Totenmeer


Mahnmal Flüchtlinge Lampedusa

Mahnmal Flüchtlinge Lampedusa

„Es sind noch Lieder zu singen, jenseits der Menschen. “  (Paul Celan)

Das Meer ist die Enge, in die man stirbt. Untiefen, die vom versinkenden Mund  ein ungläubiges Raunen rauben, finalen Zorn, ureigen und satt. Die Stille, die Cellobögen schaffen, wenn sie die Zärtlichkeit des Streiches neu erfinden. Worüber nun ein lustiger Tag am Meer urteilt, henkt und in enger Luft vergeht. Erzähle vom Riss,  der uns spaltet,  vom erbarmungslosen Nichtverständnis, vom regellosen Hass in exekutierten Gesprächen, von westlicher Raffinesse der Raffgier und von der satten Selbstverständlichkeit des Wohlergehens.  Riss, der uns zerissen wähnt, weil der Fremde zur Pietà zwingt, der wir uns nicht fügen. Wir sind das kalte Sentiment. In Erz geschlagen, grausam, ganz aus Glas. Die Via Dolorosa auf feigem Rückzug in ein schattigeres Hinterland. Übers Meer gekommen, fließt euch ein Blick schon von Rauch zu, aus dem man Todesfugen macht.

© Achim Spengler

Kategorien:Allgemein, Gedanken, LyrikSchlagwörter: , ,

5 comments

  1. Ich kann nicht alles greifen, worüber Du hier schreibst. Aber ich kann sagen, dass es sich sehr kraftvoll anfühlt und eine Ästhetik besitzt, die mich berührt.

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  2. Das ist ebenso rücksichtslos wie es die Ohnmacht spiegelt. Tut weh beim Lesen und macht ein schlechtes Gewissen. Und das ist gut so.

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