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Kairos, Chronos, Kindheit – Notate 13


In einem Sinne wäre ich gerne geneigt an etwas zu glauben, was als Urgrund eines gelingenden Lebens herhalten könnte. Den Glauben an den Kairos hätte ich gerne. Er ist der religiös-philosophische Begriff für den günstigsten Zeitpunkt für ein Geschehen, ein Ereignis, eine Tat usw. In der griechischen Mythologie wurde er als Gottheit begriffen und in bildende Kunst gemeißelt.  An den Kairos denke ich aber vor allem, wenn es nicht darum geht zu bewerten, ob es einen günstigsten Zeitpunkt für Handlungen gibt. Vor allem denke ich an ihn, wenn es unmissverständlich ist, dass notwendige Handlungen  ganz und gar ausbleiben. Ich würde z.B. gerne daran glauben, dass uns noch Zeit bleibt, unseren Planeten zu retten, umweltpolitisch, moralisch, was auch immer. Der, sagen wir, Gegenspieler des Kairos in der Mythologie der Griechen ist der Chronos, der Gott der Zeit. Wir werden uns eher mit ihm auseinanderzusetzen haben, weil ein günstigster Zeitpunkt und eine gute Tat uns nicht retten werden.

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Lesen verlängert das Leben, oder besser: Die lang-weilig genutzten Phasen des Lebens. Lange-Weile als Bereicherung. Wer hätte das gedacht.

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Die endlos langen Sommertage. Das Kinderspiel, das die Zeit aufhebt. Die Erfindung der Dauer und die Wiederholung der Dauer. Der Sommertage waren viele und in der erbarmungslosen, rituellen Mechanik der Spiellust, im hastenden Vergnügen, in der Liebe zur Gemeinschaft und der vehementen Abneigung gegen alle elterlichen Verrichtungen gab es Dauer über den Geschmack eines Sommertags hinaus. Dauer schlich sich in die kindlichen Träume und mischte sich in die großen Antriebskräfte der Vorfreude (auf den nächsten Sommertag). Dauer bekam ein tragfähiges Gerüst und den angenehmen Duft von Illusion, die wir hätten Ewigkeit nennen können.

 

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2 Kommentare

  1. Wie schön du diese endlosen Sommer beschreibst, Achim. So liegt es vielleicht doch nicht (nur) daran, dass die Sonne in der (Körper-)Erinnerung jeden Tag aufs Neue schien, Woche um Woche.

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