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Notate 14 – Schwarze Schwäne

Vielleicht klingen die Melodien des Untergangs besonders melancholisch, weil sie mich gefangen halten wie Sirenen, ohne die gebundenen Augen jedoch oder gar die verstopften Ohren. Die Bewegung der Resignation, noch bevor die Anstrengungen angedacht worden sind, derer es bedarf etwas Kleines zu tun, wie, sagen wir, den Planeten zu retten. Es wird niemand mehr da sein, der in aufopferungsvoller Kameraderie das Schiff um die Klippen lenkt.  Das, so geschrieben, ist melancholisch. Mit mir ist kein Staat zu machen, keine Republik, kein weltweites Regime gegen den Verlust unserer Welt. Zu wenig getan. Vielleicht ist Melancholie ein Kleid, in dem ich mich gerne zeige, ein Erkennungsmerkmal der Traurigkeit, das Gewand des stoischen Nichtstuns. Diese von Schelling so bezeichnete allem endlichen Leben anklebende Traurigkeit, die aber nie zur Wirklichkeit kommt, sondern nur zur ewigen Freude der Überwindung dient.

*

Am besten lässt sich von dem reden, von dem man nichts oder nur wenig weiß. Von Gerüchten, von Verschwörungen, von vermuteter Wirklichkeit. Wir betrachten nur das, was unser Wissen oder Halbwissen oder Nichtwissen bestätigt. Wir betrachten nur das, was sich vorhersehbar erweist, sich wiederholt, weil es unser Wissen bekräftigt. Wir reihen Anekdoten aneinander, weil sie zu einer Geschichte passen, weil sie unsere Geschichte sind. Wer nach Bestätigungen sucht, wird immer welche finden, um sich selbst zu täuschen. Zur Selbsttäuschung eignen sich Mitgliedschaften in Filterblasen und Peergroups besonders. Die Geschichte eines unvorhersehbaren Wissens, eines Sinne sprengenden Wissens, diese Geschichte wird von Katastrophen geschrieben, von Ereignissen, mit denen wir nicht gerechnet haben, von Schwarzen Schwänen, über die Nassim Nicholas Taleb in seinem lesenswerten Buch Der schwarze Schwan schreibt. Vielleicht waren die Vorkommnisse beim G20 Gipfel in Hamburg ein solcher Schwarzer Schwan,  den niemand auf der Rechnung hatte.

8 Kommentare

  1. „Am besten lässt sich von dem reden, von dem man nichts oder nur wenig weiß. “

    Etwas, das ich fürchte wie die Peinlichnot das Klärwasser: von etwas reden zu müssen, weil das grad wichtig ist und keine Ahnung davon zu haben. Ich finde es schrecklich und vor allem das geradezu gigantische Ausmaß von Unwissenheit, das ich so mit mir herumschleppe wenn ich sehe, was andere so …aber egal, es geht doch nichts über eine solide Halbbildung, lückt das Zuckmückchen.

    Ich lese mich gerade in Herrn Nassim Nicholas Taleb’s Schwarzer-Schwan-Theorie ein und stieß in diesem Zusammenhang auch auf das schöne Wort Serendipity, das klingt irgendwie hübsch nach glücklichen Zufällen.
    Ich wünschte, dass es in Hamburg nur einzelner einmaliger schwarzer Schwan ohne Familienangehörige gewesen sein könnte..denn er hatte eine Stink-Laune…
    Liebe Grüße von Stefanie

    • Wir sind doch immer im Stadium eines Halbwissens gefangen. Anders ist es auch nicht denkbar, und mit denkbar meine ich wirklich „denkbar“ und nicht „unmöglich“. Man weiß nämlich nicht, was es bedeuten würde, im Besitz eines vollständigen Wissens in Teilbereichen unserer Wissensbestände zu sein.

      • Kann wohl ein Botaniker, der alle Blumennamen auf lateinisch genau kennt noch barfuß über eine Blumenwiese gehen, dabei sehen und genießen dass die Blumen einfach nur da sind ohne unweigerlich auch an ihre bekannten Namen denken..zu müssen…?

      • Weil das Große und das Ganze uns ja doch wieder einholt ist das Prinzip serendipity nur vorgeschoben. „Am besten lässt sich von dem reden, von dem man nichts oder nur wenig weiß. Von Gerüchten, von Verschwörungen, von vermuteter Wirklichkeit. “ Natürlich ist Geschichte nicht 1 zu 1 wiederholbar. Aber: Fast alle profitieren davon, wenn weg gesehen wird. Es brodelt zwar, aber die Konventionen sind zu stark.
        Es ist das wegsehen was mich zu dem Kommentar veranlasst hat.

        Liebe Grüße auch an Dich, mick.

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