Notate 22


Das Alter ist ein Kokon, in dem ich mich einniste. Man kann das leicht verwechseln mit einem  zunehmend notorischen Individualismus. Es ist das Gegenteil davon. Es ist die zunehmende Angst, nicht mehr gebraucht zu sein. Übersehen zu werden. Ein Spiel wie in der Kindheit. Die Augen verschließen und glauben, dass die anderen mich nicht mehr sehen, bevor sie beginnen, mich zu übersehen.

Ich bleibe nie lange in der Heimat von Gedanken, ich bin nicht gern allein. I’m here because everybody has to be somewhere. Vielleicht hat mich Heisenberg hierher geschickt.

Neurologisch sei die Wirkung eines Flirts mit derjenigen eines Hirnschadens vergleichbar. Behaupten Wissenschaftler. Diese Feststellung passt zu meinen bescheidenen Anstrengungen in Dingen des Flirtens. Was mich nie davon abhielt, es immer wieder damit zu versuchen.  Wenn man die Kommunikation mit dem anderen Geschlecht subtil verweigert, dann kann das ebenfalls Interesse erzeugen. Das Schweigen des Flirts, das Flirten des Schweigens. Wobei es keine größere Anstrengung gibt, als das Schweigen durchzustehen.


 

Kategorien:Allgemein

8 Kommentare

  1. Es gibt aber die „Gemeine Haarschnecke“ und die hat ein haariges Gehäuse, sieht aus wie ein umgestülptes Ohr mit den Flimmerhärchen nach außen. Von wegen, eine Schnecke mit Haaren fällt auf? Aber nicht, wenn es viele Haarschnecken sind….
    Einnisten ist gut, wenn man gerade im Begriff ist, sich von einer Raupe Nimmersatt in einen herrlichen Flügelfalter zu verwandeln. Oder wenn das Wetter dermaßen schrecklich ist, dass Rausgehen fahrlässige Körperverletzung wäre.
    Die Angst vor der Nutzlosigkeit – wer ist frei davon? Wir sind doch soziale Wesen. Wir verlieren niemals unseren Wunsch nach Berührungen durch andere – egal wie alt wir werden und vielleicht auch unabhängig von unseren Entscheidungen, dies nicht mehr zulassen zu wollen, besteht doch dieser zutiefste Wunsch, einer der allerersten, die wir hatten als wir die Welt betraten und noch hilflos waren. Nein, in Gedanken finde auch ich keine Heimaten, Gedanken sind wie Wolkenbänder und Heimaten, das kann ich nur mit Erde, in der ich wurzeln kann. Wer ist Heissenberg? Den recherchiere ich nach der behaarten Schnecke. Wer hat den Flirt mit einem Hirnschaden verglichen? Hat der einen Hirnschaden?
    Ach so, ja. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Blei enthält.
    Flirt ist eine Kunst. Eine ziemlich hohe sogar, denn sie bewahrt sich die Leichtigkeit in einer Annäherung und das Spielerische. Der Flirt muss auch nicht tiefer gehen und nur er darf oberflächlich bleiben. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass flirten gesund ist für den Menschen. Es erhält die Lebenskraft und die Lust. Ein Hoch auf den Flirt. Er baut Schranken ab, die Diskussionen errichten. Wenn es ein geistreicher ist, beflügelt er das Denken, weil er so schön prickelt wie Ahoibrause. Dann das Schweigen. So boring, gähn. Schweigen. Womöglich noch eins, das sich anstrengt, die Klappe zu halten, wenn es viel lieber Opern reden würde, Arien singen, jemanden anhimmeln und ihm lauter Sterne vom Himmel versprechen. Aber nö. Lieber Understatement und Schweigen. Der heilige Kevin aus Irland würde sich jetzt zustimmend verneigen. Und nun brauche ich Musik. Mal hörenn, was Du Schönes kredenzt hast.
    Frühsommerliche Grüße mit etwas leichtem Gewittergegrummel und einen schönen Sonntag Dir, wünscht die Fee

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    • Ahoi Brause? Hm, da sehe ich Oskar Matzerath vor mir. Wie er die Brause aus dem Bauchnabel …. und so fort. Flirt und Hirnschäden sind neurologisch vergleichbar, was ihre WIRKUNGEN anbetrifft. Flirt ist also nicht gleich Hirnschaden. Aber ich bin bei dir, der Flirt ist ein Elixier. Aber oft kaum auszuhalten, wenn man nicht in der Lage ist, seinen Schwebezustand zu akzeptieren. Er wirkt dort am meisten, wo er die wenigsten Hintergedanken mit sich schleppt. Man könnte sagen, dass er eine Kunst ist, die, so drückt es Kant aus, ganz interesselos daherkommt und zu interesselosem Wohlgefallen einlädt.
      Werner Heisenberg war einer der großen Forscher im Bereich der Quantenmechanik. Von ihm stammt die sog. Unschärferelation, eine Theorie, die besagt, dass man als Messender auf der Ebene der Subatome nie gleichzeitig den Aufenthaltsort und die Geschwindigkeit/bzw. den Impuls eines Teilchens bestimmen kann. Das ist so, als hätte Gott gewürfelt. Und meine Existenz ist, das war der Versuch einer Analogie in dem Satz oben, unscharf, weil es ja nicht heraus ist, ob wir Zufallsobjekte dr Natur sind, oder unsere Existenz von göttlicher Abkunft ist.
      Die „gemeine Haarschnecke“, sieh mal an. Was man noch alles lernen kann. Nie hätte ich gedacht, dass es eine solche gibt. Andererseits werde ich auch in Zukunft immer wieder gerne in solche Wissenslücken fallen wollen. Wusstest du, dass das Flirten in Briefform/EMail Form eine Gratwanderung ist, die alsbald in Agression mündet? Weil Unsicherheit im Spiel ist. Die Redundanz der Worte. Die Ungeduld, das Verlangen nach sofortiger Bestätigung des Gesagten. Und das Schweigen als Ultima ratio. Wenn du oben auf den Satz „Wirkung eines Flirts mit derjenigen eines Hirnschadens vergleichbar“ klickst, kommst du auf einen Artikel der Psychology Today. Da steht viel Erhellendes über den Flirt drin.

      Liebe Grüße aus dem sommerlichen Südbaden

      Achim

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  2. Deine Texte werden für mich und mein intellektuelles Niveau immer lesbarer und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in letzter Zeit nicht klüger geworden bin.

    Ich war gestern noch lange im Netz, wollte mal wieder herausfinden, wie das alles so funktioniert: Die Welt, das Universum, die Zeit und alles, was darüber hinausgeht, was wir nicht sehen und verstehen können. Was ist Realität, was ist Wahrnehmung, ist Realität nur ein breiter Konsens, werden Dinge real, nur weil sie betrachtet und in irgendeiner Form interpretiert werden? Haben wir uns selbst erschaffen oder sind wir gar nicht da, ist jeder Gedanke nur so ein Potential und wie kann ich wissen, ob ich überhaupt da bin, existent und dass das, was ich denke, nicht nur einer Kette von Assoziationen entspringt, kommen Gedanken aus einer dieser extra Dimensionen und sind sie zu einem bestimmten Zeitpunkt mit mir verschränkt? Und selbst wenn ich mir meiner sicher wäre, wie könnte ich mir der Existenz der anderen sicher sein?
    Was ist außerhalb aller Grenzen, was liegt in den Dimensionen verborgen, die es noch geben soll?
    Ist das ganze Universum und alles was wir kennen, vielleicht nur ein möglicher und labiler Zustand, könnten wir uns am Ende alle auslöschen, wenn wir uns unserer Nichtexistenz bewusst würden?
    Das sind alles keine neuen Fragen, aber die Antworten bleiben immer noch aus.
    Und leider fehlt mir auch ein bisschen das Verständnis für Physik, Astronomie, Quanten und den ganzen Kram.

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    • Da habe ich wohl in der älteren und jüngeren Vergangenheit wohl zu verschwurbelt geschrieben. Diese Neigung ist mir wohl bekannt. Sie abzustellen sehr schwer (und vielleicht möchte ich es insgeheim gerade so :-)). Die Antworten auf deine Fragen kann ich dir nicht geben. Aber in den Fragestellungen selbst macht sich für mich die Schönheit dessen deutlich, was wir gemeinhin als unseren Geist bezeichnen. Neugierde, Wissensdurst, wobei er uns zwangsläufig dazu bringt, über das Wesen unserer Existenz nachzudenken, in ihrer, nach kosmologischen Maßstäben gemessen, Winzigkeit und Unbedeutendheit. An meiner und der Existenz der anderen zu zweifeln, ist philosophisch – intellektuelle Spielwiese, die mit falschen Prämissen zu falschen Schlussfolgerungen kommt. Ich bin also sogenannter Realist, da die philosophische Position des Realismus Behauptungen macht über die von unserem Denken unabhängige Existenz von Phänomenen. Es gibt neben diesem sog. ontologischen Realismus, welcher die vollkommene Unabhängigkeit einer Realität von unserem Sinnes- und Erkenntnisapparat postuliert, den sog. naiven Realismus, der geradezu aus einer extremen Gegenposition zum ontologischen Realismus argumentiert. Er behauptet, dass die Welt so ist, wie der Mensch sie wahrnimmt. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Aber das sie ist, streitet auch er nicht ab.
      Meine Existenz ist eine möglich gewordene, aber letztlich rein zufällige. Mein Leben ist sinnhaft nur in dem, was ich ihm als Sinn zuschreibe. Zu diesem Sinn gehört der Wunsch nach Wissen, die Begierde nach Erkenntnis. Mit einer spielerischen Ernsthaftigkeit unternommen. Darin liegt eine pure Freude. Es liegt etwas Schönes darin, wissen zu wollen. Auch wenn mich dieses Wissen manchmal in die Richtung einer Einsicht geführt hat, die man üblicherweise mit dem Begriff der Kontingenz umschreibt. Ich zitiere:
      „Von Kontingenz spricht man, wenn alles, was ist, anders sein könnte oder auch überhaupt nicht. In einer kontingenten Welt gibt es nichts, woran man sich halten kann. Es ist, als wollte man im Bodenlosen ankern. Man kann auch sagen: im Grundlosen. Das heißt: Alles ist für uns grundlos da. Die Vorstellung einer höheren Notwendigkeit ist vor dem Hintergrund des Kontingenzbegriffs nicht einmal mehr fragwürdig.“

      Vielen Dank für deinen interessanten Kommentar

      Viele Grüsse

      Achim

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      • Danke, dass du deine Erklärungen für mich runterbrichst, damit kann ich sehr viel anfangen.

        Ich weiß nicht, ob für mich eine Schönheit darin liegt, wissen zu wollen. Wenn ich meinen großen Sohn dabei betrachte, wie er auf Wiese liegt, Grashalme rupft und damit über seine Wangen streicht und einfach nur ist, dann glaube ich zumindest nicht, dass ihm ohne dieses Bestreben etwas fehlt.
        Dafür sehe ich eine Schönheit darin, in dem Moment aufzugehen und zufrieden zu sein.
        Aber doch, wenn ich darüber nachdenke, es gibt Momente des Wissenwollens. Schublade auf, Schublade zu. Was macht der Löffel für ein Geräusch, wenn ich ihn gegen den Tisch werfe?
        Das ist ja auch Neugierde, Suche nach Erkenntnis, wenn auch im kleinen Maßstab.

        Aber Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt, empfinde ich als unbefriedigend. Es macht mich wütend und manchmal stelle ich mir vor, ich muss nur genug wollen, damit die Antwort mir einfiele, aber das tut sie nie. Vielleicht ist es aber doch ganz gut so, vielleicht würden mir die Antworten den Kopf zerspringen lassen oder ich käme in eine Psychiatrische Einrichtung.

        Ich bin Gott in einem Traum begegnet. Es kam mir so real vor.
        Es war eine weibliche Gestalt. Sie hatte das Universum und alles, was darin existierte in ihrer Hand und wir waren gleichzeitig darin und auch wieder nicht und es bereitete mir überhaupt keine Kopfschmerzen, mir das vorzustellen. Wir sind durch eine Art Park gelaufen und sie hat mir erzählt, sie wäre das alles: Die Natur, das Leben – alles was existierte, war sie selbst.

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  3. Die roten Blütenblätter tanzen zu Boden wie ignorierte Wimperverbeugungen und vorsichtige Mundwinkelsicheln. Sie rascheln noch ein wenig, wenn ein Hauch sie neu beleben will und schweigen dann matt… Stille.

    Doch sie werden gesehen, wahrgenommen und manchmal hebt eine weissende Hand ein Blütenblatt auf und legt es in den nächsten Murmelbach. Und dann zieht der Flirt seine Bahn, meistert Stromschnellen und windstille Zwischenseen. Erreicht das große Wortmeer und fließt so ein und das große Liebensleben.

    Ich hinterlege die feinsinnigsten Grüße und beuge weiter meine Wimpern in Ihre Richtung, werter Herr Spengler.
    Alles Liebe, Ihre Käthe Knobloch.

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    • Diesem Bild fehlt sein Gegenstück. Der Baum selbst, von dem die Blätter fielen. Noch voll in seiner Blütenblätterpracht. Ich habe einen Hang zum Vergänglichen, scheint mir. Im Saft des Lebens stehen, das kann ein jeder, oder ein jedes Ding. Ein Blatt in den Lebensfluss legen, schauen wohin es treibt und ob es ebenso von Zufälligkeiten gelenkt wird wie menschliches Schicksal auch.

      Ihnen alles Erdenkliche zum Wochenende

      Ihr A.S.

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