Einige Anekdoten zu Oscar Wilde in Magdalen College Oxford


All pictures © Achim Spengler

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In Magdalen College Oxford residierte der unvergleichliche, exzentrische Oscar Wilde von 1874 bis 1878. “The two great turning points in my life,” schrieb er in  De Profundis, “were, when my father sent me to Oxford, and when society sent me to prison.”  In seiner ersten Vorlesung in Magdalen begann Oscar Wilde mit schmeichelnder Stimme das Hohe Lied Salomo zu rezitieren. Sofort schritt der Dean ein und monierte: ” Lieber Mr. Wilde, Sie sind in der falschen Vorlesung. Hier geht es um das Buch “Deuteronium”. George Thomas Atkinson bemerkte zu diesem Zwischenfall: Armer Oscar! er hatte sich so unbändig gefreut”.
Als Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde im Oktober 1874 in Magdalen immatrikulierte, überraschte und beeindruckte er die anderen Studenten mit seinen langen, dunklen, vollen Haaren, seinem exotischen keltischen Namen und seinem irischen Akzent. Auch die Tatsache, dass er so viel mehr las als sie, machte sie nervös und einigermaßen ehrfürchtig.
Obwohl er als “Dilettant” posierte, der seine Bücher mit Achtlosigkeit behandelte, wussten doch Freunde und Kommilitonen, dass er jeden Anlass nutzte um zu lesen. Seine intensiven Studien des Griechischen, des Lateinischen und Englischen brachten ihm höchste Auszeichnungen in seinen Kursen ein. Er interessierte sich für das Moderne, aber auch für das Überkommene in Kunst und Literatur. In die Kreuzgänge und Spazierwege von Magdalen College zog er sich lustwandelnd zurück, um die Lyrik der englischen Romantik zu genießen, die ihn zu seiner eigenen Lyrik inspirierte.
Magdalen College Oxford

Magdalen College Oxford

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Wilde las fortwährend, unter anderem, um die Kunst des Bemeisterns der  ‘more difficult art of prose’ zu erlernen. Ihm lag daran, als Essayist in Magazinen und Zeitschriften Furore zu machen. In einer Kopie von Algerton Swinburne’s Studien und Essays markierte er die verschiedensten Aphorismen, die später ihren Weg in Wilde’s Referate fanden, ohne dass er sie je als Zitate ausgewiesen hätte.
Er las nicht nur unmäßig, sondern auch an allen erdenklichen Orten. In der Bodleian Library orderte er Artikel über irische Folklore. In der Magdalen Library studierte er Dante. Am liebsten las er im Bett. Ein Freund beschrieb sein Schlafzimmer als klein, stickig und vollgestopft, wo Bücher “in helpless confusion” herumlagen. Hier lag er, seinen eigenen Worten nach, mit “Swinburne’s copy” im Bett.

“Überlebende” Kopien von Büchern, die Wilde las, legten nahe, dass er während des Lesens oft einen Hunger verspürte. “On one page of his edition of W.H. Mallock’s The New Republic (now housed in the Old Library) there appears to be a jam stain. In Wilde’s copy of J. A. Symonds’ Studies of the Greek Poets there is a splash of red, or as Wilde called it, purple wine.” Andere seiner Oxforder Ausleihen bezeugen, dass er buchstäblich Bücher aß. Nach Angaben von Freunden  riß er, während er las,  so manches Blatt heraus, rollte es zusammen und steckte es sich in den Mund.
Magdalen College Oxford

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Oxford_Magdalen College Bell Tower

Oxford_Magdalen College Bell Tower

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Magdalen College Oxford

Wilde’s unersättliche Lektüre sollte sich bald bezahlt machen. Dies galt für seine studentische Karriere ebenso wie für seine Karriere als Schriftsteller. Die Lektüre war das Agens, das ihn zu studentischen Gedichten und Essays inspirierte.  Diese sollten zu den  ersten publizierten Werken zählen und sie waren die Vorläufer zur späteren, reifen Formvollendung. Als er Oxford in 1878- 79 verließ, um nach London zu gehen, fühlte er sich „as though I  was  being exiled from Parnassus and sent to Piccadilly”.  Aber auch nach London nahm er seine Magdalen Lektüre mit, bisweilen gezeichnet durch die Abwesenheit einiger Seiten.

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26 comments

  1. Danke, lieber Achim, fuer diesen hochinterssanten und reich bebilderten Artikel.
    Hab’s fein,
    Pit

    Gefällt 2 Personen

  2. Dient das Magdalen College in Oxford nur noch als Filmkulisse oder ist es als Lehranstalt noch in Betrieb? Das ist, soweit ich es von hier aus beurteilen kann eine wuderbare Stadt. Danke für den Artikel. mick

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo Achim,
    was fuer ein interessanter Zufall, dass gerade auch Petra Gust-Kazakos in ihrem Blog „Philea’s Blog“ ueber Oscar Wilde schreibt [http://tinyurl.com/jjxq7ew].
    Mach’s gut,
    Pit

    Gefällt 2 Personen

  4. Wilde, der Buchfresser, das gefällt mir. Übrigens lese ich trotz Abwesenheit unvergleichlicher Exzentrik auch am liebsten im Bett.
    Danke für den feinen Artikel🙂
    Klausbernd und seine beiden Buchfeen Siri und Selma
    Wir wünschen dir eine gute kommende Woche!

    Gefällt 1 Person

  5. Wunderbar – und so ein toller Zufall, dass wir uns heute beide mit Wilde befassen : )

    Gefällt 1 Person

  6. Tolle Fotos, mal schauen, vielleicht schaffe ich es dieses Jahr auch nach Oxford. Dein Artikel zeigt mir auf jeden Fall, das es sich lohnt!

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  7. merci vielmals für die Bilder und Oscar Wilde, den Buchfresser😉
    herzliche Grüsse vom Abendberg
    Ulli

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  8. Wenn man sich die Bilder anschaut, meint man Oscar Wilde sehen zu können, wie er durch diese Gebäude und die Landschaft geht. Dass er Bücher liebte, weiß ich, dass er sie allerdings zum Fressen gern hatte, noch nicht. Vielen Dank für diesen informativen und lehrreichen Beitrag. Ich habe ihn verschlungen wie Oscar Wilde wohl eine Buchseite verschlingen würde.
    Papier schmeckt übrigens schrecklich, schluckt sich noch schrecklicher und liegt wie Wackersteine im Magen. Es ist sehr unverdaulich und lässt sich nicht kauen. Ich weiß das aus Erfahrung, weil ich mal vor den Augen meines entsetzten Französischlehrers während eines Vokabeltestes einen Spickzettel, mit dem er mich ertappt hatte, vor seinen Augen verdrückt habe, damit ich keine Sechs bekomme. Es hat nichts genutzt und das Ding schmeckte grauslich. Die Vokabeln habe ich buchstäblich verinnerlicht. Liebe Grüße, Stefanie

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    • Ich bekäme es ja nicht übers Herz, Bücher anzuknabbern, geschweige denn sie zu vertilgen. Und das du deine Erfahrungen im Papieressen gemacht hast, wundert mich jetzt einigermaßen. Ich hätte den Spickzettel wohl vor den Augen des Lehrers verbrannt, hatte ich doch schon recht früh eine Rauchleidenschaft und immer ein Feuerzeug in der Hosentasche🙂

      Liebe Grüße an dich

      Achim

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      • Ein Buch essen? Eine Art Kannibalismus für einen Bücherfreund. Hätte ich den Spicker auch noch angezündet, hätte ich die Verantwortung für einen kollabierten Lehrer tragen müssen. Er befand sich so schon erbärmlich in feuerrotester Rage ob meiner ‚bodenlosen Frechheit‘ (O-Ton-Zitat).
        Liebe Grüße auch an Dich,
        Stefanie

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  9. I haven’t been to Oxford, but it reminds me very much of parts of Cambridge. Beautiful captures, Achim. 🙂

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  10. Thank you very much, Jo. Indeed, both cities breathing the „same Air“ of educational history and resemble each other a lot.

    Best regards

    Achim

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