Demarkationslinie – zwischen Emuna und Pistis

Vielleicht ist der Glaube die Brücke, die über die Demarkationslinie zwischen Wahn und geistiger Gesundheit geschlagen wird. Die Frage ist nur, ob sie von beiden Seiten aus geschlagen werden kann. Die Literatur, die sich vom Mythos gelöst hat, und eine Wirklichkeit erfindet, die zutiefst indivuell ist. Vielleicht ist sie das Zelt, in dem wir auf… Weiterlesen

Zweifeleis

Meine Hand greift nach den Rückleuchten der Zeit, und jede Geste deines Kleides strömt als Erinnerung heran, ein sachtes Streifen federleichter Fingerspitzen. Zu spät ins Heute, zu spät aus dem Damals ins Immer. Das fahle Menetekel eines Gestern färbt sich nun herbstlich, es färbt sich im wiegenden Raunen eines sorglosen Kindes, als wären Tränen Rufe… Weiterlesen

Bob Dylan – „It used to be like that … and now it goes like this!“

Das Genießen ist die Trauerarbeit der Jugend. Der Genuss im Alter ein Repetitorium der abnehmenden Fallhöhe zum ewigen Schlaf. Wundmale, Brandmale, die Märtyrerpfeile des heiligen Sebastian. Der prägende intellektuelle Kopf der amerikanischen Musik wird ohne eigenes Erbarmen oder einer Ausicht auf einen je zurechnungsbefähigten Epitaph auf seinem Grab zur grandiosen Dörrpflaume. Zynismus ist seine musikgewordene… Weiterlesen

„It’s not where you take things from – it’s where you take them to“

Im Englischen heißt Geschenk „gift“. Jedem bleibt überlassen, ob er diesem translatorischen Wink auf das Doppelbödige des Schenkens mehr als nur zufällige Bedeutung beimessen möchte. Für mich steht fest, dass dem weihnachtlichen Ritual des Schenkens das Lockluder des materiellen Wettbewerbs latent beigemischt ist. Die Stiftung von Aufmerksamkeit und Zuneigung ist das Eine, wenn aber beide… Weiterlesen

Isn`t love any fun?

Nick Cave. Für mich gab es weiland noch einen anderen Nick. Ernest Hemingways Alter Ego Nick Adams aus dem Kurzgeschichtenband „In unserer Zeit“ und anderen hemingwayschen rororo Taschenbüchern der späten 60er Jahre. Ich las Hemingway, weil ich jung und dumm war und ich mir mit den Augen dieser Dummheit das Versprechen gab, dass die Literatur… Weiterlesen

Frau Schneefeld und Herr Hund – Schokolade fetzt

  Ich mache es kurz: Der Patient liegt auf der Intensivstation …. stop …. die Zeit drängt …. stop ….die lebenserhaltenden Mittel sind entweder noch nicht vor Operationsort oder knapp bemessen …. überhaupt …. überhaupt steht alles Spitz auf Knopf …. die Schokolade steht vor der Grenze unseres Traums … das Geschmacksgespenst vor Gaumen und Knospen … wir haben zu… Weiterlesen

Tage ohne Himmel

Die Tage enden ohne Himmel, sie häuten sich und fallen. Elixiere tauscht die Krämerseele, der  Kreuzgang ist berauscht. Am Lichtgewand der Zuversicht rast jeder Zug vorbei, chiffrierte Hoffnung ist der Wink des Abendrot. Ein Leben stellt die Totenscheine aus, und jede Reise kentert  aussichtslos. Wir ahnen nur das Zittern eines Stolzes, wir wähnen Liebeseinfalt und eines Christenmenschen… Weiterlesen

Letzte Sätze 10 – Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte

Du kommst ans Ende des Lebens – nein, nicht des Lebens an sich, sondern von etwas anderem: das Ende jeder Wahrscheinlichkeit einer Änderung in diesem Leben. Du darfst lange innehalten, lange genug, um die Frage zu stellen: Was habe ich sonst noch falsch gemacht? Ich dachte an eine Gruppe junger Leute auf dem Trafalgar Square.… Weiterlesen

Der Winter ohne Romane

Wir halten nie nur genießerischen und gebrauchsorientierten Abstand zum Erzählten. Wir ornamentieren das Lesen mit allerlei kritischen Gelüsten und mit dem Anspruch nach Einordnung in den eigenen, mühsam erworbenen Kanon ästhetischer Vorlieben. Vielleicht kann ich im Lebensnachmittag des Winter nicht lesen wie im Lebensvormittag des Frühling oder Sommer. Unterm grauen, nebelverhangenen Himmel gefrieren meine kreativen… Weiterlesen