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Dublin – Attunement


Anna Livia Monument Dublin – Picture by Achim Spengler

 Anna Livia Plurabelle

Obdach vor dem Licht, der eingetrübten Hege des Himmels.
Herunter, fallwärts, die Schläge der Möwen
(graben Fangzähne ins fahle Gewitter,
in die Bordüren des Horizonts).
Heute, der erübrigte Blick hinauf in die Nacht.
Männer, mit lässigem Schritt, Pose und Grandezza der Gosse.
Der Wattebauch der Cirri trägt keinen Laut.

Bist Jedefrau, Cannans Tochter, Abhainn Life,
zur Ebene von Kildare, Ganges der nördlichen Ödnis,
zarte Liebkosung, Tagträumers Weib.

Als er dich schrieb, ins grüne Gesicht der Insel,
war er nur ein durchscheinendes Blatt entfernt vom Wahnsinn.
Du bist immer Narbe von Atha Cliath,
Marketenderin im Knotenkreuz der Stadt,
nicht fassbar auf den Spitzen der weissen Schlieren,
über dem schwarzen Trank, dem schwarzen Teich.

(by Achim Spengler, 2017)

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Kategorien:Allgemein, Reisen, ReisetagebuchSchlagwörter:, , , ,

14 Kommentare

  1. Anna Livia Plurabelle … die sich über dem Wasser hält, die Erde und Wasser ist, die All-Frau, alles findet sich in ihr wieder, vergeht und wird zu einem Neu – All-Eins …
    nein, ich kenne sie nicht, ich erahne sie nur und ich habe noch immer nicht Finnegans Wake gelesen…
    herzliche Grüße, wo auch immer du gerade bist
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  2. Au weia, James Joyce…
    Lauter Zehndonnerdinger fabrizierte er in allen Sprachen. Ich muss wieder an ihn ran. Könnte man ihn aufwecken indem man ein Lied singt und eine Pulle Whiskey (Single Malt, der Tod ist zu groß für Verschnittenes, auf seinem Grab zerschmettern, würde er ja vielleicht wieder legebendig…?)Er schreibt genial verrückt, doch bei Ulysses knickte ich ein und winselte um Geduld mit einer literarischen Fruchtfliege wie mir.
    Diese Statue ist ja einfach umwerfend und der alte Name Dublins viel schöner als der neue. In Dublin hätte ich fast mal gearbeitet, stell Dir vor. Meine Eltern redeten mir das aus. Ich war jung und zu ängstlich dämlich. Sonst wäre ich jetzt eine Wahl-Irin…😉

    Jetzt lese ich diese magischen Worte nochmal.
    Schau Bilder und denke über Irland mit einer in die Jahre gekommenen Fee mehr nach. Feine Flause…
    Herzliche Grüße und ganz viel Spaß in good old Dublin wünscht die Fee und sendet ein 🍀✨

    Gefällt 1 Person

    • Finnegans Wake lese ich in der Übersetzung von Hans Wollschläger, vor allem das erste Kapitel, Anna Livia Plurabelle, habe ich ganz gelesen. Den ganzen Rest nur in mäandernden Auszügen. Joyce mit Whiskey wieder aufzuwecken, dazu müsstest du dich nach Zürich begeben, dort liegt er begraben. Die Schweizer haben es nicht so mit Whiskey, oder? Hättest du mal mehr Widerstand den Eltern gegenüber aufgebracht. Du könntest mir günstig Kost und Logis in Irland geben, auf meinen Visiten dort 🙂

      Liebe Grüsse, wieder aus Freiburg

      Achim

      Gefällt 1 Person

      • Guten Morgen, lieber Achim,
        Das könnte der Anfang einer Geschichte von Mark Twain oder so jemandem sein: Zwei vom Leben desillusionierte Freunde pilgern zum Fluntern-Friedhof im Kreis 7 nach Zürich zum Grab von James Joyce, bewaffnet mit einer Flasche feinstem Malt-Whisky für James‘ Joyces Geist und einer einem Polizisten bei einer Demonstration geklauten Wumme weil sie wegen des Diebstahls gejagt werden und außerdem kreuz unglücklich von der Liebe sind. Sie wollen russisches Roulette spielen und um Joyce zu huldigen zerschmettern sie die Pulle auf des doten Mann Kiste und dann…geschieht Unglaubliches…..denn sie finden einen Schatz….usw. usfort…

        Ich habe mich oft gefragt, was aus mir geworden wäre, wenn ich mich durchgesetzt hätte, denn meine Eltern jagten mir eine Höllenangst ein vor irischen erzkatholischen Suffköppen, die jungen berufsehrgeizigen Mädchen auflauern um sie einzufangen und in einem Eheverlies zu verschleißen, das so schwarz ist wie ein irisches Torfmoor im Nebel. Sie setzten auf meine wuchernde Phantasie und diese unterstützte meine Erzeuger auf geradezu perfide Weise. Heute weiß ich allerdings, dass die Phantasie gar nicht groß genug sein kann, das Leben überragt sie immer wieder um Längen.

        Es gibt diese Entscheidungen im Leben, die Du nicht rückgängig machen kannst. Das nagende waswärewenn? wird aber ruhiger, wenn man den Traum nicht begräbt, sondern wie einen frisch aus dem Nest gefallenen flugfähigen Vogel in der hohlen Hand bewahrt. Nirgendwo ist Fliegenlernen am sichersten, lernte ich als ein Kind war und setzte den Minispatz so in eine Hecke, dass er sicher vor der Katze und den Eichhörnern war, doch seine Eltern ihn noch finden konnten, was sie auch taten. Er brauchte dann noch drei Stunden, die ich lesend auf der Bank mit Enid Blyton in der „Burg der Abenteuer“ verbrachte bis er es in den ersten höheren Baum schaffte und er stürzte bei den Flugversuchen etliche Male ab oder krachte in die Hecke. Seine Eltern blieben ruhig im Hintergrund und beobachteten die Umgebung. Der Rest ihrer Brut turnte schon in den Kronen der Bäume herum. Als wir alle (Menschen und Spatzen) bereits die Köpfe schüttelten und ich befürchtete, meinen Eltern einen neuen piepsenden Kandidaten zum Aufpäppeln anschleppen zu müssen, schaffte er seinen Aufschwung und dann den zweiten, es hatte etwas Verzweifeltes wie er sich durch den Widerstand der Luft kämpfte. Seine Geschwister hatten ihm die Bauch- und auch ein paar der neu gewachsenen Schwungfedern ausgerissen, an diesen Stellen war er kahl und die Haut schimmerte nackt durch. Noch zwei Monate später, wenn ich die Lesebank aufsuchte, erkannte ich den Kümmerling sofort an der etwas ungeschickteren Flughaltung im Vergleich zu den pfeilschnellen Geschwistern, doch seine Federn waren nachgewachsen und er war stark genug geworden um für sich sorgen zu können.
        Kein Traum, eine der vielen vielen Erinnerungen und keine Ahnung, wo die jetzt wieder herkam. Ist eine schöne. Den Spatz nenne ich Irland.

        Liebe Shamrock-Grüße und gutes Wiederankommen in unserem ebenfalls grünstgrünem Land aus dem frühnebeligen Teuto,

        Stefanie

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        • Du kannst ja mal ein Drehbuch Setting für uns schustern. Wir machen dann ein kleines, feines Shooting über unseren Besuch am Grab, incl. Polizeiverfolgung in Bonnie & Clyde Manier. Aber Single Malt Whiskey muss verkostet werden, irish natürlich, der originären Traditionen wegen. Schatzfindung oder noch besser, die Befreiung Joycens aus seinem Seelenwandererstatus in seinen ureigenen lebendigen Status. Dann klönen wir ein wenig mit ihm, wie es so war, mit seinem Land, seiner Stadt, die er hinter sich ließ und ob sie ihm wirklich so beengend die Kehle und die Schreibfeder abdrückte. Wie viel es an Nora, seiner zukünftigen lag, ob sie ihm das Exil noch schmackhafter machte als er es eh schon für gut goutierte. Fragen über Fragen, mäandernd halt. Dich mir in Irland vorzustellen fällt mir nicht schwer, es könnte gerade auch heute eine passende Location für dich sein. Vielleicht springst du ja noch mal über eigene Schatten, die das vorrückende Alter auf uns wirft. Es ist ja nie zu spät, bis es tatsächlich unumkehrbar zu spät ist. Der Tod ist der einzige schwergeschwichtige Entscheidungsverhinderer.

          Beste Grüße in den Teutoberger Wald hinauf

          Achim

          Gefällt 1 Person

          • Was für eine Idee! Ein Road-Movie a la Quentin Tarantino, nur unblutiger fände ich gut und dafür vielleicht lieber lustiger, denn unsere Welt ist doch schon so sehr am bluten….
            Was Nora Barnacle anbelangt, steht diese Liebe außer Zweifel, oder? Sie hat ihn beflügelt, sie war doch seine Muse so wie Gala für den Dali und am Ende, ging sie doch mit ihm nach Italien obwohl sie Irland liebte. Mein schwarzer Kater hieß Stanislaus wie James Bruder. Er war wild, eingebildet und kohlpechrabenschwarz. Am liebsten schlief er auf den Pedalen meiner Orgel im Zimmer. Mich mir in Irland vorzustellen ist ungefähr so als würde man eine Eule nach Athen schleppen. Als junges Mädchen schmetterte ich die Dubliners und hatte eine Zeitlang einen irischen und einen schottischen Freund, Scott und Brent. Die beiden zankten dauernd nur herum (Schotten und Iren eben…) doch sie haben mich für immer infiziert mit d dieser Sprache, in der ich bald sogar begann zu träumen und meine Eltern verrückt machte weil ich nur noch Englisch reden wollte. Ich springe seit ein paar Jahren dauernd über meinen Schatten. Der wird immer länger und ich immer älter, was die Sache erheblich erschwert. Doch noch kann ich springen und solange ich springen kann kann ich auch noch träumen und solange ich träume, lebe ich dafür und hm…vielleicht magst Du doch mal über eine Erzählung a la „on the road“ und einen Clyde-Part nachdenken. Sie müssten natürlich deutsche Namen tragen. Zum Beispiel Sonja und Hein. Es hat was…die Idee wäre toll…nicht nur als Drehbuch, auch als eine Erzählung. Und der Held wäre natürlich James Joyce und Nun’s Island yo 25 für fast eine Million Dollar die Pulle, Abfüllung 18…und…. Die Erzählung wäre voll von seinem irischen Geist und Esprit, gewürzt vielleicht mit kleinen Anekdoten über ihn und die beiden Prots passten in seine Romane als hätte er sie selbst beschrieben.

            Mit derlei Geträume, zäume ich jetzt die Realität auf und werkele mich durch den Montag, wünsche dir einen guten!

            -Stefanie

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      • P.S. Danke für den Wollschläger-Tipp! Das ist ein Anfang. Mäandern…ja, wollte Joyce das nicht auch irgendwie…ich weiß nicht, mir drängte es sich auf, es war so viel und überall strotzte das Wissen heraus und ich dachte, wie viel ich wissen müsste, gelesen haben müsste damit sich mir das erschließt, doch seine Melodien können betören ohne zu verstehen, er ist schon sehr besonders groß…Die Schwyzer trinken bestimmt gern Obstler, doch jedes Land hat seine hochprozentigen Kiemenputzer und sollte es mich nach Irland verschlagen, wärest Du herzlich eingeladen mein Gast zu sein. Als Logis wünschte ich mir dann, Joyce vorgelesen zu bekommen. Wie wäre das? Ist das günstig….? Sinnierender Nachsatz.

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  3. An James Joyce traue ich mich nicht heran. Aber ich freue mich schon, wenn Du mir von Deinem Dublin-Revival erzählst. Ich bin sehr gespannt.
    By the way….Nr. 11 ist so gut wie geschafft!!
    Liebe Grüße Astrid

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