.

    Die stolzesten der Dolche sind der Egoismus, die Eifersucht, die Ignoranz, die Untreue usf. Du erwähnst Ehrgeiz und Angst. Beides kann man ohne weiteres dieser Rubrik der stolzen Dolche zurechnen.

    Du nimmst meine Entschuldigung für meine späte Antwort hoffentlich entgegen. Aber für die Antworten auf deine Kommentare brauche ich angemessene Muse und Zeit.

    Liebe Grüße in den Teutoburger Wald

    Achim

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