Objektive Wahrheit – Richard Rorty


Objektive Wahrheit bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die „beste Idee, die wir gegenwärtig zur Erklärung dessen haben, was um uns herum vorgeht“.
(Richard Rorty)

Rorty glaubt, dass nicht die Naturwissenschaften und deren philosophischer Überbau die wirkliche Gefahr für das Gespräch/die Kommunikation darstellen, sondern der Hunger und die Geheimpolizei. „Gibt man uns Freiheit und Bücher“ wird das freie Gespräch von selbst fließen. Das Gespräch sei der unhintergehbare Kontext, in dem die Erkenntnis verstanden werden muss. Erkenntnis ist nach Rorty nicht mehr das Bemühen, die Natur abzubilden, sondern sie ist abhängig von der Gesprächspraxis und vom sozialen Umgang. Seine Idee einer unbegrenzten Forschergemeinschaft, von der sich irgendwann herausstellen wird, welche Hypothesen haltbar sind, verabschiedet die Objektivität und setzt an ihre Stelle Erkenntnis als intersubjektive, soziale  Praxis. Keine wissenschaftliche Behauptung ist gegen ihre Revision immun.

Kategorien:Allgemein, PhilosophieSchlagwörter:

11 comments

  1. So kann man es sagen.

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  2. Lieber Achim,
    ich kann dem RR nur Recht geben.
    Schönen Abend noch
    Kb🙂

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  3. Gibt es denn so etwas wie unobjektive Wahrheit?

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    • Subjektive Wahrheiten (oder persönliche Überzeugungen über Sachverhalte) wären da zu nennen. Zum Beispiel der Glaube an die Existenz eines Gottes. Der delikate Bereich von Glaubensüberzeugungen, über den sich konsensual nicht diskutieren lässt. Eher ist es dann so, das man diese Überzeugung ins Belieben jedes Individuum setzt, sie als „Für wahr halten“ gelten lässt, zumal eine vernünftige Beweislage hinsichtlich dieser Existenz noch auf sich warten lässt.

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  4. Sehr richtig. Danke …

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  5. Und was ist demnach überhaupt objektiv? Ist nicht das, was wir wahrnehmen, ohnehin nur konstruiert? Da denken wir radikaler😉

    Gruß und danke für die Anregung

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    • Wer denkt hier radikaler? So skeptizistisch oder relativistisch denke ich nicht über die Problemstellungen, in die uns die Begriffe „Objektivität“ und „“Wahrheit“ führen. Die Positivisten und mit ihnen die Vorgehensweise der Naturwissenschaften lassen nur zwei Arten von Wahrheitssätzen zu: Empirische, wie zum Beispiel „Goethe lebte lange in Weimar“ oder analytische Sätze wie “ Alle Schimmel sind weiß“. Wobei es sich im letzteren Fall um eine aussagenlogische Schlussfolgerung handelt (Kant hätte das als analytisches Urteil a priori bezeichnet). In den Bereichen abseits naturwissenschaftlicher Domänen, und so verstehe ich Richard Rorty, kann sich durchaus qua Konsens ( Siehe auch: Konsenstheorie der Wahrheit) zumindest die „Richtigkeit“ von Behauptungen herausstellen, welche einen Geltungsanspruch für sich reklamieren. Wobei es aber nie auszuschließen ist, dass die erwiesene Behauptung eines einzelnen einen bis dato erzielten Konsens ad acta legen kann. Dieser Umstand weist ein wenig in die Richtung des Popper`schen Falsifikationskriteriums wissenschaftlicher Hypothesen.

      Liebe Grüße

      Achim

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  6. Ich halte von derlei Skeptizismus wenig, schließlich setzen wir Wahrheit niemals mit bloßer Wahrnehmung gleich. Analytische Urteile und Strukturen beweisen ihre Gültigkeit immer durch die Zeit hindurch (Gleichungen und andere logische Systeme). Dass synthetische Urteile oftmals revidiert werden können, liegt in der Natur der Sache; von daher ist es legitim, die intersubjektiven Ansichten als soziale Praxis zu bezeichnen. Doch zu behaupten, jegliches Wissen sei an das jeweilige subjektive Wahrnehmungsverhalten gebunden, ist schlichtweg falsch.

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    • Rortys Satz hat, wie ich finde, wenig mit Skeptizismus zu tun. Eher denkt er in Bezug auf die „Jagd nach der Wahrheit“ pragmatisch (der amerikanische „Pragmatismus“ ist auch die philosophische Schule, der er sich in großen Zügen verpflichtet fühlt). Pragmatisch insofern, als er die Frage stellt, ob wir nicht auch, sozusagen vorübergehend und durch Konsens vermittelt, zufrieden sein können mit intermediären und zwischenzeitlichen Urteilen und Ideen über die Wirklichkeit. Eben als „die beste Idee“, die uns aktuell zur Verfügung steht. Im Übrigen unterliegen nach Kant nur die sogenannten „synthetischen Urteile a posteriori“ (Urteile also aus /nach der Erfahrung) der Revisionsgefahr. Eine zeitlang galt das synthetische Urteil a posteriori „Alle Schwäne sind weiß“ als wahr. Bis man dann in Australien schwarze Schwäne fand. In Rortys Satz und seinen nachgelagerten Gedanken steht nichts von Wissen, gebunden an eine subjektive Wahrnehmung. Aber natürlich sind die Subjekte, wie ich finde, immer die Ausgangspunkte einer Akkumulation des Wissens. Und insofern gebunden an die Art und Weise ihrer Wahrnehmungen. Was du meinst ist wohl „gesichertes“ oder „gültiges“ Wissen über Sachverhalte. Und da meint nun Rorty, dass sich im Diskurs/Gespräch (meinetwegen eines Gespräches einer spezialisierten Forschergemeinschaft)probabalistische Gültigkeit von Ideen gewinnen ließe, wobei der Anspruch auf deren Objektivität als von Subjekten unabhängigen Urteilen über eine Sache obsolet wird.

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  7. caspita! lo ha detto con altre e più giuste parole. ma la pensa esattamente come me!🙂

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