Lautstumm


Verstummen kommt nach jedem gut  gemeinten Laut. Ein gutes Wort, das sich die bösen Wörter einverleibt. Ein Schrei, der dem Schweigen salutiert. Nach deiner liebsten Überzeugung bin ich ein Bettelmann der guten Worte und der Edelmann der bösen. Wenn wir das Sentiment vermessen, wird es zu Stein, wo davor  ein jubilierendes Versprechen war. Wenn ich Geschenke mache, meiner Art getreu, weil nur durch Schenkung ich zu dir hinüberfließen kann,  so bin ich scheu nach deiner Denkungsart und deines Dankes nicht weiter wert. Wenn mein Mut, der in Verzweiflung sich verpuppt,  zu deiner Tür sich aufmacht, an einem feierlichen Tag, so wimmelt es von Ungetier im Grund vor dieser Tür. So ist auf dich zu warten ganz ohne Sinn, wie die Erde leblos ist ohne das Gerüst des Regens.

 

Johann Heinrich Füssli - Das Schweigen

Johann Heinrich Füssli – Das Schweigen

 

Kategorien:Allgemein, Lyrik

7 Kommentare

  1. Lieber Achim, ich schließe mich piri an – so schön….und
    Puh – ist das traurig…
    Mir kamen gleich Bilder/Gedanken/Worte in den Sinn. Sind Deine starken Textbilder. Ich fühle mich nach der Gründelei ein wenig wurmzerfressen aber das hinderte corps teuto fairy (buh!) nicht daran, das hier mal zu kommentieren:
    Eine Wissenschaft für sich ist diese vermaledeite Verzweiflung, die sich mit sich selbst im Zweifel zu entzweien bereit. Zwischen Bettelmann und Edelmann gehen zwischen Vermögen und Unvermögen ganze Völker spazieren und manchmal sind sie doch beides in eins zurzeit und zugleich und das Arme ruht zufrieden im reich.
    Was sind gut gemeinte Worte? Was ist gut gemeint? Was ist -gut? Wer wartet erwartet sehnsüchtig Licht. Es strahlt aus alltiefsten Tiefen herauf, doch die erkennt man im Hellen nicht.
    Und doch, will man lieber nicht so viel über Ursprünge wissen. Ohnesorg eignet sich bestens als Ruhekissen und die Welt bemalt mit Regenstrukturen das Fensterglas es rinnt einwärts Stunde um Stunde tropft die Zeit und besinnt.

    —-

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    • Dem Autor geht es gut. Der Autor hat keine persönlich erlebten Gedanken in diese Sätze gepackt 🙂 Das lyrische Ich und das lyrische Du, du weißt schon 🙂 Nach der guten Tat/den guten Worten, gibt es böse Taten/böse Worte. Das ist einerseits eine Binse, ist aber nichtdestotrotz immer wieder frappierend und gar dramatisch, wenn man sich an diesen Wechsel nicht gewöhnen kann. Die Zeilen sind durchzogen von Widerpart-Figuren. Ich und Du. Gut und böse. Bettelmann und Edelmann. Aber der Sinn dieser Sätze lag für mich in der Schilderung einer verunmöglichten Beziehung durch eher unaufgeregtes, sachlich-konstatierendes Erzählen.

      Liebe Grüße

      Achim

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      • Ojemine….Achim, natürlich wahrt mein Gedichtchen den erforderlichen abstrakten Abstand zwischen lyrischen Ichs und Autoren aber sowas von! Aus dem Grund habe ich es eher kompensatorisch angehängselt. Diese Binse kenne ich nicht, von wegen das Gute folgt dem Bösen auf der Schliche, nee umgekehrt, ach auch egal – es gibt eben das eine nicht ohne das andere und ja, das kann leider so dramatisch sein. Widerpart-Figuren bergen ein hohes Spannungspotential – das ist anstrengend, wenn die Bandbreite der Ambivalenzen groß genug ist und wenn ich anfange zu konstatieren, verstecke ich mich gerne hinter dem breiten Rücken der Wissenschaft, das stelle ich gerade nebenbei so fest, hilft mir aber jetzt irgendwie hier auch nicht mehr weiter. Mein lyrisches Ich macht sowieso immer was es will, es geht aber gerne auf Entdeckungstouren und lässt sich bildlich, musikalisch oder textlich befeuern. Also danke mal.

        So long und freitägliche Grüße von der Fee

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  2. Schön aber irgendwie auch traurig…oder traurig aber irgendwie auch schön! Erinnert mich an ein Bild, welches ich in meiner Malgruppe gepinselt habe.

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