Letzte Sätze 8 – A. L. Kennedy – Paradies

Und eine Weile, vielleicht eine lange Weile, bewege ich mich nicht und sehe nichts: Ich lausche nur meinem Zimmer, dem Vogelzwitschern, das ins Nichts verebbt und nur meinen Wecker, mein Herz, ein plötzlich über mich ziehendes Donnern zurücklässt, ein Geräusch wie von einem breiten Stein, der weggerollt wird. Ich drücke meinen Schädel fest nach hinten… Weiterlesen

Gewalt

Seine Frau dreht mir den Rücken zu. Sie spricht mit der Hinterseite ihres Körpers. Ihre Schulter sind gespannt zum Hals hochgezogen. Ihr Kopf ist halb von ihm weggedreht. Ihre Beine zucken rhythmisch. Ihre Füße, deren Riste erhoben sind, ihre Zehenspitzen, verkrampft. Er selbst ist ganz der harte, kantige Blick.  Dreitagebart, Augen, die von der Gier… Weiterlesen

Irische Reminiszenzen 1 – Die Liffey hat die Farbe von Tee ohne Milch

„… und ich hab gedacht na schön er so gut wie jeder andere und hab ihn mit den Augen gebeten er soll doch nochmal fragen ja und dann hat er mich gefragt ob ich will ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals gelegt und ihn zu mir… Weiterlesen

Letzte Sätze 7 – John Banville – Die See

Der Himmel war dunstverhangen, kein Lüftchen bewegte das Wasser der See, an deren Ufer sich in einer langen Linie die kleinen Wellen lustlos brachen, um und um, wie ein Saum, den eine schläfrige Näherin wieder und wieder wendet. Es waren nur wenige Leute am Strand, und diese wenigen waren weit von mir entfernt, und irgendetwas… Weiterlesen

Das Meer und der Stein erzählen

Ich lechze nach den großen Narrativen. Nach Märchen. Mein Sinn steht nach dem Gewicht von Bibeln und den sonstigen Konvoluten des schönen, grausamen Scheins. Die Wahrheit, falls es sie gibt, darf mich betrügen. Sie darf das „Als ob“ und ihre mimetischen Abziehbilder meinen Synapsen zum Fraß vorwerfen. Ich mag die, die erzählen können, sie kommen… Weiterlesen

Letzte Sätze 6 – Denis Johnson – Ein gerader Rauch

Rechts von ihr funkelte der Ring eines Herrn, der den Kopf in die Hand stützte, im Dämmerlicht. Er hielt die Augen geschlossen. Manche der Männer hatten vielleicht auf den ersten Golfnachmittag der Saison verzichtet, um dies zu erdulden. An den Frauen nahm sie die lebhaften, interessierten Mienen derer wahr, die versuchen, sich wach zu halten.… Weiterlesen

Letzte Sätze 5 – Philip Roth – Der menschliche Makel

Am Ufer angekommen, drehte ich mich um und blickte zurück, um zu sehen, ob er mir doch noch in den Wald folgte, ob er vielleicht vorhatte, mich umzubringen, bevor ich Gelegenheit hatte, das Haus zu betreten, in dem Coleman Silk seine Jugend verbracht hatte, und mich, wie Steena Palsson vor mir, als weißer Gast seiner… Weiterlesen

Two Moths

Two Moths By Aimee Nezhukumatathil       Some girls        on the other side of this planet                      will never know        the loveliness          of   walking      in a crepe silk sari.      Instead,   they will spend        their days                          on their backs      for a parade               of   men           who could be       their… Weiterlesen

Hommage an die Unehrlichkeit

Die Welt, wie sie uns in heutiger Zeit entgegentritt, und die Menschen darin, sind Reflektionen eines wachsenden Scheins. Wir erkennen sie nur halb oder gar weniger. Wir ahnen ihren Warencharakter, weil er vorhanden ist. Wahre Aussagen über sie und Versuche ihrer Objektivierung sind nicht möglich. Waren sind Träger von Absichten, Rollen und Funktionen. Ihr Wesen… Weiterlesen