Letzte Sätze 16 – Emily Brontë – Wuthering Heights


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Mein Heimweg wurde durch einen Abstecher in der Richtung der Kirche verlängert. Als ich neben ihren Mauern stand, sah ich, daß der Verfall während der letzten sieben Monate weiter vorgeschritten war; viele Fenster standen als dunkle Höhlen ohne Scheiben da, die Schiefer auf dem Dach waren hier und da aus ihrer richtigen Reihe gerutscht, und in den kommenden Herbststürmen würden sie vollends herabgerissen werden.
Ich hielt Ausschau nach den drei Grabsteinen am Abhang neben dem Moor und fand sie bald. Der mittlere war schon verwittert und halb im Heidekraut vergraben; der Sockel von Edgar Lintons Stein wurde – wie um sich dem anderen anzugleichen – bereits von Rasen und Moos bedeckt: Heathcliffs Stein war noch ganz kahl.
Ich verweilte ein wenig bei ihnen unter diesem sanften Himmel, sah die Nachtfalter zwischen Heidekraut und Glockenblumen umherfliegen, lauschte, wie der Wind leicht durch das Gras strich, und wunderte mich darüber, daß jemand sich einbilden könne, es gäbe etwas in der Welt, was den letzten Schlummer der Schläfer in diesem stillen Stückchen Erde stören könnte.

(Aus: Emily Brontë – Die Sturmhöhe)

Wuthering HeightsInsel taschenbuch 4018
Aus dem Englischen von Grete Rambach

3. Auflage 2016
Insel Verlag

Kategorien:Allgemein

2 comments

  1. So ein großartiges Buch, es beeindruckte mich damals sehr, als ich es mit Zwanzig las. Ich fühlte wie modern Emily war. Es prägte meine Englandliebe wesentlich.
    Warum wähltest Du diesen Auszug?
    Gimmertons mooriger Erde werden konservierende Eigenschaften nachgesagt…?
    Fand Heathcliff Cathy nicht unverwest vor, mit ‚ihrem‘ Gesicht?
    Einen lieben Gruß von Stefanie

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    • Hallo Stefanie,

      Es sind die letzten Saetze des Romans und fallen insofern oder meine Blog-Rubrik „Letzte Sätze“. Die Sturmhöhe beinhaltet eine Menge signifikanter Stellen, vor allem Aussagen von Heathcliff und Catherine in Dialogen miteinander und mit anderen Personen. Schlüsselstellen, die für das Verständnis des Romans sehr wichtig sind. Aber die kennst du sicher selbst. Die Leidenschaft für Catherine hat bei Heathcliff auch etwas morbides, sein Wunsch, dass er ohne „Zwischenwand“ zum Sarg Catherines im eigenen neben ihr begraben sein moechte. Und so ist es auch gekommen.

      Liebe Grüße

      Achim

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