Football`s not coming home – An Elegy (in flat minor)

„Das ist unser gelobtes Land. Und wir brauchen keinen brennenden Dornbusch, der uns das bestätigt. Jede hohe Flanke wird über jeden noch so sprungstarken Dummkopf hinwegsegeln, und alle tieferen, zum Kopfball bestimmten Vorlagen werden nur auf Brusthöhe ankommen …. (…). Und dann gibt es ja noch dieses Sumpfloch dort. Nicht zu vergessen! Darunter befindet sich eine tiefe alte Quelle, und Sie werden feststellen, dass dort aufkommende Bälle nicht hüpfen und rollende Bälle, ganz, ganz lang-sam werden.“ (J.L. Carr – Wie die SINDERBY Wanderers den POKAL holten)

Diese Art Fussball wollten sie wohl spielen, die Engländer. Getragen vom Urvertrauen an den anglikanischen Gott und getrieben vom Glauben an das gelobte Land, als das sich der gegnerische Strafraum wundersam entpuppen würde. Die sandigen Verteidigungswälle sollten denen  von Dünkirchen gleichen, diesen tiefen alten Quellen, in die sich schon die Panzerkolonnen der Nazis verfingen und ganz, ganz lang-sam wurden, gestoppt in den Hochmooren von Yorkshire.

In diesem Blog wird die Liebe zum Land  der Normannen und Angelsachsen unverblümt hingeschrieben. Wer dieses Land liebt, der hat  auch das zu lieben, was in ihm in jedem vierten verhexten  Jahr am   High Table der profanen Religion  zum Sitzen kommt: Die Besessenheit nämlich von der Heimholung des Fußballs in seine Stammlande. Insofern gilt es den Worten von Endeavor Morse heftigst zu widersprechen,  welcher meinte:

„There is no real magic in this world except love. The rest is just folly and game.“

Es geht natürlich ausschließlich nur um Torheit und Spiel, möchte ich ihm zurufen. Liebe? Wishful Thinking. Schauen wir doch genauer hin. Da war  diese gierende Sehnsucht nach dem Titel und nach der Exekution der nationalen Schande. Es war endlich an der  Zeit, den vielfältigen Heimsuchungen mit Talent und Tugend an die Wäsche zu gehen. Es war  diese Mischung aus Traurigkeit und Glück und Verderben,  die mich ereilte, als alles vorbei war, als ob in mir ein Brite lebte, trank und speiste. Oder zumindest der senile Polonius, mit seinem läppischen Sätzchen:

„Kein Borger sei und auch Verleiher nicht; sich und den Freund verliert das Darlehn oft, und Borgen stumpft der Wirtschaft Spitze ab. Dies über alles: Sei dir selber treu, und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.“  (William Shakespeare – Hamlet)

Und auch nicht falsch sein gegen die Hoffnung. Das war die Maxime meiner eigenen Hoffnung und sie währte keinen kurzen Sommer. Sie zerstob in der Nebelwand der Orientierungslosigkeit, im Netz und doppeltem Boden einer Widerständigkeit, die auf den Namen Kroatien hörte. Der Schein dieser Hoffnung trog also und man möchte nachgerade Mord rufen und des Krieges Hunde entfesseln. Wenn es denn helfen würde, was es nicht tut. Einmal zu viel Großmut verliehen und dann nach Hause geschickt, demütigst. Was wohl auf die gefallenen Helden wartet? Mutmaßlich keine in die Luft geschleuderten Freudenbecher, gefüllt mit wässrigem Ale und Bitter.

Wo da nach einem Trost suchen oder vermuten wollen, wo er zu finden wäre? Nun, vielleicht liegt er in dem Umstand, was es denn bedeutet hätte, den Pokal in den Händen zu halten, sagen wir, vier Jahre später:

„Einige von euch werden das nie verstehen. Ihr würdet es gerne noch mal machen. Aber glaubt mir, es wäre nicht mehr dasselbe. Ein Nachschlag schmeckt nie so wie der nächste Teller. Also lassen wir es dabei bewenden und schützen uns vor dem sprichwörtlichen schalen Nachgeschmack. Und welken Lorbeeren … (…). Also dann, lasst uns über Ruhm und Ehre sinnieren. Und darüber, was passiert, wenn man sich zu lange daran festklammert…. (…). (J.L. Carr – Wie die SINDERBY Wanderers den POKAL holten)

Nun, da derlei Dinge nur passieren bei glorreichen Siegen, so können die Three Lions  Shakespeares wunderbare Sentenz nicht für sich reklamieren, in der es heißt:

Die Stelle noch einmal, sie endet so ersterbend“.

Sie sollten es mit A. E. Housman halten:

„Ihr werdet nicht zu denen gehören, die ihren Ruhm allzu lange ausgekostet haben, nicht zu den Läufern, denen der Ruhm abhanden kam und deren Namen vor ihnen starb.“

Am Ende läuft es immer auf das Beherzigen von Regeln hinaus, that`s for sure.

1.) Man kann den Ball ohne Weiteres spielen, ohne auf seine Füße zu schauen. Frauen müssen beim Stricken auch nicht auf ihre Hände gucken.

2.) Ein herausragender Torhüter ist das wertvollste Gut einer Mannschaft. Selbst einem überlegenen Gegner kann er beinahe aus eigener Kraft den Sieg vereiteln.

3.) Ein guter Torwart muss nicht unbedingt ein besonderes guter Fußballspieler sein. Er braucht ähnliche Fähigkeiten wie ein guter Tischler oder Busfahrer – er muss augenblicklich Räume und ihr Fassungsvermögen einschätzen können. Außerdem muss er außergewöhnliche Geschicklichkeit und Mut verfügen.

4.) Der einzige bedeutende Unterschied zwischen den technischen Fähigkeiten eines Amateurs und denen eines Profis ist, dass Letzterer den Ball mit dem Kopf weitaus präziser weiterleiten kann.

5.) Jeder Spieler bis auf den Mittelspieler muss das eigene Tor verteidigen, und jeder Spieler bis auf den Torwart muss das gegnerische Tor angreifen.

6.) Sorgt dafür, dass die heilige Flamme brennt, seid zufrieden, dieses Feuer zu schüren.

7.) Wenn ihr in die Wüste hinausgeht, erwartet nichts anderes zu sehen als ein Rohr, vom Winde hin und her bewegt …..!

 

Ein Lesehinweis darf zuallerletzt nicht fehlen. Hier liegt der Trost bereit für die geschundene Nation.

Sinderby Wanderers

 

Achim Spengler
Achim Spengler

Hier finden Sie Beiträge zur britischen und amerikanischen Literatur, zur Geschichte Großbritanniens und Irland. Auch Betrachtungen zur Philosophie kommen nicht zu kurz. Sie können mich aber auch zu Reisen nach Irland, England, Wales und Schottland begleiten.

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eimaeckel
4 Jahre zuvor

Nichts als Narretei und Spiel auch dein Text? Auf jeden Fall eine gute Empfelung sich dem Land der Normannen und Angelsachsen (die Kelten hausen ja nur an seinen Grenzen) wieder lesend zu nähern.

Achim Spengler
4 Jahre zuvor
Reply to  eimaeckel

Der Text sollte eher eine ironische Auseinandersetzung mit der Kluft sein, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt. Die Engländer haben ja die herrliche Angewohnheit, über alle realistische Verhältnisse hinaus sich gewissen Illusionen hinzugeben. Manche Fehleinschätzungen sind dabei sehr sympathisch, andere von Hurrapatriotismus getrübt. Ein Blick in die britische Literatur lohnt immer ☺

gebrocheneslicht
4 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Als Ausgleich empfehle ich trotzdem mal Frank Goosen, Weil Samstag ist: https://www.youtube.com/watch?v=wg-ELM0bO94 (ab Minute 10), der auch Wahrheiten gesagt hat wie: „Wir im Ruhrgebiet gehen auch nicht zum Fußball, um uns zu amüsieren. Wir gehen dahin, um uns aufzuregen.“ Das gilt auch für Hamburger, zumindest die der Abteilung „Raute“. Und wer bisher noch nicht wusste, dass Fußball Religion ist, lässt sich vielleicht von der titelgebenden Geschichte überzeugen: Ein Bochumer wird gefragt, warum er ins Stadion geht. „Watt?“ Ja, warum er auf dem Weg ins Stadion ist. „Weil Samstach is.“ Dieselbe Begründung ist auch die überzeugendste, wenn Christen gefragt werden, warum sie in den Gottesdienst gehen. Nur dass dann eben Sonntag ist.

Achim Spengler
4 Jahre zuvor

Ausgleich? In Bezug auf was?

Maria Mittwoch
4 Jahre zuvor

War schon wieder WM? Isses wieder vorbei? War ja ziemlich leise hier 🙂
Was das Stricken angeht: ich würde definitiv auf meine Hände gucken, wenn mir das jemand beibrächte.

Achim Spengler
4 Jahre zuvor
Reply to  Maria Mittwoch

Aber nach dem Beibringen musst du nicht mehr auf die Hände schauen. DIe WM ging mir am A….. vorbei, zum ersten Mal, wenn ich es recht überdenke.

Maria Mittwoch
4 Jahre zuvor
Reply to  Achim Spengler

Du unterschätzt meine Ungeschicklichkeit 😀
Beim Fußball gehts ja auch nur um irgendwelche Leute, die nem Ball hinterherrennen.

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