Notate 4


„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“  Man könnte ergänzen, dass die, welche hatten, sich mit immer weniger zufrieden geben müssen und sich ihre Zukunftsaussichten in Luft auflösen. Ihre Ängste bekommen Zuwachs und der Sündenbockreflex feiert kollektive fröhliche  Urstände. Obiges Zitat aus dem Matthäus-Evangelium machte als Matthäus-Effekt Karriere in der Soziologie und kann als Slogan der Kritik an den Auswüchsen des Neoliberalismus in Wirtschaft und Politik dienen.

*

Depression sei das Sich-Verennen in sich selbst, sagt Byung-Chul-Han. Ein innerer Rumor der Selbstausbeutung und Versuche permanenter Selbstoptimierung.
Davor habe ich zu kapitulieren und zeige mich selbst als höchstgradig depressiv an.

Kategorien:Allgemein

8 Kommentare

  1. Deine Notate, lieber Achim, haben es alle in sich und ich nehme sie mit durch meine Zeit.
    Heute ist es die Frage, ob ich denn nun auch hochgradig depressiv zu nennen wäre oder ob es eben nicht wieder nur eine der vielen Definitionen ist, die ich zu mir nehme oder eben nicht- ein abfüllendes Thema!
    herzliche Abendgrüsse vom alten Berg mit zarter Mondsichel an dich unter selbigem Mond…
    Ulli

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    • Liebe Ulli, du hast zur Zeit viel Anderes zu tun, als dich um diese Notate zu kümmern. Umbruch, Abschied, Neuankunft, das sind die DInge, die dich beschäftigen und das ist schwer genug. Ich wünsche dir auch von hier alles erdenklich Gute in diesem neuen Abschnitt deines Lebens, wenn du ihn als ein solcher siehst.

      Liebe Grüße hinauf zum neuen Berg

      Achim

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      • Herzlichen Dank, lieber Achim, ja, ich sehe mein Jetzt als den Beginn eines neuen Lebensabschnitts-
        alle Freuden und alle Leiden ganz…

        liebe Grüsse vom neuen Berg ins Tal (jetzt näher) an dich
        Ulli

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  2. Depression ist die Schattenseite der Selbstzuwendung. Sie ist ein Diener der Angst. Depression ist das faulste Fleisch der Nacht. In ihrer Zuwendung zu sich selbst, lähmt sie den Willen bis das zum weißen Zwerg geschrumpfte Selbst sich verschlingt und aufgibt.
    Die vom Schmerz- und Warnsignal degenerierte und aufgeblähte Angst ist ein Machtinstrument, das stärker und zerstörerischer ist als alle Waffen.
    Neoliberalismus klingt aber auch hübsch.

    Einen lieben Gruß von Stefanie

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    • Das alles kann Depression sein, was dazu führt, dass dieser Begriff sich selbst auflösen muss, um in der Lage zu sein, etwas festzuschreiben, was dann iaber immer wieder in einem Käfig der Zuschreibung zu leben hat. Gefangen im Begriff. Leben als Gefangener in Begriffen.

      Einen schönen Tag wünsche ich dir

      Achim

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  3. Ich möchte meinem etwas duster klingenden obigen Kommentar (man soll nachts nicht kommentieren weil dann das geheimnisvolle Lürikmonster aktiv wird) relativieren um einen sonnigen Frühlingsgruß zu Dir.
    Was ist das Gegenteil von Depression…ich schwanke noch schwer zwischen Explosion und Entspannung.
    Deine Notate lesen sich wirklich sehr packend.
    Postskriptische Grüße von Stefanie

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    • Ach, Depression ist immer eine Definition der Anderen. Seit Foucault stehe ich diesen Zuschreibungen kritisch gegenüber. Das Gegenteil von Depression, gute Frage. Ich nenne es Leben, zu dem die Depression gehört. Leben als der große Gleichmacher zwischen geistiger Gesundheit und seiner Krankheit.

      Liebe Grüße

      Achim

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      • Depression presst so…Wohin auch immer, bleibt es ein Pressen….
        Du schreibst von einer Auflösung und ein Begriff tut das Gegenteil: er fasst ein. Die Depression zu entzerren und ihr den zeitweisen Schattendruck zuzugestehen zu können ohne darin zu implodieren, erfordert Kraft. Das Leben ist in der Lage alles zu berühren und zu bewegen. Gestern las ich ein gutes Zitat von einer Anita Roddick:
        „Wenn du denkst, dass du zu klein bist um einen Einfluss zu nehmen, versuch mal mit einem Moskito ins Bett zu gehen.“
        So ist es…genau so, sehr treffend gedacht und gesagt.
        Der Weg zur Heilung eines Übels beginnt am dunkelsten Usprung der Tür zu sich selbst. Kandinsky hat mir das mit seinem Gelbrotblaubild erzählt…das diffuse Dunkle passt durch die schmale helle Tür hindurch, wenn es formbar und relativierbar bleibt….
        Liebe Grüße,
        Stefanie

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