Die Beugung des Gemeinten


Prisma

Prisma

Die Innenwelt des Gemeinten, die Außenwelt des Gesagten. Ein Sprechen ohne Vorbehalt und Gedankenklüngelei. Das Beisichsein verliert den Zauber auf dem Weg zum Du, denn du  wirst meinen auf der Zunge getragenen Seeleninnenraum nicht dulden. Das unschuldig Reine meiner Emotion wird in deiner ganz gebrochen sein, denn dieser steht sie immer zuwider. Die prismatische Brechung des Gemeinten ins Gesagte, so dass das Gesagte in den leuchtendsten Farben weniger erhellt als verdunkelt. Was in der Physik wunderschön anzuschauen ist, mag für das Überleben von Kommunikation notwendig sein. Aber notwendigerweise taucht es das Gedachte in ein farbentrübes Licht. Es eröffnen sich die vielen Freiheitsgrade des Gemeinten, und es mag das Geheimnis verführerisch erscheinen lassen, aber tief in mir, in den selbstkritischen Wartesälen, wächst die Unzufriedenheit und das Begehren nach Kompromisslosigkeit, rauer Selbstbescheidung und nach schamloser Nacktheit der Identität, ein Geheimnis, das keines mehr sein will.  So reden wir aneinander vorbei, weil nur das Vorbeireden, das haarscharfe, das kleinmütige, zu Gesprächen einlädt. Alles andere ist pures Wagnis, mit den offenen Enden des Verstehens und dem Damoklesschwert der Flucht, die man ergreift, wenn sich jeder radikal entäußert. Die radikale Schönheit des Gemeinten vermag niemand zu ertragen. Denn diese Schönheit trägt nur eine Farbe: Weiß.

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12 comments

  1. „Was in der Physik wunderschön anzuschauen ist, mag für das Überleben von Kommunikation notwendig sein. Aber notwendigerweise taucht es das Gedachte in ein farbentrübes Licht.“ Dennoch versuchen wir es immer. Starke Sätze!

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    • Lieber Mick,

      Danke für deinen Kommentar. Ja, wir versuchen es immer wieder. Es wäre eine ärmere Welt, wenn das weiße Hintergrundrauschen des ganz Beisichseins ungesagt und unerhört bliebe. Aber vielleicht sollten wir auf der Leiter radikaler Aufrichtigkeit ein wenig wagnisliebend nach oben klettern. Diplomatie und political correctness in allen Ehren. Ich für meinen Teil möchte Meinungen und Haltungen unverwässert belassen. Sonst könnte ich mich gleich als Mitglied des Politikbetriebes einschreiben lassen🙂

      Liebe Grüße

      Achim

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  2. Lieber Achim,

    ja, es ist ein immerwährender Versuch mit niemals erreichter Sicherheit … und manchmal, da kann ein Blick genügen und das Verständnis ist da, jenseits von Worten und Erklärungen … und manchmal sprechen wir durch die Musik miteinander, manchmal über unsere Körper … und können uns wirklich begegnen-

    und dann aber frage ich mich: wie wichtig ist es wirklich, ständig in jedem Augenblick richtig verstanden werden zu wollen? In Bereichen der Arbeit und des Miteinanders müssen wir einen Konsens finden, in vielen anderen Bereichen geht es mehr übers spüren, oder nicht?!

    Ich hoffe, ich habe dich und die Richtung deines Textes überhaupt ansatzweise richtig verstanden … lach und wech

    ganz herzliche Grüße
    Ulli

    auch bei dir fange ich wieder mit dem Neuesten an, da ich länger nicht in Bloghausen unterwegs war und es mich heillos überfordern würde, wenn ich alles nachholen wollte … verzeih, aber die Bilder vom Lake District habe ich sehr gerne angeschaut🙂

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    • Hallo liebe Ulli,

      du hast den Text sehr gut verstanden. Obwohl er, wie immer, sperrig daherkommt. Was ja insofern gewollt ist, da er ja geradezu zum mehrfach Lesen einladen will. Immer mit dem Risiko behaftet, dass das Lesen abgebrochen wird aus Gründen schlichtweger Unverständlichkeit.Ich bin in diesem Text ja nur der Idee einer bildhaften Verkürzung meiner Gedanken durch den Vergleich mit der Lichtbrechung im Prisma aufgesessen. Da unser Denken wie ich finde nie vorsprachlich existieren kann, sondern schon immer an den sprachlichen Ausdruck gekoppelt ist, beginnen die Verständnisprobleme bereits in mir selbst. Denn es gibt ja keine andere Instanz in mir, die mein Gemeintes als authentisch qualifizieren kann, da ich selbst immer schon in der mir eigenen Sprache gefangen bin. Bevor ich mich also einem Dialogpartner verständlich machen kann, muss ich mein Gedachtes erst einmal mir selbst gegenüber verständlich machen. Ich sehe schon, es ufert wieder aus *g Nur eins noch: Auch Blicke oder Musik, Gesten und ähnliches stellen nichts anderes dar als Systeme von Zeichen. Und Zeichen fallen immer auseinander: In Bedeutendes und Bedeutetes, Und dieser Fakt bietet allemal immer Gründe für gewaltige Mißverständnisse. Weil jeder Mensch einen anderen Code zur Entschlüsselung von Zeichensystemen hat.

      Liebe Grüße aus Freiburg

      Achim

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      • lieber Achim,
        schon vor ein paar Tagen las ich deine Antwort und denke darüber nach- in mir ist ein ja und nein … sicherlich haben wir alle unsere eigene Welt und doch scheint es mir, als ob Verstehen möglich ist, jenseits von allen Missverständnissen, die allerdings häufiger sind, als mir lieb ist. Die Missverständnisse wohnen zuerst einmal, und das Zuhauf, in den Worten, aber es gibt auch die Begegnung jenseits der Worte und vielleicht sind diese ausschlaggebend für wirkliches Verständnis? Ja, ich setze ein Fragezeichen, denn, wie ich schon im ersten Kommentar schrieb, gibt es in diesem Bereich für mich keine wirkliche Sicherheit …
        Wie sonst können z.B. Symbole wirken, wenn es nicht etwas gäbe, was uns als Menschen gemeinsam wäre?

        Ich denke weiter …
        für heute grüße ich dich herzlich
        Ulli

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        • Liebe Ulli,

          Symbole und die Jung’schen Archetypen. Ich bin da zwiegespalten, weil ich mir einerseits denke, dass Symbole und deren Gehalte historischem Wandel unterworfen sind. Andererseits sich so manche sehr, sehr hartnäckig halten, als wären sie aus der Zeit gefallen und ihre Gehalte zeitresistent.

          Liebe Grüße

          Achim

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  3. „Do you know my world, do you know my kind – or must I explain?“ (BD)

    Möglicherweise liegt genau in der Differenz zwischen dem Inneren und dem Äußeren und in der Fähigkeit, sich auf diese Differenz einzulassen und sie immer wieder neu auszuloten, das Geheimnis zum Verständnis der Welt?

    Herzlich, K.

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    • Liebe K.

      danke für das Bob Dylan Zitat. Wir müssen immer „erklären“. Das macht die Kommunikation einerseits schwierig, andererseits auch fruchtbar. Das Verständnis der Welt ist ein hehres Ziel, Ich glaube jedoch, dass es so viele Arten dieses Verständnisses gibt, wie es Menschen gibt, die sich ernsthaft um ein gewises Verständnis bemühen. Das ist solange problemlos, solange es nicht zum ideologischen Kampf um Deutungsherrschaftsansprüche des „richtigen“ Verständnisses unserer Welt kommt. Meine Erfahrungswirklichkeit sagt mir: Es wird oft genug nur erbittert gekämpft, anstatt die unterschiedlichen Wege des Verständnisses als Bereicherung und Zuwachs meines eigenen Verständnisses zu begreifen.

      Liebe Grüße

      Achim

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  4. Lieber Achim, was fuer eine schoene Parallele zwischen Physik und Kommunikation. Ja, wir erleben alle taeglich das gesamte Spektrum zwischen Gemeint und Gesagt. Ich geniesse schoen Gesagtes, aber wichtig ist, dass es auch gemeint ist, soweit das eben moeglich ist. Liebe Gruesse und einen schoenen Abend, Peggy

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    • Liebe Peggy,

      das Gesagte genießen können, als Bereicherung eigener Sichtweisen, solange es auch so (ernsthaft) gemeint ist. Das ist in der Tat das schöne Ideal dahinter. Die Redlichkeit des Gemeinten muss durchscheinen können. Wenn das nicht gelingt, haben wir ein ernstes Problem in jeder Art von verbaler Auseinandersetzung.

      Liebe Grüße

      Achim

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  5. Lieber Achim,
    ja, da kann ich mich Peggy anschließen: schön stellst du die Parallele zwischen Lichtfarben und der Kommunikation dar, ganz in Sinne Goethes, der Faust zu Beginn von „Faust II“ sagen lässt: „Am farbigen Abglanz haben wr das Leben.“
    Und am Schluss steht bei dir Weiß, die Summe aller Lichtfarben, als Oberflächenfarbe gerade diejenige, die die Unschuld symbolisiert und zugleich sich so leicht beschmutzt😉
    Ganz liebe Grüße vom Meer, gerade wieder zu Hause angekommen.
    Mit bunten Grüßen
    Klausbernd🙂

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    • Lieber Klausbernd,

      du bringst mich auf die Idee, die beiden „Fäuste“ endlich mal zu lesen. Keine Ahnung, was mich bisher davon abgehalten hat. Ich wünsche mir ein Sabbathjahr daher, in dem ich mich ausgiebig den Klassikern der Literaturgeschichte widmen würde. Und davon gibt es so viele, dass mir schon jetzt ganz schwindlig wird. Kommt Zeit, kommt Rentenzeit, kommt Lektüre *g

      Liebe Grüße

      Achim

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