Letzte Sätze 9 – John Boyne – Das späte Geständnis des Tristan Sadler


Bald schon werden sie mich hier finden, in diesem Zimmer, in einem unpersönlichen Hotel, und die Polizei wird gerufen und der Krankenwagen, und ich werde in eine kalte Leichenhalle im Herzen Londons gebracht. Und morgen erscheint mein Nachruf in den Zeitungen, und sie sagen, dass ich der Letzte meiner Generation war, und was für eine Schande, dass damit eine weitere Verbindung zu unserer Vergangenheit verschwunden ist, aber großer Gott, seht, was er uns als Vermächtnis hinterlassen hat, um sein Gedenken zu ehren. Und dann wird das Manuskript herauskommen, mein letztes Buch, zwischen zwei harten Deckeln, lektoriert von Leavitt, und die Empörung wird losbrechen, die Entrüstung, und die Leute werden sich auf mich stürzen, mein Ruf wird für alle Zeiten zerstört, meine Strafe verdient sein, von mir selbst beigebracht, wie diese Schusswunde, und die Welt wird endlich erkennen, dass ich der größte Feigling von allen war.

 

John Boyne – Das späte Geständnis Tristan Sadler
Arche Verlag, Hamburg 2012
ISBN 9783716026649
Gebunden, 333 Seiten, 19,95 EUR

Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence

Kategorien:Allgemein, Belletristik, Letzte Sätze, LiteraturSchlagwörter: , , , , ,

2 comments

  1. Dieser Ausschnitt klingt überaus spannend. Die Hinführung zur Fast- oder Teilauflösung, die Restspannung … Ich habe Boynes Buch gelesen und war ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht. Nicht über die Handlung selbst oder die Themen, die er darin aufgreift, aber über die Art, immer wieder auf etwas hinzuweisen, was langsam zu offensichtlich wird. Das Gefühl von zu häufiger Wiederholung oder das immer wieder zu weite Ausholen nach Thesen hat mir etwas zu schaffen gemacht.

    LG Michèle

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    • Den persönlichen Verrat vor dem Hintergrund des Krieges, vielleicht war diese Konstellation etwas, woran sich Boyne sich verhoben hat. Das Thema hätte besser funktioniert, wenn er die Entsetzlichkeit des Krieges beiseitegelassen hätte. Die Erfahrung des Krieges hat den Verrat nur befeuert, aber er hätte auch in der Idylle eines Dorfes, in Friedenszeiten, stattgefunden.

      Danke für deinen Kommentar

      gruß

      Achim

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