Lake District – Dales, Drumlins, Moraines and Passes


„And is it among rude untutored Dales,
There, and only there, that the heart is true?
And, rising to repel or to subdue,
Is it by rocks and woods that man prevails?
Ah no! though Nature’s dread protection fails,
There is a bulwark in the soul . 
...... 
(William Wordsworth: Aus "And is it among rude untutored Dales")

All pictures © Achim Spengler
Lake District Drumlin

Lake District Drumlin

Da stand ich also, starr und in demütiger Betrachtung all dieser Täler, Pässe, Berge und Felder.  Über Jahrtausende nach der letzten großen Eisschmelze wuchsen hier, wie im Rest Britanniens auch, dichte Wälder von Eichen, Eiben, Eschen und Buchen. Ich hatte ein Problem damit zu verstehen, dass diese grandiosen Kulissen, die Kargheit und der rudimentäre Baumbewuchs das Resultat allerlei  menschlicher Eingriffe über einen weiteren großen Zeitraum sein sollte. Hunderte Jahre von Landwirtschaft in  den Höhenzügen, Schafzucht, Landbeurbarung, Bergbau und Abbau von Schiefer, Basalt und anderen Gesteinen haben die Höhenzüge geformt, den Bergen ihre kargen Kuppen verpasst und der rauen Natur Metaphern der Unberührtheit, Unzugänglichkeit  und der unantastbaren königlichen Würde übergestülpt.

Und, sind wir ehrlich, das hier sind nicht die Alpen oder die Anden. Die höchste Erhebung, der Scafell Pike, schiebt sich gerade einmal 978 Meter in den nebelverhangenen Himmel. Mein Hausberg hier in Freiburg, der Schauinsland, ist 1284 Meter hoch. Im Vergleich zu den Cumbrian Mountains geht ihm jede Art von Bedrohlichkeit gänzlich ab. Was wohl an dem Umstand liegt, sich sanft, unbescheiden und in moderat ansteigenden Etappen in die Höhe zu strecken.

Die Berge im District dagegen überbieten sich mit Schauspielen purer Steilheit, das Ergebnis des Wirkens der letzten Eiszeit und ihres Verschwindens vor 10000 bis 15000 Jahren. Als das Eis sich zurückzog, hinterließ es den schier herausgeätzten, unverwechselbaren Charakter des Districts. Und es entstanden die U-geformten Täler von Buttermere, Borrowdale, Langdale und Wasdale. Auf der Bodenbasis dieser Steilwände stehend kam ich mir winzig vor, eingeschüchtert und verloren.

Die höchsten Berge des Lake District bestehen aus nichtporösen vulkanischen Gesteinen. Sie hielten das Schmelzwasser der Eiszeit in den Tiefen der Täler zurück. Wasser, das von nun an dort gefangen blieb und die Lakes, so wie wir sie heute kennen, speisten. Und es blieben Gesteinsmöränen zurück. Und die sogenannten “erratic boulders” aus Granit und Gneiss, die wie Gespenster aus dem Bodennebel ragen, Hinterlassenschaften der großen Faust der Gletscher, die hier zu Werke ging. Zuguterletzt die “drumlins”, die Höhenrücken mit den tropfenförmigen Grundrissen, überall verstreut wie versteinerte Buckelwale. Vielleicht kam sich William Wordsworth wie Captain Ahab vor, sein Wanderstock eine Harpune, sein Wanderleben opfernd der Überwindung dieser Gipfelwale, die im Winter so weiß sind wie Moby Dick. Die Wahrhaftigkeit des Herzens, von der Wordsworth in seinem obigen Gedicht spricht, hat sie hier zu ihm gesprochen?

„Sag, findet man denn Treu und Redlichkeit

in Tälern nur, die wild und abgelegen?

Wenn dort sie rebellierend sich erheben,

ist es der Fels, der Wald, der Sieg verleiht?

Ach nein! Selbst wenn Naturgewalt mal schweigt,

dort Herz und Seele sind ein fester Ort.

………..“

Lake District Moraines

Lake District Moraines

Lake District Drumlin

Lake District Drumlin

Lake District Erratic Boulder

Lake District Erratic Boulder

Lake District Erratic Boulder

Lake District Erratic BoulderErratic Boulder

Hier eine kleine Etymologie der in Cumbria und anderer nördlicher Landkreise verwendeten Begriffe

dale: vom Alt-Norwegischen dalr

fell: berg, vom Alt-Norwegischen fjall

Force: Wasserfall, vom Alt-Norwegischen fors

ghyll: Schlucht, vom Alt-Norwegischen gil

Mere: Teich oder See ,  The word mere is recorded in Old English, corresponding to Old Saxon meri, Old Low Franconian *meri (Dutch meer), Old High German mari / meri (German Meer), Goth. mari-,marei, Old Norse marr (Swedish mar-, French mare). They derive from reconstituted Proto-Germanic *mari, itself from Indo-European *mori, the same root as marsh and moor. The Indo-European root gave also birth to similar words in the other European languages : Latin mare ’sea‘ (Italian mare, French mer), Old Celtic *mori ’sea‘ (Gaulish mori-, more, Irishmuir, Welsh môr, Breton mor), Old Slavic morje. The word has been also loaned to Finno-Ugric languages as Finnish and Estonian meri, meaning sea. (Quelle: Wikipedia)

tarn: kleiner Bergsee,  Vom Alt-Norwegischen tjǫrn (“a small mountain lake without tributaries”). verwandt mit dem Norwegischen tjern (“small forest or mountain lake”). Quelle: Wikipedia)

thwaite: Alt-Norwegisches Wort für Lichtung

Klickt auf ein Bild und es öffnet sich die Bilderschau

Tal bei Buttermere

Buttermere Pass and Dale

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Buttermere Pass and Dale

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Buttermere Pass and Dale

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Kirkstone Pass

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Kirkstone Pass

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Von Keswick nach Windermere

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Von Keswick nach Windermere

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Von Keswick nach Windermere

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Von Keswick nach Windermere

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Von Keswick nach Windermere

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Von Keswick nach Windermere

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Buttermere Pass and Dale

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Zum Ullswater Lake

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Zum Ullswater Lake

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Zum Ullswater Lake

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Zum Ullswater Lake

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Höhenzug Richtung Keswick

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Höhenzug Richtung Keswick

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Höhenzug Richtung Keswick

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Cottage an der Ashness Bridge

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Ashness Bridge Blick auf Derwentwater

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Newlands Valley

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Newlands Valley

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Newlands Valley

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Force = Wasserfall bei Buttermere

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Fell Impressions

Lake District Fell

Lake District Fell

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Fell Impressions

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Fell Impressions

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Fell Impressions

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Borrowdale

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Honister Pass

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Auf dem Weg zum Ullswater LAke

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Wasserfall auf dem Weg von Ullswater nach Windermere

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Höhenzug

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Fell Impressions

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Buttermere Pass and Lake

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Buttermere Pass and and Lake

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Honister Pass

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Honister Pass

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Honister Pass

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Honister Pass

Vorschau

Kategorien:Lake District, ReisenSchlagwörter: , , , , , , , , , ,

19 comments

  1. Lieber Achim,
    wirklich tolle Fotos und very impressed I am, dass du Alt-Norsk kannst. Ich musste das in meinem Nordistikstudium lernen. Das hielt ich damals für sehr exotisch. Aber erstaunlich, wie nahe es dem jetzt gesprochenen Norwegisch ist.
    Danke für den feinen Artikel.
    Liebe Grüße aus Norfolk
    Klausbernd

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    • Lieber Klausbernd,

      in aller Bescheidenheit muss ich gestehen, dass ich diese Wortbedeutungen nachschlagen musste *g Ich hatte einen sehr guten englischsprachigen Reiseführer dabei, dem ich viele Informationen entnehmen konnte. In einem längeren Beitrag befasste sich dieser mit diesen etymologischen Dingen.

      Liebe Grüße aus Freiburg, in dem die Temperaturen gefühlt gegen Null tendieren, it’s a shame

      Achim

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  2. Ich stehe sprachlos vor dieser herrlichen Landschaft. Lieben Gruss, Peggy

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    • Hallo Petra,

      die Landschaft ist ein Amalgam aus Lieblichkeit zum einen und karger, rauher, Unzugänglichkeit. Martin Heidegger hätte dort seinen Begriff von der „Geworfenheit der Existenz“ sehr gut illustrieren können🙂

      Liebe Grüße aus Freiburg

      Achim

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  3. Liebe Peggy,

    sie macht einen wirklich sprachlos. Da ich allein reise und selten Gelegenheit habe, überhaupt Gespräche zu führen, kam mir diese Art von Sprachlosigkeit gerade recht, Danke für deinen Kommentar und vor allem für deine Verlinkung auf Twitter.

    Liebe Grüße aus Freiburg

    Achim

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  4. Formen. Farben. Linien. Grenzen. Stille. Rauheit. Zartheit. Widerborstigkeit. Ausbruch. Raffheit. Einsamkeit. Mut. Melancholie. Bedrängnis. Freiheit. Wildheit. Weite. Zärtlichkeit. Sprödigkeit. Wasser. Wind. Wolken. Ewigkeit. Vergänglichkeit. Ehrfurcht. Aufrichtigkeit. Anmut. Geworfenheit. Ängstlichkeit. Kraft.

    Das sind die Begriffe, die mir beim Betrachten deiner Bilder – denn es sind fast mehr Bilder als Fotos – einfallen. Danke dir für den leisen Text, der sich in und um die Bilder fügt, und genau den richtigen Ton zwischen individuellem Erleben und anreichernder Information findet.

    Wünsch dir einen sanften Übergang zurück in den Alltag 

    Herzlich, K.

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    • Liebe K.

      herzlichen Dank für deinen schönen Kommentar. Habe mich sehr dsarüber gefreut. Du hast es, wie immer, wunderbar beschrieben, all das, was einem wirklich im District anrührt. Solltest du ihn noch nicht kennen, eine Reise dorthin kann ich dir wärmstens ans Herz legen.

      Liebe Grüße aus Freiburg

      Achim

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  5. Just epic!! England, my England…how I miss you already!
    Grüße cunitia

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  6. Hallo Achim,
    ein echt großartiger Artikel: wunderbare Fotos, interessante Fakten und vor allem, eine absolut poetische Beschreibung der Landschaft!
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit
    P.S.: Sehr ähnlich sehe ich übrigens die Grampian Mountains in den schottischen Highlands, die ich vor kurzem besucht habe.

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    • Hallo Pit,

      danke für die lieben Worte. Ich bin jetzt aber vor allem gespannt darauf, was du und deine Frau von eurem Trip nach England und Schottland zu berichten habt. Und auf jede Menge Bilder davon freue ich mich auch. Ich hoffe, du hast dich wieder aklimatisiert und fieberst den Spielen der Spurs in Miami entgegen.

      Liebe Grüße aus dem heißen Freiburg.

      Achim

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      • Hallo Achim,
        ja, akklimatisiert haben wir uns wieder. Das geht immer ganz/viel zu schnell. Und leider müssen wir jetzt dem 7. Spiel der Spurs entgegenfiebern. Nachdem wir gestern gehofft haben, sie würden den bisherigen Trend – dass nämlich keine der beiden Mannschaften zwei Spiele hintereinander gewinnt – umkehren können, müssen wir jetzt hoffen, dass der bisherige Trend – alternative Wechsel der siegreichen Mannschaften – sich auch am Donnerstag fortsetzt. Halte bitte mit uns die Daumen.
        Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
        Pit

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        • Lieber Pit,

          jetzt ist es doch geschehen: Miami im letzten entscheidenden Spiel. Ich hatte die Daumen für San Antonio gedrückt. Ein überragender LeBron James und vor allem die Nachlässigkeitgen der Spurs im sechsten Spiel. Nun ja. Antonio wird wohl auch eine Art Auffrischung gut tun. Die Leistungsträger sind nicht mehr die Jüngsten. Warten wir die nächsten Jahre ab.

          Liebe Grüße

          Achim

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  7. Aus Deinen Worten und Bildern spricht die Liebe zum Land. Ich war leider noch niemals auf der Insel. Die Landschaft auf diesen Fotos wirkt auf mich weich und widerspenstig zugleich. Sehr schön.

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    • Liebe Pagophila,

      vielen Dank für deinen Kommentar und willkommen im Blog. England ist „my second country of birth.“🙂 Und der Lake District eine der beeindruckensten Gegenden dort. Vielleicht geben die Seen diesen Eindruck von Weichheit wider. Zugleich ist es ein sehr raues Land und nur unter gewissen Mühen zu erkunden.

      Grüße aus Freiburg

      Achim

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  8. Ich fasse nicht, warum mir diese wunderbaren Reisberichte entgangen sind!
    Deine Aufnahmen sind atemberaubend schön und laden sofort zum Reisen ein. Vielen Dank für’s mitnehmen, dort möchte ich unbedingt hin. The Lake District rückt jetzt weit nach Oben auf der Liste.
    Dina

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    • Liebe Dina,

      mir geht es bisweilen auch so wie dir: Mancher Blogbeitrag fliegt unter meinem Radar und ich entdecke ihn erst spät. Der Lake District ist mehr als nur eine Reise wert. Meine Tage dort waren kurz bemessen. Drei Wochen sollten es schon sein, um alles zu sehen und wirken lassen zu können.

      Liebe grüße aus Freiburg

      Achim

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  9. Es müssen einem die Tränen in die Augen steigen ob der wunderbaren Eindrücke, die Du einfangen hast. Wir haben es etwas lieblicher erlebt, es war warm und grün und irgendwie „lush“…aber auch diese Jahreszeit hat ihre Reize. Mein England ist immer wieder eine Reise wert! Ich freue mich auf weitere Abenteuer in unserem geliebten Traumland.
    Danke! Deine Schwester Dagmar

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