Das Elend der deutschen Gegenwartsliteratur

Die Protagonisten deutscher Gegenwartsliteratur befinden sich in der Namenfalle. Obwohl es ein  Karlheinz immerhin auf den Titel eines Romans geschafft hat. Strafmindernd kann man nun anführen, dass dieser Roman das Leben eines real existierenden Ludwigshafeners im Nachkriegsdeutschland abschildert, da kommt man um diesen Vornamen nicht herum. In diesem Zusammenhang tut sich die streng fiktionale deutsche Literatur sehr viel schwerer und scheitert bisweilen kläglich. Wer nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? Namensgebung zum Fremdschämen, immer dann, wenn die armen Namen die Last der  Entfremdung vom deutschen Namensbiotop zu schleppen haben. Oder im anderen Extrem strengdeutsch daherkommen müssen. Es werden Namen kreiert, die man aus dem Fundus eines Namenesperanto schöpft, oder aus der miefenden Mottenkiste ausgestorbener Namen.
Adrian Leverkühn, Gustav von Aschenbach, Serenus Zeitblom, Oskar Matzerath, Franz Biberkopf. Diese Namen stehen nicht umsonst für den weltliterarischen Anspruch deutscher Literatur. Es sind die heutigen Namen, die mich frösteln machen, die mich fremdeln lassen an der zeitgenössischen deutschen Literatur.

 

 

 

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Neko
6 Jahre zuvor

Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt.

machtjanix
6 Jahre zuvor

Oh. Dazu gäbe es viel zu sagen. Die ebenso sprechenden wie fürchterlichen Namen bwie Thomas Mann – yep. (Ich denke dabei such an Herrn Grünlich). Ob man Thomas Mann und Alfred Döblin tatsächlich in einen Topf werfen kann und sollte? Eher nicht. Die zeitgenössische deutsche Literatur ist auch ganz sicher nicht bei Mann und Döblin stehen geblieben und hat durchaus auch für – wie du und auch ich – eher anglo- und/oder amerikanophil ausgerichtete und nicht zuvorderst der zeitgenössischen Literatur zugetane Leser, sehr viel lesenswertes und inspirierendes zu bieten.

Achim Spengler
6 Jahre zuvor
Reply to  machtjanix

Die im Beitrag genannten Namen von Protagonisten von zum Kanon der Weltliteratur gehörender Romane sollen beispielhaft dafür sein, wie man es heutzutage, was die Namengebung angeht, besser machen könnte.

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