Gefunden: Blogstöckchen


Als ich heute ein Blockstöckchen des lieben Norman Weiß vor meiner Blogtür fand, hielt ich erst einmal innere Einkehr. Das Zuwerfen besagter Stöckchen, so meine Erfahrungen der letzten Wochen, gehört inzwischen oder schon immer zum Instrumentarium des Blogeigenbewerbs und des Bewerbs von uns präferierten fremden Blogs. Das hat etwas von inzüchtigem Stöckchenverkehr, einhergehend mit allzumenschlichen Reaktionen des Neides oder des Frohlockens, falls das eigene Blog das Stöckchen fangen darf oder nicht. Und ist es nicht so, dass sich inzwischen die Stöckchen im Kreis bewegen und wie Katzen dem eigenen Schweif hinterher jagen? Diesen kritischen Unterton kann ich mir nicht verkneifen, zumal ich mit dem Anspruch in die Blogwelt getreten bin, die Inhalte meines Blogs für sich sprechen zu lassen. Wer diesen lesen will, der findet ihn, so meine prinzipielle Idee vom Bloggen als schönste Freizeitbeschäftigung nach dem Lesen.
„Mein lieber Ramblingbrother“, so die tiefsitzende moralische Stimme in mir, „wie gedenkst du aus dieser kritischen Nummer wieder heraus zu kommen?“ Wer bloggt, ist getrieben von einem Mitteilungsbedürfnis, sonst bräuchte er die Hatz nach frisch gepressten Beiträgen nicht auf sich zu nehmen. Eitelkeit, Koketterie und Sendungsbewußtsein, dies alles zu einem tratschenden und klatschenden Brei verrührt, das ist die Essenz und die Leidenschaft unseres Tuns. Es drängt die mehr oder weniger verhüllte Selbstauskunft, auch wenn diese sich hinter den geschmacklichen Vorlieben der Buchlektüre, dem Verfertigen von Gedichten, den dokumentarischen Angeboten, den philosophischen Gedankenspielen und den  Photostrecken verbirgt. Wir wollen gelesen werden. Punkt. Bei mir kommt ein fast notorisch zu nennendes Interesse an biographischen Stoffen hinzu. Ich giere nach  autobiographischen Daten und Fakten von Menschen, die mir in meiner bevorzugten Blogosphäre begegnen, aber nicht nur dort. Zu diesem Interesse gehört, als die andere Seite der Medaille, der aufrichtig gewährte Blick auf meine Verfasstheit, wie sie in Antworten auf die Fragen, die man mir heute stellt, zu Tage treten soll. 

  1. Benutzt Du einen Fernseher?
    In Anbetracht einer voluminösen Filmbibliothek beschränkt sich mein Fernsehgenuss auf allerlei kulturelle Formate, Dokumentationen und Nachrichtensendungen. ARTE, 3Sat, ZDF_neo und Phoenix sind die Sender, die ich üblicherweise schaue. Als leidenschaftlicher Fussballanhänger gönnte ich mir weiland ein SKY Abonnement.  Solange die Quotenhatz anhält und der Zuschauer zum lediglichen Stimmvieh minderer Programmqualität verkommt, solange ist mit mir als dauerberieselter Zuschauer kein Staat zu machen.
  2. Gibt es einen Fall, bei dem Dir der Film besser gefallen hat als das Buch?
    „Naokos Lächeln“ von Tran Anh Hung, nach dem gleichnamigen Roman von Haruki Murakami. Die aus meiner Sicht eher konventionell und unspektakulär erzählte Geschichte gewinnt im Film durch klug eingesetzte Kameraführung und Bildgewalt eine Dramatik, die dem Roman selbst abgeht.
  3. Wie ordnest Du Deine Bücher?
    Nach Literaturgenre (Lyrik, Prosa, Drama/Theater und Krimi) und Sachthemen (Philosophie, Literaturwissenschaft, Naturwissenschaft und Geschichtsschreibung etc.) Aber nie alphabetisierend. Inzwischen ordne ich, durch den notwendig gewordenen Erwerb neuer Regale, nach dem Motto: Next bought book in, next free place.
  4. Gibt es Bücher oder ein Buch, das Du immer wieder liest?
    Irgendwo in der Blogwelt stand einmal geschrieben, dass die verbleibende Lesezeit/Lebenszeit für Menschen meines vorgerückten Alters zu kostbar sei, um sich den alten Lesestoffen über Gebühr zu widmen. Aber wie immer existieren Ausnahmen, zumindest bei mir. Ohne eine wöchentliche Dosis Shakespeare und der englischen „romantic poets“ geht es nicht. Darüberhinaus dienen sie mir als fortdauernde Justage meines literarischen Geschmacks und als Leuchttürme literarischer Qualität. Immer wieder gerne greife ich zu den Erzählungen von Edgar Allan Poe, Alice Munro, Ernest Hemingway, Djuna Barnes und Anton Tschechov.
  5. Gehst Du lieber ins Theater oder ins Kino?
    Aus eigenem Antrieb gehe ich nur selten ins Kino. Selbst weiß ich selten, was gerade läuft. Ich bin da abhängig von den Empfehlungen meines Sohnes, der Filmwissenschaft studiert, und den Empfehlungen seiner Mutter. Ich bin ein großer Anhänger diverser britischer und amerikanischer Serien. Insofern habe ich mein kleines, gemütliches Heimkino in meinem Schlafzimmer. Theaterbesuche immer dann, wenn Shakespeare auf dem Plan steht. Was hier in Freiburg nur sporadisch der Fall ist.
  6. Liest Du Krimis?
    Sehr gerne. Immer und immer wieder zwischen der Lektüre schwererer Kost. Ich bin immer wieder fasziniert von den kunstfertigen Spannungsbögen, die dieses Genre bietet. Von den abrupten Wendungen und falschen Fährten. Auch von den Psychogrammen des Bösen. Meine Helden sind in der hard-boiled Krimi-Ecke James Ellroy, Jo Nesbo, Karin Slaughter (nomen est omen) und Mo Hyder. Auf der Seite der britischen Kriminalliteratur  sind es P.D. James,  Ian Rankin und Martha Grimes. Obwohl Amerikanerin, hat es mir Grimes sehr angetan mit ihrem Buddyteam Richard Jury und Melrose Plant und der ausgesprochen toughen, lebensklugen und unkonventionellen Heerschar junger weiblicher Protagonistinnen.
  7. Kannst Du Noten lesen?
    Ich konnte es einmal. Zu Zeiten der Volksschule, als ich Blockflöte spielte. In meiner Studienzeit flackerten diese Kenntnisse nur kurz wieder auf, als ich mich anlässlich einer Stippvisite in Lausanne breitschlagen ließ, bei einer mehrtägigen Gesangsprobe teilzunehmen. Heute vermutlich nur nach langem, langem Üben.
  8. Eine Prognose wagen: Wie wirst Du in zehn Jahren lesen?
    Sofern die Augen mitspielen wahrscheinlich nur das gute gedruckte Buch. Wobei ich nicht verhehle, dass der Gedanke an den Erwerb eines E-Book Reader sich mir immer öfter aufdrängt. Man wird ja nicht jünger und leichtes Urlaubsgepäck drängt sich verführerisch auf. Aber was ist mit den bunten, bildreichen Reiseführern? Hier stelle ich mir den Ersatz durch das E-Book eher als visuellen und kulturellen Rückschritt vor. Wenn ich nicht mehr in der Lage bin zu lesen, werde ich es hörend tun, wenn, ja, wenn …..

Die gleichen Fragen werfe ich nun folgenden wertgeschätzten Blogger/innen zu. Ich bin mir sicher, dass es all die hier ungenannten, von mir gern gelesenen Blogger, irgendwann einmal treffen wird, oder schon getroffen hat, das Blogstöckchen.

Mick von Alles mit links
Peggy von Entdecke England
Pagophila von Cool Pains
Klausbernd und Hanne von The World according to Dina
Ulli vom Blauen Cafe

Kategorien:Allgemein, BiografischesSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , ,

26 Kommentare

  1. na, da danke ich erst einmal fürs Stöckchen, mal schauen wann ich es dann umsetzen werde …

    habs fein, gelle?
    herzlichst Ulli

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  2. Stimmt, es wird momentan recht viel mit Stöckchen geworfen. Aber mit der Frühlingssonne wird sich die Grundlage dieses Schneeballsystems bald verflüchtigen. Und da ist es schön, wenn die Gelegenheiten zu Selbstauskunft und Kennenlernen vorher noch schnell genutzt werden.
    Martha Grimes, Jurys Londoner Fixpunkte und der Kosmos Long Piddleton – das gefällt mir auch immer wieder!
    Viele Grüße
    Norman

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    • Hallo lieber Norman,

      Long Piddleton, da jauchzt mein Leserherz, wenn es an die skurilen Protagonisten denkt, die sich in ihrem Lieblingspub versammeln und über Gott und die Welt und die Fälle Richard Jurys auseinandersetzen.

      Liebe Grüße aus freiburg

      Achim

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  3. Lieber Achim,
    wir finden das ja total lieb, dass du an uns gedacht hast, das freut uns sehr 🙂 🙂
    Nun schreiben hier Klausbernd und seine liebkluge Buchfee Siri, die die kritischere Fraktion der Fab Four bilden, wenn wir das so sagen dürfen. Also für uns sind diese Blogstöckchen wie Blog-Awards der verzweifelte Versuch, Traffic auf seinen Blog zu locken, wenn einem selbst nichts einfällt.
    Aber weil du es bist, beantworten wir mal kurz die Fragen:

    Benutzt Du einen Fernseher?
    Wir haben kein TV, sehen aber als Video tgl. die norwegischen und englischen Nachrichten

    Wie ordnest Du Deine Bücher?
    Fast wie du nach Literaturgenre (Lyrik, Prosa und Suspense) und Sachbücher (Philosophie, Literaturwissenschaft, Geowissenschaften & Physik, Polargebiete, Expeditionsgeschichte). Innerhalb der Literaturgenres nach skandinavisch, englisch, deutsch, russisch, amerikan. etc. und innerhalb dieser Ländereinteilung nach Alphabet. Um das aufrechtzuerhalten, müssen wir häufiger umräumen. Wir habe auch schon einige Male vollständige Sammelgebiete für Bibliotheken gespendet.

    Gibt es Bücher oder ein Buch, das Du immer wieder liest?
    Well, die Klassiker: hauptsächlich Homer, Goethe und 1001-Nacht (beide Ausgaben). Früher lasen wir öfter Thomas Mann zusammen, der aber jetzt aus der Beliebtheit gefallen ist.

    Gehst Du lieber ins Theater oder ins Kino?
    Da wir für’s Theater weit fahren müssen, wir aber hier einen Filmclub leiten, sehen wir weitaus mehr Filme als Theateraufführungen. Wir sind aber öfter z.B. in Berlin, Hamburg und Köln, wo wir jeden Abend ins Theater gehen (das sind wir allerdings von Theaterbesessenen umgeben).

    Liest Du Krimis?
    Bisweilen. Naja, wir lasen früher wohl alles von Agatha Christie, Conan Doyle und Patricia Highsmith. Heute blättern wir mal in Ian Rankin und Nesbo, aber so richtige Krimileser sind wir nicht, irgendwie finden wir das ein langweiliges Genre.

    Kannst Du Noten lesen?
    Ja

    Eine Prognose wagen: Wie wirst Du in zehn Jahren lesen?
    Ich, Klausbernd, nehme an, mehr als heute und zwar die meiste Zeit des Tages. Früher las ich 2 bis 3 Std. tgl. aus Berufsgründen. Heute lese ich bei schlechtem Wetter oft um die 8 Stunden. Nun habe ich auch endlich die Zeit, ein Tagebuch über alles Gelesene zu führen und mehr Zeit, mich mit den Autoren oder Literaturkritikern auszutauschen.

    So, fühle dich geehrt, dass wir trotz des tollen Sonnenscheins, diese Fragen beantworteten, wobei wir uns natürlich fragen, wozu, außer einen gewissen Voyeurismus zu bedienen, das nutzen soll. Solche Fragen, wandte die kluge Siri ein, verleiten doch zu einem Personenkult, dazu, sich interessant zu machen … Haben wir das denn nötig?
    „Ja, haben wir!“
    Aber da wir, was du bloggst, sehr lesenswert finden, und auch die anderen – bis auf Pagophila – alle kennen und wertschätzen, haben wir es mal als nettes Spiel betrachtet. Und ehrlich gesagt, sind wir schon ein wenig gespannt, wie die anderen antworten – Dichtung und Wahrheit 😉

    Ganz liebe Grüße aus dem sonnig warmen Cley
    Klausbernd 🙂 und seine liebkluge Buchfee Siri 🙂

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    • Lieber Klausbernd,

      natürlich hatte ich berechtigte Zweifel daran, ob du dich auf den Blogstock einlassen würdest. Um so mehr weiß ich deine Antworten hier zu schätzen und danke dir herzlich für die ausführliche replik.

      Liebe Grüße

      Achim

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  4. Ich freue mich über Dein Interesse, Achim, aber hier liegt noch ein Stöckchen von Asallime, es kann also eine Weile dauern, bis Muse und Muße am selben Strang ziehen. Ich hoffe, Du siehst es mir nach. „Naokos Lächeln“ werde ich im Hinterkopf behalten. Schmunzeln musste ich beim Lesen des letzten Antwortsatzes auf die Frage, wie Du Deine Bücher sortierst. Ich werte das Kollabieren von solchen Systemen nämlich als ein Zeichen von echtem Bookaholism..;-) – Eine Frage habe ich noch: Hier liegt noch ungelesen „Tokio“ von Mo Hayder. Würdest Du es empfehlen?

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  5. Hallo lieber Achim,
    hier melden sich Hanne und Selma aus dem Rheinland. Wie wir gerade entdeckt haben, haben Klausbernd und die liebe Siri bereits kommentiert und auch geantwortet! und somit das Blogstöckchen damit … Well. 😉

    Ergänzend dazu; ich ordne jetzt meine Bücher nach Farbe. Ich kann mir schlecht von Bücher trennen. Aus Platzmangel sind die Bücher überall, auch im Wohnzimmer eingezogen, haben Rumstehchen auf Kommoden und Vitrinen vertrieben. Ist zwar chaotisch und ich finde nichts, aber es sieht echt nett aus! Es gibt eh so viele Bücher zu lesen und wenn ich eins gelesen habe und farblich abgelegt habe, finde ich es in Ordnung. Diese Ordnung ist eigentlich eine Unordnung, laut Siri und Klausbernd. 🙂 Rot und weiß zusammen, Grün, Gelb, Grau, Weiß, Schwarz getrennt. Jede Farbe wie ein Kunstwerk, ein Hingucker. Blau ist ein große Sammlung, nimmt eine ganze Wand im Schlafzimmer ein.

    Liebe Grüße nach Freiburg!
    Hanne und Selma Buchfee

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  6. Waren sehr interessant zu lesen, Deine Antworten! Ein Sky-Abo? Das hätte ich jetzt nicht gedacht…. 🙂

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  7. Lieber Achim, auch wenn das eine gute Gelegenheit für einen schnellen Post wäre (im Moment ist die Zeit sehr knapp), halte ich mich an meinen Vorsatz, meinen Blog Stöckchenfrei zu lassen. Dennoch, danke für die Einladung. Und weil Klausbernd das schon so elegant vorgemacht hat, hier meine Antworten:
    1. Den Fernseher benutze ich überwiegend, um Nachrichten zu sehen, hin und wieder gibt es in unserem Basic Package auf BBC auch mal eine interessante Reportage.
    2. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einen Film schonmal besser fand als das Buch, aber ich finde sie auch nicht schlechter. Es sind verschiedene Medien, die man meiner Meinung nach nicht so bewerten kann.
    3. Bücher sortiere ich auch nach Genre, Romane alphabetisierend (mein Mann ist ein Perfektionist 😉 )
    4. Ich lese kein Buch zweimal, zumindest nicht in Gänze. Aber wenn mich eine bestimmte Stelle inspiriert hat, dann lese ich sie hin und wieder noch einmal.
    5. Theater oder Kino? Das kommt darauf an, was läuft. Ich mag beides gern.
    6. ich habe früher mehr Krimis gelesen, nehme mir aber auch heute hin und wieder einen zur Hand.
    7. ich kann nicht wirklich Noten lesen, habe aber von meiner Oma gelernt, Ziehharmonika nach Gehör zu spielen. Leider staubt das Instrument jetzt ein.
    8. wie lese ich in 10 Jahren? Hoffentlich mehr. Ich bin jetzt ganz neidisch auf Klausbernds viele Lesezeit 🙂 ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Bücher elektronisch lesen werde. Aber wer weiß…
    Ganz liebe Grüße,
    Peggy

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  8. Lieber Achim,
    Danke für diese Einblicke und die Offenheit. Ich finde die Biographie hinter Menschen auch spannend. Lese ich einen Autor, der mich so begeistert wie im Moment César Aira, räume ich sofort ein Eckchen in meiner Bude frei, damit er dort Platz findet mit seinen schmalseitigen Erzählungen, keine wesentlich länger als einhundert Seiten. Jeden Tag benötige ich ein Gedicht. Es sind nicht nur Romantiker, die mir ihre Worte täglich neu schenken, sondern auch die Zeitgenossen, die Herben, die Wütenden, die Träumer und viel zu viele, die bereits leider tot sind.
    Im blogland begegnen mir neue ungekannte Stimmen und Karl Valentins Zitat echot in meine Ohren: Es wurde bereits alles gesagt. Nur nicht von jedem.
    In jedem waschechten Künstler steckt einer, der sich traut, Träume mit seinen bloßen und verletzlichen Händen anzufassen…

    Die Tradition der Stöckchen ist mir über die Jahre im blogland, eingeschlafen.
    Zwei oder dreimal beteiligte ich mich auch daran. Dann eierte ich mit den Nominierungen herum. Tagelang, wochenlang…
    Glücklicherweise Speicherte ich ein altes Stöckchen aus blog.de irgendwo in meinen Textarchiven ab und es begegnete mir vor ein paar Jahren. Als ich meine Antworten auf die Fragen las, lachte ich schallend.
    Da führte ich mich selber vor und erkannte mich zwar wieder, doch ein paar Ansichten hatten sich inzwischen auch wesentlich verändert, gar ins Gegenteilige verkehrt und anderes hätte ich glatt längst vergessen – hätte mir das Stöckchen nicht vor Augen geführt, wer ich vor acht Jahren einmal war und wie. Da erkannte ich, wie viel Zeit acht Jahre wirklich sind und ich fühlte ihre Länge in den Veränderungen und ihre Kürze in dem, was ähnlich geblieben war – was auch ein beruhigendes Gefühl ist, wenn man älter wird. Hallo, ich erkenne Dich noch wieder, altes Ich…

    Noch zum E-Book: Für meinen Vater, dem das Halten schwerer Bücher abends im Bett täglich schwerer fällt, ist dieses kindliche Lesedingda (du weißt schon…) …äußerst praktikabel, da lightweight…aber dennoch möchte er den Geschmack des Buches beim Lesen auf der Zunge, Seite um Seite, berührbare Buchstaben, nicht missen. Und wenn ich mir meine kleinen Airas so anschaue (schon vier an der Zahl, ein fünfter sehnt sich grad herbei), ist jedes dieser Bücher von der Gestaltung bis hin zum wörtlichen Inhalt ein Juwel.
    Auf meine „Ende“-Gedichtausgabe von Elfriede Jelinek bin ich stolz wie Oskar. Ich hab sie antiquarisch ergattert und es ist einfach ein traumhaft schönes Buch, mit diesen Zeichnungen von Martha Jungwirth. Oder Insel-Bücher, mein Lieblingsbuchverlag mit dem phantasievollen Einband. Ach, je…ich schwärm schon wieder…von Büchern, nix wie weg…:-)

    ..und liebe Grüße von der Fee

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    • Liebe Stefanie,

      den guten Herrn César Aira habe ich mir vorgemerkt. Über ihn habe ich einmal von Ijoma Mangold gehört, der ihn in einer lesenswert Sendung als sein Favorit für den Literaturnobelpreis hervorhob. Ich bin eigentlich kein Freund dieser Blogstöckchen, habe mich aber einmal dazu überreden lassen. Ich hielt das Ganze immer für ein Art Kettenbrief-Marketing zur Lenkung der Aufmerksamkeit auf den eigenen Blog. Über einige meiner Antworten hier muss ich im Nachhinein etwas staunen. So bin ich inzwischen kein Feind mehr von EBook Reader. Nur noch nichts für mich, vielleicht aber für später, je nach Augenstärke und nachlassender Kräfte beim Mitschleppen von Büchern im Urlaub. Wir ändern uns, auch in den wie eingemeißelt daherkommenden Einsichten und Annahmen. Das ist gut so, weil wir uns wie wirklich zeitgebundene Wesen empfinden dürfen.

      Habe gerade einen Blick der Jelinek Ausgabe erhascht. DIe Zeichnung von Jungwirth auf dem Schmutztitel sieht interessant aus.

      Liebe Grüße

      Achim

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      • Lieber Achim, wie fein, dass Du Aira lesen wirst! Ach, Literaturnobelpreis, nö. Seit Philip Roth tot ist und ihn nicht einmal bekam, pfeife ich auf diese ganzen Lackmeier da. Der Pulitzerpreis ist viel toller. Der Büchner-Preis sowieso und vom Ingeborg-Bachmann-Preis beginne ich gar nicht erst zu fabulieren. Nobelpreis, na ja….

        Mein Lieblingsbuch von César Aira ist Prinzessin Primavera. Passenderweise wurde es mir zu meinem Geburtstag geschenkt. Seither bin ich ihm verfallen. Das wohl beste Buch von ihm ist „Wie ich Nonne wurde“ und das empfehle ich auch, wenn ich ein erstes Aira-Buch empfehle, denn dort zeigt er seinen ganzen Genius. Er stellt die Literatur auf den Kopf. Na, Du wirst es ja erleben…(hoffentlichwünsch…)

        Ich bin ja auch kein Blogstockfreund, eher eine Klopstockfreundin. Ha, ein schönes Wortspielchen. Und generell finde ich die Idee der Stöckchen schon gut. Sie diente ja ursprünglich mal dazu, sich und andere besser kennenzulernen. Außerdem zwingen einen diese Fragen ganz schön ins Nachdenken, mich zum Beispiel. Ich hasse Fragen nach meinen Lieblingen, weil ich außer meinen Kindern oder ein paar anderen Leutz keine Superlative setzen will. Wenn mich jemand nach meiner Lieblingseissorte befragt, antworte ich mit: Sprechendes Speise-Eis bitte, Geschmacksrichtung Kumquat-Café Americana. Das habe ich César Aira geklaut. Überhaupt Speiseeis…na, Du wirst es ja selbst lesen (hoffentlichwünsch…)

        Es ist lohnenswert, ein Dazwischen finden zu wollen. So wie mein Vater es mit dem kindlesken Lesegerät hält. Und ab und zu liest er ein Buch zum Anfassen, weil er das eben braucht. Das ist ein Dazwischen. Ich habe so ein Ding noch nicht, allerdings lese ich viel zu viel und viel zu oft am Computer oder gar Handydisplay…und das ist auch superschlecht für die Augen.

        Das Mitschleppen von Büchern in den Urlaub erinnere ich tonnenschwer und stapelweise. Allerdings gab es noch einen Kofferraum und Autos sind geduldiger als Flugzeuggesellschaften. Zurück schleppte ich dann natürlich noch Muscheln, Steine und allerhand am Strand gesammeltes Gedöns. Autos sind geduldig und ich schleppte ausgesprochen gerne Bücher und Steine.

        Wenn das nachlässt, finde ich auch, sind die leichten mobilen Reader ein Segen. Gestern las ich, dass das menschliche Gehirn ein Leben lang in der Lage ist, neue Synapsen und Schaltkreise zu bilden. Es hungert und dürstet nach lebendigen Eindrücken, ist auf der Suche. Wenn man es immer gut mit Eindrücken und Erlebnissen füttert, bleibt es lange jung. Ja, wir sind zeitgebundene Wesen, das stimmt natürlich. Doch wir halten es auch in unseren Händen wie statisch oder eingemeißelt Einsichten oder Annahmen sein müssen oder können.
        Solange mein Denken sich bewegt, lebe ich fühlbar.

        Hast du die Ausgabe gefunden?
        Sie ist sehr edel und mit einem tollen Buchpapier aufgemacht. Die Zeichnungen wirken wie original hingetuscht. Sie sprühen Feuer, so wie Jelineks Gedichte – insofern ergänzt die Zeichnung das Poem.

        Es ist sehr schwer, Jelineks Gedichte zu intonieren. Ich übe und übe – weil sie so dermaßen eindringlich und gehaltvoll sind wie ein Purgefühl als Konzentrat, Wort um Wort.

        Mit Zeichnung und Text haben sich zwei Künstlerinnen zusammengefunden und etwas Rundes geschaffen. Eigentlich müsste das Buch rollen, obwohl es eckig ist. Weil es so rundum gelungen ist.

        Liebe Grüße,

        Stefanie

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        • Hallo Stefanie,

          ich habe mich noch nicht entscheiden können, was ich nun von Aira lesen werde. Aber ich werde wohl deiner Empfehlung folgen und mit „Wie ich Nonne wurde“ beginnen. Was es mir auch angetan hat ist „Die Schneiderin und der Wind „. Ich werde mir wohl beides in der Buchhandlung meines Vetrauens bestellen. Wobei das Vertrauen klitzeklein nachgelassen hat, gab es doch dort NICHTS von Cesar Aira vorrätig. Andererseits, dieser Herr ist wohl immer noch ein Geheimtip oder nur den Feen bekannt :-). Auf die Ausgabe von Jelinek/Jungwirth bin ich auf Amazon gest0ßen. Das Buch ist aber nicht käuflich dort, es gibt keine Preisangabe und letztlich konnte ich nur einen Blick auf die Zeichnung werfen, die sich auf der Titelseite befindet.

          Liebe Grüße

          Achim

          Gefällt 1 Person

          • Hallo Achim,
            Die Schneiderin kenne ich noch nicht, doch das Cover ist Rosa, es geht um eine Näherin ohne Geschmack, dafür fingerfertig – na, das muss einfach gut werden. Ich gönnte mir als Belohnung für unermüdliche Wullackerei für die Kunst, Airas Literaturkongress.
            Auf den freue ich mich schon und muss bei den schmalen Bänden aufpassen, dass ich sie nicht vor Lesevergnügen schlicht verschlinge in einem Lesehaps, doch das hat der Mann, der alle Regeln der Literatur kurzerhand ignoriert und sprengt, nicht verdient. Äußerst fein zeichnet er zwischen Skurrilitäten, Irrwegen und Scheinszenarien auch ein Bild Argentiniens und seiner Menschen, der Miss-Stände, sozialer Dispositionen wie Korruption und Machtmissbrauch. Er schreckt vor nichts zurück. Er geht mir sehr unter die Haut, denn hinter alledem verbirgt sich ein kongenial feiner vieldimensionaler Geist. Ich bin sehr gespannt, was Du zu ihm sagst. Die Nonne ist eine ausgezeichnete Wahl.
            Ich wünsche Dir Lesefreude dabei.
            (Jetzt habe ich genug geschwärmt)
            Das letzte Jelinekjungwirthexemplar habe ich weggegrast. Es hat selbstredend einen Ehrenplatz. (genau wie das Airatürmchen, der dicke Dante und der unruhige Pessoa, doch der hat irgendwie über die Jahre einen Wandertrieb von Raum zu Raum entwickelt. Buch der Unruhe. Kann man wohl laut sagen…:-)

            Liebe Sommerabendgrüße,

            Stefanie

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