Advertisements

Notate 18 – Ostern- Nachklang


Joseph Mallord William Turner (1789-1862) - View in Devonshire

Joseph Mallord William Turner (1789-1862) – View in Devonshire

 

Die sakrale Chormusik frisst sich durch meine Gewissheiten. Als gäbe es etwas jenseits meiner eingeübten naturalistischen Haltung, nach der alles Natürliche und Geistige sich aus der Natur als ihrem einzigen Weltgrund erklären ließe. Man muss der Kirche lassen, was ihrer ist. Sie versteht es, Seelenqual und Trauer mit grandiosem musikalischen Ausdruck  gegen das erbärmliche Jammern zu setzen.

*

Wer sich verschönern möchte, sollte die Schönheit der Gedanken nutzen. Als einen Spiegel, aus dem sie herausblickt.

*

Immerhin war es eine Frau, En-hedu-anna, eine assyrische Hohepriesterin aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend, die womöglich als erste Person einen literarischen Text mit eigenem Namen signierte. Ich erwähne das, da ich einem System virtueller Waagschalen anhänge, ich mir wünsche, dass sich darin die Schale des Weiblichen immer weiter nach unten senken mag.  Schließlich musste sogar  Gott  am Ende seiner Schöpfungstage einsehen, dass es ohne die Frau auf Erden nicht geht. Würde ich zum Glauben zurückkehren, sollte die Kirche den Jüngerinnen Jesu andauernde liturgische Gerechtigkeit zukommen lassen?  Es war die Botin der Wiederauferstehung, die Apostolin der Apostel, die bis zum bittersten Ende der Passion ausharrte. Das Weite zu suchen scheint mir eine männliche Domäne, auch im Sakralen.

William Turner (1789-1862) - Dawn in the Valleys of Devon, 1832

Joseph Mallord William Turner (1789-1862) – Dawn in the Valleys of Devon, 1832

 

Advertisements
Kategorien:AllgemeinSchlagwörter:, , , , , , , , , , , ,

8 Kommentare

  1. Lieber Achim,
    Es gibt so Bilder, die sind wie ein begehbarer Schrank. Also ein Frauentraum. Du redest über Maria aus Magdala, richtig? Diese geheimnisumwitterte Jüngerin Jesu, die ‚Sünderin‘. Sieben Dämonen musste er ihr erst einmal austreiben, bevor sie brauchbar war. Dummerweise weiß man immer noch nicht, was für welche. Darüber haben die Evangelisten geschwiegen. Die assyrische Geschichte kannte ich noch nicht und dass die erste Literatin eine Frau gewesen sein soll, gefällt meinem koketten Ego dass sich der arme Herr Schopenhauer über so viel offen zur Ansicht ausgepolsterte Weiblichkeit höchlichst empört wäre und mich aber zacki an den Herd zu Keks, Kinder und Küche komplimentieren würde. Das alles liest sich wie ein Wunsch, vor allem am Ende, ein schöner. Den Teile ich mit Dir. Ich lese gerade fantastische Frauen, Lucia Berlin, Elfriede Jelinek und so…
    Und…fantastische Männer natürlich auch…denn ich bin heil- und rettungslos dem Charme des César Aira erlegen…und Paul Watzlawick. Ah- ein gutes Gleichgewicht schwebt nun und hält sich in der Waage. So mag ich das am liebsten. Fein, dass ich mal wieder etwas von Dir lese. Schöne Grüße von der Fee

    Gefällt mir

    • Liebe Fee,

      begehbare Schränke, das ist eine Analogie, die ich gerne auf mir sitzen lasse 🙂 Ostern genutzt, um meine permanente Beschäftigung mit Glaubensfragen als Atheist in eine Richtung zu lenken, um mehr Licht auf die Jüngerinnen Jesu` zu werfen. Gelungen ist es mir nicht recht, ich muß tiefer graben. Ich weiß nicht, ob En-hedu-anna die erste Literatin war, aber die erste uns bekannte, die ihre Schrift mit eigenem Namen signierte. Du hast natürlich Recht: Schopenhauers Misogynie hätte gewünscht, dass du deine soziale und familiäre Rolle am Herd treulich und brav ausübst. Ganz sicher nicht tröstlich zu wissen, dass er als Misantroph, wovon die Misogynie eine Unterart darstellen soll, berüchtigt war.

      Gleichwohl, liebe Grüße aus dem zu warmen Freiburg

      Achim

      Gefällt 1 Person

      • …ist es bei Euch in Freiburg auch plötzlich und auf einmal so warm wie sonst im Sommer? Ich bin übrigens auf ähnlichen Wegen unterwegs und suche in der Historie nach starken Frauen, die die Rollenverhältnisse ihrer Zeit zu überwinden schafften und sich Bildung erwarben. Ich will wissen wie dieser alte Geschlechterkrieg, der schon so lange währt, zustande kommen konnte. Um dem entgegen schreiben zu können, muss ich in der Theologie, der Historie, eigentlich auf allen Ebenen nachforschen. Darum Danke für Dein Wissen! Ich fand das was Du schriebst, sehr spannend. Leider fehlen mir dann manchmal die richtigen Worte und mir treiben seltsame Assoziationen in den Kopf wie dieses Bild vom begehbaren Schrank mit Beleuchtung. Ein ordentlicher Traumort, der mich immer noch genauso fasziniert wie so ein Kleinstauraumwunder
        Stephen Hawking war auch Atheist und ich bin eine Fee und muss deshalb davon überzeugt sein, dass es Magie gibt. Allerdings gehe ich natürlich, spielerisch und locker damit um. Wie eine Fee eben, eine lernfreudige, die gut versteht, warum manche Menschen Atheisten sind.
        Ich wünsche Dir eine pudelvergnügte Woche (nicht zu warm)🔆:o)

        Gefällt mir

        • Temperaturen, wie sie bei einem gemäßigten Sommer in Südbaden und Oberrhein herrschen. Ich sage „gemäßigt“, weil unsere Sommer in Temperaturdingen inzwischen über die Stränge schlagen, und ich mein Augenmerk sehnsüchtig auf den Norden richte. In England oder Irland wäre ich dann gerne länger unterwegs, als es die Urlaubszeiten hergeben.
          Meine bescheidenen Gedanken zum Geschlechterkrieg. Ich glaube, dass es ihn nicht gibt. Wenn ich ihn abrüste zum Geschlechterkampf, bin ich wohl näher an der Realität. Ein Kampf, immer noch mit ungleichen Waffen geführt, weil das Spinnennetz des Patriarchats sich immer noch klebrig erstreckt über alle Anstrengungen der Frauen nach umfassender Gleichheit und gleichzeitiger Differenz zum anderen Geschlecht. Wenn es Krieg gäbe, lägen Frauen und Männer in ihren Schützengräben.
          Weiters glaube ich an deine Wortfindungspotentiale. Ich glaube nicht, dass dir die Worte einmal fehlen sollten, egal bei welchem Anlass. Das ist zumindest mein Eindruck aus all dem, was ich bislang von dir lesen durfte. Das Kleinstauraumwunder assoziiere ich einmal mit den sogenannten „tiny houses“, in die ich mich verliebt habe und gerne in einem solchen leben würde.
          Hier ende ich auch, weil ich denke, dass auch Feen eine Grenze haben was ihre Aufnahmefähigkeit angeht.
          Auch dir eine weitere schöne Woche.

          Einen lieben Gruß in den Norden

          Achim

          Gefällt mir

  2. Und es war eine Frau, Eva, die – nach der Bibel – neugierig über sich selbst hinaus sehnte, eine theologische Diskussion mit der Schlange begann und so die Grenzen des Menschen erweiterte. Der Mann Adam, weit davon entfernt, der Hüter von Tradition, Recht und Moral zu sein, folgte seinen Instinkten und Trieben: der Frau zu folgen und die Frucht zu essen.
    Von Sünde ist in dieser Geschichte original nichts zu lesen. Dieses Wort kommt nur in der von Theologen erdachten Überschrift vor, ansonsten erst in der Geschichte vom Brudermord, Kain und Abel.

    Gefällt 1 Person

  3. Ab jetzt sage ich nur noch ‚Cocacola‘ zur Sünde oder ihrem Fall. Das könnte ziemlich lustig werden. Adam, Eva und die Cocacola. Klingt cool…☺️

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: