W. G. Sebald: Die Ringe des Saturn


W.G. Sebald  Die Ringe des Saturn„Oh, for the countless things one fails to do.“

„Und  Catharina, als das Sonnenlicht sich senkte, sank nieder unter einem unsichtbaren Baum und zog die Schuhe aus und legte ihren Hut beiseite. Ich denke, sagte sie, ich will hier schlafen, schlummern wenigstens. Sei ruhig, mein Herz. Der stille Abend deckt die kranken Sinne mit seinem Mantel zu …..“ (Beide Zitate aus: W.G.Sebald: Die Ringe des Saturn).

Einfach nur lesen, dieses wunderbare Buch. Der  Reisebericht eines deutschen Literaten, der 1966 nach England auswanderte und sich im ostenglischen Norwich niederließ. Er lehrte europäische Literatur an der University of East Anglia, Norwich. Geboren in Wertach, Bayern, galt er in England und Amerika als einer der herausragenden europäischen Schriftsteller, noch bevor er in Deutschland als Schriftsteller von Gewicht entdeckt wurde.  Susan Sontag machte sich für ihn stark und in den Meinungen vieler Fürsprecher war er ernstgenommener Anwärter auf den Erhalt des Nobelpreises für Literatur.In diesem von melancholischen Erinnerungen angehauchten Reisebericht schildert er Erlebnisse seiner Wanderungen durch die Grafschaft Suffolk. Schildert persönliche Begegnungen mit den Menschen, die dort leben und berichtet von großen historischen Figuren, die einst in diesen Landstrichen seßhaft waren oder sich, wie Chateaubriand, vorübergehend dort aufhielten.

Joseph Conrad, Roger Casement, Algernon Swinburne, um nur einige zu nennen, hinterläßt er subtile, psychologisch scharfsinnige Angedenken. Die Besichtigung viktorianischer Schlösser, allerlei geschichtliche Betrachtungen und nicht zuletzt eine bemerkenswerte Skizze des europäischen Seidenhandels runden seine Reiseerzählung ab. Die Melancholie, die hier zur Sprache kommt, ist eine Melancholie, die aus dem zeitlos zu nennenden  Schreibstil Sebalds schöpft. Es ist weniger eine Melancholie, die sich in der Offenbarung privatimer Seelenzustände des  Schreibenden  ausdrückt. Fast schlafwandlerisch klopft Sebald an diverse Türen gegenwärtiger und vergangener Geschichte, erhält seine Informationen und pilgert zu den nächsten Stationen seiner Reise weiter. Der Titel dieses Buches ist absichtsvoll gewählt. Der Saturn und die Melancholie, das passt zusammen. Sebald starb im Dezember 2001 bei einem Autounfall in Norwich.

Kategorien:Hommage, Literatur, Reisebericht, Suffolk, W.G. SebaldSchlagwörter: , , , , , , ,

2 comments

  1. Danke fuer den tollen Buchtipp. Nachdem Klausbernd und Dina kuerzlich ueber Sebalds Geburtshaus berichtet haben http://kbvollmarblog.wordpress.com/2012/10/25/w-g-sebald/ und Du nun das Buch vorstellst, muss ich wohl endlich mal anfangen, Sebald zu lesen (Asche auf mein Haupt – aus irgendeinem Grund waechst mein ungelesener Buecherstapel immer schneller als mein gelesener)

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  2. Books unread and books to read. Stelle dir vor, dass Verhältnis zwischen den Stapeln Bücher wäre umgekehrt. Ich finde du machst das richtig🙂 Klausbernds Blogbeitrag hat mich zu meinem inspiriert. Ich gestehe, dass W.G. Sebald erst spät in die Welt meiner Lektüre trat, dann aber um so vehementer.

    Gruss

    Achim

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