Alice Munro – Nobelpreis für Literatur 2013


Aus Anlass der Verleihung des Nobelpreises 2013 für Literatur an Alice Munro. Congratulations.

A Readmill of my mind

Alice MunroWenn man Hemingway’s „Oben in Michigan“ gelesen hat, ist es ein Schlag ins Wasser, eine Short Story mit dem Titel „Oben im Hotzenwald“ schreiben zu wollen. Es gibt ein Schreiben, einen Ton und Duktus, deren Nachahmung  wünschenswert sein mag, aber im Lächerlichen endet.
Wenn ich Alice Munro’s Erzählungen lese, setzt der Herzschlag meiner eigenen Schreibsprache für lange Augenblicke einfach aus. Ihre Lauschangriffe auf die kleinen menschlichen Dramen und Schicksale ihrer Protagonisten sind präzise und human, wie durch ein Stethoskop verstärkt und mit Vibrato versehen, auch in den geringsten, zufälligen Ereignissen und Begegnungen. In Alltagswelten spürt sie den untergründigen Verletzlichkeiten nach, verleiht ihnen die Würde tragischkomischer Verwicklungen, so, als würde sie den Ameisenhaufen persönlicher Petitessen und existentieller Durchschnittlichkeit in das Rampenlicht erhabener und zeitlos gültiger Formen stellen.
Das ist, wie ich finde, große Kunst. So wie bei Hemingway in seinen besten Stories, erinnert der Aufbau ihrer Geschichten dem von griechischen Tragödien…

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5 comments

  1. Feine Rezension, Danke fürs Rebloggen.
    Herzliche Grüße vom Meer
    Klausbernd🙂

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  2. Gern geschehen. Und ich sehe, du grüßt wieder vom Meer. Also zurück aus dem Lake District. Ich freue mich jetzt schon auf deine Reiseeindrücke. Dina hat ja schon feine Bilder gepostet.

    Liebe Grüße aus Freiburg

    Achim

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  3. Danke für deine Einschätzung von Alice Munro, die um so mehr wiegt, da sie bereits eine Weile zurückliegt und nicht im Reflex auf den Nobelpreis verpasst wurde. Ich habe bisher noch nichts von Alice Munro gelesen, werde dies jetzt aber dringend nachholen.

    Lieben Gruß von hier nach da, K.

    PS: Habe den Text im Übrigen auch bei mir (bei einem Eintrag zu Buchmesse) verlinkt.

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  4. Gern geschehen,liebe K. Unbedingt lesen, bin gespannt auf deine Eindrücke. Liebe Grüße von hier nach dort.

    Achim

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  5. Habe jetzt endlich damit angefangen, Alice Munro zu lesen und lese immer noch eine und noch eine Geschichte. Wunderbar, wie sich scheinbar Nebensächliches und Zufälliges fügt, das Kleine zum Großen wird und einem oder mehreren Leben eine andere Wendung gibt oder einen neuen Sinn entfaltet. Die verschobenen Zeitebenen, Lücken, in denen das eine sich zum anderen fügt – oder eben auch nicht. So viel Welt, so viele Details, die sprechen, und so viel Würde, Traurigkeit und Glück in jedem einzelnen Leben. Denke an Benjamin, Katherine Mansfield, Tschechow, Hemingway, merkwürdig genug auch an Walter Kempowski und Flaubert. Da ist ein Widerhall von unterschiedlichen Genres und das alles vollkommen unprätentiös – eine klare, präzise Sprache, kein Wort zu viel und trotzdem (oder gerade) voller Bilder und Gedanken…

    Blablablubb,-)) – dabei wollte ich eigentlich nur sagen: Bin froh, dass ich Alice Munro für mich entdeckt habe. Ein Dank an das Nobel-Preiskomitee – und an dich🙂

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