Es grollt und dräut


z0001_gewitterDer Blick zum Himmel ist der Eintritt ins Theater des Wetters. Der Orchestergraben stimmt sich ein. Der Vorhang wird gehoben. Wetterleuchten macht sich auf. Der Himmel ist übervoll und überfließt. DIe Nähe zur Nässe erinnert an das Platzen einer Fruchtblase. Das romantische Bild einer Autopoiesis. Frei nach Richard Rorty: Die unverbrüchliche Einzigartigkeit des Wetters besteht in seinem poetischen Vermögen, einzigartige und dunkle Dinge zu sagen, nicht in seinem Vermögen, gewisse Trivialitäten nur zu sich selbst zu sagen. Die Wetterlage handelt nicht nach den Vorgaben rationaler Erwartungen. Sie ist das System, das sich selbst reguliert, in endloser Selbstreferenz sich wandelt nach Maßgabe ihrer immanenten Launen. Es korrigiert sich selbst. Es ist das Unternehmen, das sich selbst in Zweifel zieht und jede der Behauptungen, wie es sich denn entwickeln mag. Wir wissen nichts über den Schlag des Schmetterlingsflügels, wir wissen nichts über den Taifun, der sich daraus chaotisch austobt. Das Wetter ist die Praxis, deren Beobachtung keinen Aufschluß gibt über ein irgendgeartetes festes Fundament, oder besser, über eine Wahrheit, die immun ist gegen ihre Revision.

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11 comments

  1. Das Wetter ist doch eine göttliche Metapher! Deine Zeilen beweisen es mir einmal mehr. Ich bin sehr angetan. Auch von dem tollen Foto..:-) – Wenn es hier doch auch nur ein bisschen grollen und dräuen würde. Grüße aus dem Südosten des Brutkastens und noch einen schönen Sonntag Dir.

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    • Das Bild ist nicht von mir, leider. Ich mussmir da mal Gedanken machen, wie ich das kenntlich machen kann. Normalerweise sind es meine eigenen Bilder, doch ich gestehe, dass ich mich bisweilen einfach nur bediene. Ich warte quasi auf die erste Abmahnung.🙂
      Das Wetter hat schon etwas göttliches, wenn es um seine Wirkmächtigkeit geht. Inzwischen sieht es jedoch wohl so aus, als wären wir immer mehr ursächlich an seinen extremen Ausgestaltungen beteiligt.

      Liebe Grüße aus Freiburg

      Achim

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  2. Tolles Foto zu tollem Text, beides gefällt mir mal wieder bestens, wie fast alles auf deinem Blog. Hier gab`s am Freitag große Gewitter, ohne jedoch eine Abkühlung zu bringen. Aber immerhin jubelten Gärten und Gärtner.
    Ganz liebe Grüße von der Küste mit pipiwarmen Meer inzwischen, selbst gehe im Meer schwimmen (das will etwas heißen!),
    Klausbernd

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  3. Das ist ein gutes Bild zu einem sehr schönen Text.
    Ganz liebe Grüße auch von mir.
    mick

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  4. Tolles Foto und wunderbarer Text, lieber Achim. Sei lieb gegruesst, Peggy

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  5. Deine prosischen Texte sind ein Highlight in der Bloggerszene, Achim. Die eignen sich nicht zum schnell überfliegen. Schade, dass wir dich nicht hören können, ich hätte es von dir gerne vorgelesen bekommen.
    Dina

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