Wir sagten


Du sagst, Verstecken ist ein Kinderspiel.  Meintest die geborstenen Fliessen und die ausgeweideten Heizkörper,  die knarzende Galerie unter den Staubfängern, du sagst, das sei unser Schaumhaus und wir müssen zusammenrücken, weil es uns sonst nicht hält. Ich sage, ein  Möwenschrei könnte das eingerußte Relief der Kindheit endlich in Stein schlagen. Ich meinte, dass Suche immer in Begriffen endet, die einmal ausbleiben werden wie das Meer, ebenso wie die Möwen, die wir am windigen Kamin phantasierten. Lege ein Scheit auf, Blut darf nicht frieren.  Die Begriffe brechen hoch im Ton, irgendwann. Rück näher, ich will dich nicht sehen. Draußen, das  Mondlicht  ist Zeuge anderer Worte, wie etwa Demut unter kalter Haut, oder Hochmut, bevor wir fallen. Wir hüllen die Worte in Spucke wie präparierte Insekten auf der Nadelspitze. Wir huschen um Ecken, rufen gurrend Verrat, denn ich sei da, wo du nicht finden kannst, sagst Du. Ich sage, nimm die Augenbinde nicht ab, es könnte doch sein, dass sich die Zukunft davonschleicht und aufspringt wie das rohe Ei am Einstieg zur Treppe. Wir halten es prüfend in der Hand, ob es auch tauglich ist für das Überwintern  des Hungers. Du sagst, mehr besitzen wir nicht, drinnen, im Zettelkasten der Nähe. Ich sage, wir sind Trabanten, die sich berühren, wenn sie flüchtig sind.

© Achim Spengler

Kategorien:Lyrik

6 comments

  1. Es gibt so Zeiten, da ist man scheinbar Schwerelos. Respekt vor diesem Zwiegespräch.

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