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Ich bin ADAM – Eine Farce


Der Gedanke, besser, die Vermutung, noch besser, der konkrete Verdacht lag mir auf der Zunge. Meiner Traumzunge, um genau zu sein, weil ebenjener Verdacht durch ein Traumbild in die Welt meines wachen Bewusstseins entlassen wurde. Stellen wir uns als  Inhalt dieses Traumbildes unter anderem JUSTITIA vor. Die Blinde und insofern Gerechte, die Jedem das Seine zukommen lässt. Die Dame mit der Waage und ihren Waagschalen und dem Schwert, Sie wissen schon, mit denen sie Recht misst oder ausgleichende Gerechtigkeit durchsetzt.  Stellen Sie sich weiter vor, dass sich in der einen Waagschale eine schneeweiße  Linie reinsten, nicht gestreckten, nicht verschnittenen Testosterons  befindet. Die andere Schale trägt einen fetten Klumpen Angst, in Form, Farbe und Konsistenz vergleichbar mit einem Brocken Braunkohle aus dem rheinischen Braunkohlerevier.

Warum gerade aus diesem Revier, wo es doch deren vier gibt, fragen Sie? Sie sind mir ein pedantisches Früchtchen, Himmel noch eins. Der Traum, Verehrtester, ist, wie auch die Literatur, eben nicht der Königsweg zum Unterbewußten. Mindestens der Traum IST das Unterbewußte. Vater, Mutter und Kind von sich selbst, peng. Aber das verstehen Sie nicht, weil es in Ihren Träumen vermutlich nur um gewisse Feuchtigkeiten geht, die Sie für die erfüllte Wahrheit halten. Da wollen Sie mich auf Fakten festlegen, mit geologischen Spitzfindigkeiten nerven, auf den logischen Empirismus irgendwelcher durchgeknallter Wiener Positivisten hinweisen, die sich mal besser hätten fragen sollen, warum sie in erotischen Träumen nie zum Schuß gekommen sind.  Sie Schmock. Wahrscheinlich wollen Sie mich jetzt auch noch darauf festnageln, wie es denn möglich ist, biochemische Substanzen und horrible Manifestationen der Psyche vergleichend messbar zu machen.
Machen Sie sich da mal keine Gedanken. Die passenden Aggregatzustände, die meine Justitia den beiden Elementen oktroyiert hat, sorgen schon für derartige Messbarkeit. Traum, capice? Tutto è possibile. Kaikki on mahdollista. Is rud ar bith is féidir. Aus der Nummer hilft Ihnen auch der koksende Oberguru der Psychoanalyse nicht raus.


Gut nun, wo war ich? Richtig, der  Verdacht. Sie müssen sich jetzt einmal JUSTITIA etwas schlagseitig in ihrer linken Körperhälfte vors Auge führen. Geschuldet ist ihre Körperspannung der Tatsache, dass meine Angst um Tonnen schwerer wiegt als mein Testosteron, um Tonnen, verstehen Sie, diesen Fakt können Sie als vernachlässigbare Größe überhaupt nicht aus der Gleichung herausrechnen. Tun Sie nicht so, als hätten Sie von Gleichungen mehr gesehen als der Hund von der Wurst, als sie um die Ecke verschwand. Welche Gleichung? Ist doch egal.  Nehmen Sie meinetwegen folgende: A = 1/T * c zum Quadrat. A wie Angst, T wie Testosteron und C ist die Lichtgeschwindigkeit, comprende? Wie Justitia das also stemmen konnte, das Gewicht meiner Angst, ich habe keine Ahnung. Toughes Weib, das. Auch wohlgestaltig, wenn ich es mir recht überlege, kurvig und wohlproportioniert. Brüste der etwas erleseneren Art.  Hallo? Interessiert Sie das überhaupt noch? Bei Ihren bescheuerten Zwischenrufen und Dünkeln und Schüssen aus der rationalistischen Hüfte kommen mir so langsam Zweifel.

Mein Verdacht behauptet nämlich,  dass meine Angst zunimmt, je weniger Testosteron in meinen Tentikeln oder wo immer produziert wird. Und jetzt sind Sie dran. Klar, dass Sie mich jetzt löchern wollen, um welche Angst es sich dabei genau handelt. Existentielle Angst? Periphere Angst (meine Wortschöpfung, sic!)? Partielle Angst (nicht zu verwechseln mit der Angst vor Parzellen)? Kastrationsangst? Riemanns Ängste vor der Selbsthingabe, vor dem Ich-Verlust, vor der Selbstwerdung, vor der Ungeborgenheit? Bla bla bla. Hören Sie auf. Bei dieser Aufzählung von Angstformen wird mir übel. Ich behaupte mal, es handelt sich bei meiner Art von Angst nicht um die, die Sie haben müssten, wenn sie nicht flugs aufhören mit diesem Herunterbeten von Ängsten. Eins aufs Maul und ab der Gaul, vous me comprenez? Es geht um MEINE Angst, verstehen Sie, MEINE Angst. Diese Unterform aller Angstformen geht genau mit diesem Begriff, MEINE Angst, patentiert quasi, in die große klinische Muttergeschichte der Angst ein. Da fällt mir gerade ein, Riemann, so hieß ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, das nur zur lexikalischen Vollständigkeit der Geschichte.  Ich kann nicht sagen, ob dieser Herr vielleicht zu meinen Angststörungen beigetragen hat oder noch hätte beitragen können. Vermutlich ja.

MEINE Angst also, sie steigt, je weniger Testosteron sich dort unten befindet, wo zumindest ein erklecklicher Teil meines Orchesters die Musik gemacht hat. Begreifen Sie das, sie Arschgesicht des Malewitsch? Jetzt muss es auch Ihnen klar sein, warum Ich die ganze Musik wiederhaben will, jawohl, ich erlaube mir das zu sagen, nicht nur Teile der großen Partitur, die volle Besetzung will ich, den vollen Kalender der Aufführungen, das volle Programm möchte ich wiederhaben, angstmindernd, auf Rezept, meinetwegen. Pauken und Trompeten, Klarinette und Triangel und wenigstens ein Becken, ja, es darf ein grosses Becken sein mit grossen Tschinellen. Und zweimal sag ich ja zu einem Gastauftritt einer adretten Pianistin ab und an, mit Martha Argerich – Haar und Netrebko – Busen. Und Dirigenten will ich haben,  sehr weiblicher Provenienz, wenn es einzurichten geht, es zur Verrichtung schreitet, wenn Sie wissen, was ich meine.
Weniger Antrieb, dafür mehr Angst. Das ist wohl die beschissenste  Gleichung seit den mathematischen Anstrengungen auf dem Weg  zur GRAND UNIFIED THEORY, oder seit Adam Gedenken. Aber was verstehen Sie schon davon, sie Jungspund, Lackl, damischer.

ADAM. PADAM. CLIMACTERIUM VIRILE. OLDER GROWING MAN AND AGING SYNDROM. TMS. Wortklänge wie Paukenschläge, wie der Posaunenschall vor der Stadt Jericho und ihrem Fall. Die Donnerschläge der  Dicken Bertha. Wachklänge. Zähl bis drei und du bist frei. Wachsein, das sage ich Ihnen, solange ich meine Tassen noch im Tresor habe, Wachsein ist der schlimmst-mögliche Aggregatzustand des sexuell frustrierten alternden Mannes. Ich bin ADAM. Wenn mir das einer früher gesagt hätte, hätte ich wenigstens JUSTITIA noch flachgelegt, Sie wissen schon, Träume und Schäume. Die ANDROPAUSE kann mich mal.


Hier der Vollständigkeit halber das Arschgesicht des Malewitsch


Kleine, erläuternde Liste wissenschaftlicher Abkürzungen und Begriffe


ADAM (Androgen Decline in the Aging Male),

PADAM (Partial Androgen Decline in the Aging Male)

TMS (Testosteron Mangel Syndrom).

(Über den Rest macht euch gefällig selber schlau 🙂

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Kategorien:Allgemein

13 Kommentare

  1. Wird gemacht.

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  2. Angst und Zorn liegen nah beieinander…
    herzlichste Morgengrüsse an dich
    Ulli

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    • Das Testosteron steht ja gemeinhin unter der Anklage des aggressiven Verhaltens. Dazu gibt es durchaus widersprüchliche Untersuchungen, je nachdem, wo der Testosteronspiegel gemessen wird, ob im Blut oder im Gehirn. Es ist wohl auch so, dass die Kausalität auch umgekehrt verläuft, sprich, aggressives Verhalten erhöht den Testosteronspiegel, nicht umgekehrt. Fragen über Fragen. In meiner verqueren Geschichte wollte ich u.a. herausstellen, dass Aggression vorhanden ist, sich sogar steigert, obwohl das Testosteron abgenommen hat, ob im Blut oder im Gehirn.

      Liebe Grüße hinauf zum neuen Berg, verbunden mit der Hoffnung, dass du dich dort schnell einleben kannst.

      Achim

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      • „Unter jedem Dach wohnt (auch) ein Ach …“
        soviel zum Persönlichen, das changiert zwischen „sehr fein und sehr wohl fühlen“ und … achtsam sein und bleiben und wachsam sein, bleiben und sein, wie ich eben so bin, manchmal durchaus auch mit Testeteron im Blut, denn das ist mir als Frau ja dann auch nicht vollends unbekannt, auch wenn ich keinen Bartwuchs habe 😉
        Trotzdem staune ich immer wieder, wenn ich „Männergschichten“ lese, ja, immer noch…
        herzliche Grüsse sende ich dir zum späten Abend
        Ulli

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        • Was erstaunt dich an Männergeschichten? Ich glaube nicht, dass es so erstaunlich ist, dass die Angst (diffus, aber auch konkret) im Alter, meinetwegen im erlebten Alter eines Mannes, zunimmt. Hormonen zuzuschreiben oder anderen Ursachen, beispielsweise der objektiv zunehmenden Gewalt. Was dich erstaunt, vermute ich einmal, dass in dieser fiktiven Schilderung männlicher Nöte, Hormone, Aggression, und der schleichende Abschied des sexuellen Begehrens zum Thema gemacht werden. Natürlich ist diese Zuschreibung verengend. Aber sie ist sicherlich Teil des grösseren Korpus einer Erlebniswelt.

          Liebe Grüsse hinauf zum neuen Berg

          Achim

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  3. Arme Justitia. Nun ist sie schon blind, muss mit dieser Augenburka herumurteilen. So jemandem willst Du zutrauen, dass sie Angst von Testosteron unterscheiden kann? Adam-Mus, armer Adam. Eine Runde Mitleid. Darf er noch Adam sein? Frag Eva, die weiß inzwischen (immer noch?) alles besser. Justitia hingegen eiert herum mit dem Inhalt von Garzweiler Zwei auf der einen und einem Grashüpfer auf der anderen Seite. Sie zerrt zum Flip rüber aber die Kohle macht es am Ende doch immer, das Rennen um die verdammte Seligkeit. Der Grashüpfer ist scheu und will sich nicht zum Wiegen und Zuleichtbefinden zerteilen lassen, das, obwohl er viel besser zu zerteilen ginge als Kohleklumpen. Wie ginge eine erlesene Busen-Göttin wie Justitia wohl mit etwas sehr Zartem um? Tanzend und leicht wie er selbst, hoffe ich doch. Was sagt überhaupt Aphrodite zu dieser Diskussion? Ah- sie tanzt grade. Padam…padam…padam.
    Liebe Grüße,
    Stefanie

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    • Justitia misst ja nur das, was auf den Schalen liegt, sozusagen in meinem Auftrag. Sie hat da nur die Kausalität zwischen Testosteronspiegel und Angstspiegel mehr oder weniger notariell zu beglaubigen. Jetzt habe ich deine verschlungenen Pfade zwischen Garzweiler Zwo und Grashüpfer erst einmal nachvollziehen müssen. Da bist du ja voll in die griechische Mythologie eingetaucht. Als zu einem Grashüpfer verwandelt fühle ich mich (noch) nicht. Das liegt vielleicht daran, dass ich mit EOS, der Göttin der Morgenröte noch keinerlei Verkehr hatte *hüstel . (Allerdings habe ich einmal eine ganze Reihe EOS-Kameras von Canon besessen). Zu Aphrodite habe ich aktuell keinen Draht. Der Kontakt ist mangels Liebe und Partnerschaft leider unterbrochen, und mit der Dame kommuniziert es sich dann am besten, wenn beides vorhanden ist.

      Liebe Grüße und brich dir nicht die Speichen bei all deiner Rennrad-Fahrerei

      Achim

      Gefällt 1 Person

      • Ja, ich gehe gern verschlungene Pfade, ich weiß. Justitias Busen hast Du immerhin erlesen gewürdigt, sie beglaubigt Dir sofort einen tüchtigen Testosteronschub, notfalls auch notariell. Aphrodite, die sowieso die meiste Zeit verpennt für den Erhalt ihrer Schönheit horcht auf und erwacht: war was?
        EOS spiegelt die Morgenröte sogar dreidimensional und ist stolz, dass ihr Name immerhin eine Kamera und eine Mehlsorte mit einem Sonnenstern verziert. EOS ist so neugierig, dass sie jeden Tag nach dem Rechten sieht. Außerdem könnte ja ein Kur- pardöngchen…Nachtschatten aufkreuzen. Sie ist nicht ganz so verschnarcht wie die schöne Aphrodite, dafür hat sie manchmal Rosahaut und kann Frühnebel gähnen. Kann ja auch nicht jede Göttin. Sie lächelt sonnig. Ach, Eos…
        Zu Aphrodite muss ich Dir noch was sagen: sie ist gar nicht wählerisch. Wird ihr irgendwie immer angehängt seit Troja, doch sie kommt bereitwillig zu jedem der sie anruft und spendet Liebe. Sie spricht mit jedem, der sie fragt. Nur eine Plaudertasche ist sie nicht und sie macht alles immer nur aus Lust. Weswegen sie auch gern lustig ist. Warum steht nirgendwo etwas darüber zu lesen?
        Wegen der ‚Götterwürde‘
        Pfff….so ein Kokolores.
        Danke. Für Deine Gutreisewünsche! Ich kann sie sehr gut brauchen. Raido die Rune der Reiter und das chinesische Schriftzeichen ‚Geist‘ zieren ein Amulett, das mir ein guter Freund schnitzte. Begleitet mich auf jeder Tour und Reise. Gute Wünsche sind stille Beschützer und bleiben sogar dann im Sinn, wenn mal Speichen brechen.

        Einen lieben Gruß,

        Stefanie

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        • Ich würde mich in jede Frau verlieben, die Frühnebel gähnt. Den griechischen Göttinnen, Aphrodite ausgenommen, stehe ich sehr kritisch gegenüber. Auf der Seite der Trojaner zu stehen, war in meiner Jugend prägend dafür, mich immer auf die Seite der vermeintlich Schwächeren zu schlagen. Iphigenies Opferung, damit die Reise nach Troja weitergehen konnte, tat da ein Übriges, der Skrupellosigkeit und Grausamkeit meinen kleinen moralischen Kampf anzusagen. Und dass Artemis Achilles im Kampf gegen Hektor unterstützte, das allerdings liess das Fass meiner Abneigung den imperialistischen Griechen gegenüber überlaufen. Götterwürde hin oder her, die feinen Herren und Damen des Olymps waren ja menschlicher als die Menschen selbst. In der Ilias hasste ich nichts mehr als ihre Wetterwendischkeit.

          Liebe Grüsse

          Achim

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  4. Tja, ich las die Troja~Sage und war stocksauer. Auf jeden einzelnen dieser vernagelten Leute. Als Hector starb, war ich zwei Tage lang nicht ansprechbar. Und dann noch dermaßen würdelos. Iphigenie war ein einziges Drama und Agamemnon bemitleidete ich bevor er mich begann zu nerven mit seinen bescheuerten Moralismen. Ich mochte Odysseus, der ärgerte gleichmäßig alle Götter und hielt sie ordentlich auf Trab indem er sie humorvoll austrickste…
    Außerdem war er der Einzige, der nur zu seiner Penelope zurückwollte und sonst garnix. Er hatte all mein Mitgefühl…
    Dadurch, dass die griechischen Götter so schön herummenscheln, kann man prima erkennen wie und was man auf keinen Fall erleben will. Wer kann Aphrodite schon böse sein?Die will immerfort nur lieb haben und gehabt werden. Ist doch bloß eine Göttin…😎
    Liebe Grüße von Stefanie

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